Blutbasierte Biomarker bei MS: Erkrankungsform und Erstmanifestation bestimmen Aussagekraft20. Februar 2026 Die Ungewissheit, wie die Multiple Sklerose voranschreitet, belastet Betroffene sehr. (Foto: © Dan Race – stock.adobe.com) Das saure Gliafaserprotein (GFAP) und die Neurofilament-Leichtkette (NfL) können bei schubförmiger Multipler Sklerose (MS) helfen, eine bleibende Verschlechterung der Behinderung (CDW) vorherzusagen. Ob dies bei progressiver MS (PMS) auch gelingt, war bislang unklar. Nun zeigt ein internationales Forscherteam, dass GFAP vor allem bei sekundär progredienter MS (SPMS), NfL nur bei primär progredienter MS (PPMS) eine Prognose erlaubt, wie sich die Behinderung entwickelt. Um den prognostischen Wert von Serum(s)-GFAP und sNfL bei Menschen mit PMS zu evaluieren, nutzte das Team Daten von BioMS-eu-Netzwerkzentren und kooperierenden Kohorten. Eingeschlossen wurden Patienten mit PPMS oder SPMS, für die mindestens ein sGFAP-Wert und mindestens drei Follow-up-Werte der EDSS vorlagen. Den Nutzen der alters- und geschlechtsbereinigten z-Scores von sGFAP und sNfL, eine zukünftige CDW zu prognostizieren, bewerteten die Forschenden mithilfe von Cox-Regressionsmodellen. Dabei berücksichtigten sie Geschlecht, Alter, Krankheitsdauer zu Studienbeginn und EDSS sowie die vorherrschende Behandlung während des Follow-up. Unterschiedliche Biomarker bei verschiedenen MS-Formen Insgesamt flossen 1058 Teilnehmer und 7530 Untersuchungen in die Analyse ein. Das mediane Alter der Teilnehmer betrug 53 Jahre (IQR 44–59), 57 Prozent waren weiblich. Die Nachbeobachtungszeit erstreckte sich über 4,6 Jahre (IQR 2,9–8,4). Die medianen Ausgangswerte für sGFAP lagen bei 0,74 (IQR -0,10 bis 1,55) und für sNfL bei 0,64 (IQR -0,36 bis 1,51). In der Studienkohorte traten 723 CDW-Ereignisse auf. Daraus errechneten die Forschenden, dass jeder Anstieg des sGFAP-z-Scores mit einem um rund zehn Prozent höheren CDW-Risiko verbunden war (aHR 1,11; 95%-KI 1,00–1,23; p=0,049). Dieser Zusammenhang ging vor allem auf Teilnehmer mit SPMS zurück (n=613; aHR 1,24; 95%-KI 1,07–1,44; p=0,004). Höhere sNfL-z-Scores sagten hingegen nur bei PPMS-Teilnehmern CDW voraus (aHR 1,24; 95%-KI 1,09–1,40; p=0,001). Nutzen des Biomarkers variiert mit Erstmanifestation Ein deutsch-schweizerisches Forscherteam hat den prognostischen Wert der beiden Biomarker für die klinische und radiologische Krankheitsaktivität bei Patienten mit klinisch isoliertem Syndrom oder früher MS mit Optikusneuritis (ON) und ohne Optikusneuritis (NON) als Erstmanifestation verglichen. Es kommt zu dem Schluss, dass nur sNFL, nicht jedoch sGFAP, bei NON die zukünftige klinische und MRT-Aktivität der Erkrankung voraussagen kann. Der prognostische Wert von sNFL könnte hingegen vom Typ der Erstmanifestation abhängen. Die Forschenden um Erstautorin Susanna Asseyer von der Charité Berlin hatten innerhalb von sieben Monaten nach Ausbruch der Erkrankung 18 ON-und 46 NON-Patienten in ihre Studie eingeschlossen. MS-Patienten mit einer Krankheitsdauer von mehr als zwölf Monaten dienten als Kontrollgruppe (n=21). sNFL und sGFAP wurden zu Beginn der Studie und bei den Nachuntersuchungen unter Verwendung der SIMOA-Technologie analysiert. Insgesamt lagen 165 Proben vor. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 80 Monate. Die mittleren sNFL-z-Scores waren bei NON (1,06) höher als bei ON (0,53) und MS (0,94). Bei NON, jedoch nicht bei ON, waren höhere sNFL-z-Scores mit einem erhöhten Risiko für einen nachfolgenden Schub (NON: HR 1,63; 95%-KI 1,12–2,27; p=0,005; ON: HR 0,80; 95%-KI 0,51–2,27; p=0,318) und neue T2-Läsionen im MRT (NON: HR 1,66; 95%-KI 1,31–2,11; p<0,001; ON: HR 1,16; 95%-KI 0,82–1,63; p=0,404) assoziiert. Bei ON deuteten die sGFAP-z-Scores auf ein geringeres Risiko für einen nachfolgenden Schub hin (HR 0,34; 95%-KI 0,12–0,98; p=0,047).Der pathophysiologische Hintergrund dieses Zusammenhangs müsse ebenso noch geklärt werden wie der prognostische Nutzen von blutbasierten Biomarkern bei ON, erklärten die Forscher im „European Journal of Neurology“. (ej/BIERMANN)
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