Blutdrucksenkung auch bei Senioren mit leicht erhöhtem Blutdruck5. Januar 2022 © Zoran Zeremski – stock.adobe.com (Symbolbild) Eine Metaanalyse der Blood Pressure Lowering Treatment Trialists′ Collaboration ging der Frage nach, ob eine pharmakologische Blutdrucksenkung bei Personen im Alter von ≥70 Jahren und nur schwach erhöhtem Blutdruck vor schweren kardialen Komplikationen (MACE) schützen kann. Ihr Fazit in „The Lancet“: Eine medikamentöse Reduktion des Blutdrucks wirkt bis ins hohe Alter – selbst bei niedrigem Ausgangsblutdruck (<120/70 mmHg). Die Studienautoren um Prof. Kazem Rahimi von der University of Oxford (Großbritannien) plädieren daher dafür, die pharmakologische Blutdrucksenkung unabhängig vom Alter als wichtige Behandlungsoption anzusehen und die altersabhängigen Blutdruckschwellen aus den internationalen Leitlinien zu streichen. In die Metaanalyse nahmen die Forscher Daten auf der Ebene der einzelnen Teilnehmer (n=358.707) aus 51 RCTs zur pharmakologischen Blutdrucksenkung im Vergleich zu Placebo oder anderen Klassen blutdrucksenkender Medikamente oder zwischen mehr und weniger intensiven Behandlungsstrategien auf. Diese umfassten ≥1000 Personenjahre Nachbeobachtung in jeder Behandlungsgruppe. Teilnehmer mit vorbestehender HF wurden ausgeschlossen. Die gepoolten Daten wurden nach Altersgruppen (<55 [12,0%], 55–64 [35,8%], 65–74 [35,8%], 75–84 [15,1%] und ≥85 Jahre [1,3%]) und Blutdruckkategorien (in 10 mmHg-Schritten von <120 bis ≥170 mmHg systolischer Blutdruck und von <70 bis ≥110 mmHg diastolischer Blutdruck) stratifiziert. Als primäres Ergebnis definierte die Studiengruppe einen tödlichen oder nicht tödlichen Schlaganfall oder MI, eine ischämische Herzerkrankung oder eine HF, die zum Tod führte bzw. eine Krankenhauseinweisung erforderte. Die Teilnehmer hatten bei Randomisierung ein medianes Alter von 65 Jahren (IQR 59–75). Die HRs für das MACE-Risiko pro 5 mmHg-Senkung des systolischen Blutdrucks für jede Altersgruppe betrugen 0,82 (95%-KI 0,76–0,88) bei Personen <55 Jahren und 0,91 (95%-KI 0,88–0,95), 0,91 (95%-KI 0,88–0,95), 0,91 (95%-KI 0,87–0,96) und 0,99 (95%-KI 0,87–1,12) bei Personen in den Altersgruppen 55–64, 65–74, 75–84 und ≥85 Jahre (adjustiertes pInteraktion=0,050). Rahimi et al. sahen ähnliche Muster der proportionalen Risikoreduktion für eine Senkung des diastolischen Blutdrucks um 3 mmHg. Die absoluten Risikoreduktionen für MACE variierten je nach Alter und waren in älteren Gruppen größer (adjustiertes pInteraktion=0,024). Sie fanden in keiner Altersgruppe Hinweise auf eine klinisch bedeutsame Heterogenität der relativen Behandlungseffekte zwischen den verschiedenen Kategorien des Ausgangsblutdrucks. (ah) Fazit Eine medikamentöse Reduktion des Blutdrucks wirkt bis ins hohe Alter – selbst bei niedrigem Ausgangsblutdruck (<120/70 mmHg). Die Studienautoren um Prof. Kazem Rahimi von der University of Oxford (Großbritannien) plädieren daher dafür, die pharmakologische Blutdrucksenkung unabhängig vom Alter als wichtige Behandlungsoption anzusehen und die altersabhängigen Blutdruckschwellen aus den internationalen Leitlinien zu streichen. Autoren: Rahimi K et al. Korrespondenz: Kazem Rahimi; [email protected] Studie: Age-stratified and blood-pressure-stratified effects of blood-pressure-lowering pharmacotherapy for the prevention of cardiovascular disease and death: an individual participant-level data meta-analysis Quelle: Lancet 2021;398(10305):1053–1064. Web: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(21)01921-8
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