Blutdrucksenker: Welche Kombination wirkt am besten?26. November 2025 © asadykov – stock.adobe.com (Symbolbild) Australische Forscher entwickelten auf Basis umfangreicher Patientendaten ein Modell zur Wirksamkeit antihypertensiver Kombinationen. Es erlaubt eine Einschätzung der blutdrucksenkenden Intensität. Die Forscher quantifizierten die Blutdruck(BP)-senkende Wirksamkeit der fünf wichtigsten antihypertensiven Medikamentenklassen (ACE-Hemmer, Angiontensin-II-Rezeptorblocker, Betablocker, Kalziumkanalblocker, Diuretika) und deren Kombinationen. Ihre systematische Überprüfung und Metaanalyse von 484 randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studien mit mehr als 100.000 Teilnehmenden liefert eine robuste Schätzung der Wirksamkeit aller Wirkstoffkombinationen. Auf deren Basis lassen sich die Kombinationen in Klassen mit niedriger, mittlerer und hoher Intensität einteilen. In die Analyse inkludiert wurden Studien (veröffentlicht bis 28.02.2025) mit einer Nachbeobachtungsdauer von vier bis 26 Wochen, einer bei allen Teilnehmenden höchstens vier Wochen vor der BP-Nachuntersuchung festgelegten medikamentösen BP-Behandlung sowie mit Verfügbarkeit von klinischen BP-Werten für die Berechnung der mittleren Differenz des systolischen BP (SBP) zwischen den Behandlungsgruppen. Crossover-Studien mit einer Auswaschphase unter zwei Wochen zwischen den Crossover-Perioden wurden ausgeschlossen. Der primäre Endpunkt war die placebokorrigierte Senkung des SBP. Die BP-senkende Wirksamkeit wurde anhand von Metaanalysen mit festen Effekten geschätzt, die auf den mittleren Ausgangs-BP aller eingeschlossenen Studien standardisiert wurden. Die Behandlungsregime wurden in niedrige, moderate und hohe Intensität eingeteilt, entsprechend einer SBP-senkenden Wirksamkeit von <10 mmHg, 10–19 mmHg bzw. ≥20 mmHg ausgehend von einem Ausgangswert von 154 mmHg. Das Durchschnittsalter der 104.176 inkludierten Teilnehmenden betrug 54±8 Jahre, 55 Prozent waren männlich, der mittlere Ausgangs-SBP lag bei 154/100 mmHg. Die Probanden wurden im Mittel über 8,6±5,2 Wochen nachbeobachtet. Im Durchschnitt senkte die Monotherapie in Standarddosierung den SBP um 8,7 mmHg (95%-Konfidenzintervall [KI] 8,2–9,2), und jede Verdopplung der Dosis führte zu einer zusätzlichen Senkung um 1,5 mmHg (95%-KI 1,2–1,7). Die Kombination zweier Medikamente in einer Standarddosis führte zu einer SBP-Senkung um 14,9 mmHg (95%-KI 13,1–16,8), wobei jede Verdopplung der Dosis beider Medikamente eine zusätzliche Senkung um 2,5 mmHg (95%-KI 1,4–3,7) bewirkte. Jede Senkung des Ausgangs-SBP um 10 mmHg reduzierte die BP-senkende Wirksamkeit bei Monotherapien um 1,3 mmHg (95%-KI 1,0–1,5), wobei jedoch Unterschiede zwischen den Wirkstoffklassen beobachtet wurden. Von 57 Monotherapien in Standarddosierung wurden 45 (79%) als niedrig dosiert eingestuft. Als hochdosiert stuften die Forscher 21 (11%) von 189 verschiedenen Doppelkombinationen von Medikamentendosierungen ein, sowie 110 (58%) als mäßig dosiert. Es gab erhebliche Unterschiede in den Dosis-Wirkungs-Beziehungen und den Beziehungen zwischen Ausgangs-BP und BP-Reaktion zwischen und innerhalb der Medikamentenklassen. Die Studienautoren entwickelten zusätzlich ein Modell zur Berechnung der Wirksamkeit für jede Kombination von Antihypertensiva. Das Modell validierten sie anhand externer Studien mit dualen und dreifachen Kombinationen von Antihypertensiva. Im Ergebnis zeigte es eine hohe Korrelation zwischen dem vorhergesagten und dem beobachteten SBP, wenn es anhand externer Studien validiert wurde (r=0,76; p<0,0001). Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im „Lancet“. (ah/BIERMANN)
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