Bluthochdruck: Lebensstiländerungen fallen offenbar schwerer als Medikamenteneinnahme10. August 2026 Eine US-Studie zeigt: Das traditionelle Modell zur Erklärung des Gesundheitsverhaltens sagte die Absicht zur Medikamenteneinnahme besser voraus als die Absicht, bei Hypertonie Lebensstiländerungen vorzunehmen. (Symbolfoto: ©nito/stock.adobe.com) Eine neue US-Studie zeigt: Das Health Belief Model kann die Absicht zur Einnahme von Blutdruckmedikamenten besser erklären als die Absicht zu Lebensstiländerungen. Gleichzeitig war eine Hypertoniediagnose mit einer geringeren Bereitschaft zu Lebensstiländerungen assoziiert als zur Einnahme von Medikamenten. Medizinische Leitlinien empfehlen sowohl Medikamente als auch eine gesunde Lebensweise zur Senkung eines Bluthochdrucks. Die Umsetzung dieser Empfehlungen variiert in der Realität jedoch erheblich zwischen den Patienten. Besonders die Umstellung auf gesündere Lebensgewohnheiten, bspw. hinsichtlich Salzkonsum, Körpergewicht und täglicher Bewegung, fällt vielen Patienten schwer. Mögliche zugrundeliegende psychologische bzw. kommunikative Faktoren untersuchte eine US-Forschungsgruppe anhand einer repräsentativen Befragung von fast 1400 erwachsenen US-Amerikanern, wovon fast die Hälfte eine diagnostizierte Hypertonie aufwies. „Medikamente und Änderungen des Lebensstils sind beide wesentliche Bestandteile der Behandlung von Bluthochdruck, doch unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass sie möglicherweise von unterschiedlichen psychologischen Prozessen gesteuert werden“, sagt Erstautor Yotam Ophir, außerordentlicher Professor für Kommunikationswissenschaften an der University at Buffalo, State University of New York. „Die Menschen scheinen eher bereit zu sein, der Empfehlung ihres Arztes zur Einnahme von Medikamenten zu folgen, nachdem sie die Diagnose erhalten haben – insbesondere, wenn sie sich Sorgen wegen ihrer Bluthochdruckdiagnose machen – oder wenn sie glauben, dass dieses Verhalten vorteilhaft ist. Im Gegensatz dazu verringert eine Diagnose die Bereitschaft, die Lebensstiländerungen vorzunehmen, die ebenfalls entscheidend für die Blutdruckkontrolle sind“, erläutert Ophir die wichtigsten Erkenntnisse der im Fachmagazin „Hypertension“ veröffentlichten Studie. Repräsentative Befragung zum Verständnis des Gesundheitsverhaltens Die Forschenden von drei US-Universitäten, darunter das Annenberg Public Policy Center (APPC) der University of Pennsylvania, nutzten für ihre Untersuchung das Health Belief Model – ein seit langem etabliertes Rahmenkonzept zum Verständnis von Gesundheitsverhalten. Darauf basierend untersuchten sie, wie die Wahrnehmung des persönlichen Risikos, des Schweregrads der Erkrankung, des Nutzens der Behandlung sowie von Kommunikationsbarrieren mit medizinischem Fachpersonal die Absichten zur Einnahme von Medikamenten und zu Lebensstiländerungen beeinflussen. Ihre Befragung umfasste eine national repräsentative Stichprobe von 1398 erwachsenen US-Bürgern, darunter 46 Prozent mit diagnostizierter Hypertonie. Die Befragten waren im Durchschnitt 52 Jahre alt, 54 Prozent Frauen, 69 Prozent Weiße, neun Prozent Schwarze und 54 Prozent mit mindestens einem Bachelor-Abschluss. Als Ergebnisvariablen erhoben die Forschenden die Absicht der Teilnehmer, den ärztlichen Empfehlungen in Bezug auf die Einnahme von Medikamenten und Änderungen des Lebensstils zu folgen. Größere Absicht zur Einnahme von Medikamenten als zur Änderung des Lebensstils Sie entdeckten, dass Menschen mit Bluthochdruck eher bereit sind, den Empfehlungen ihres Arztes zur Einnahme von Medikamenten zu folgen, als Menschen ohne Bluthochdruck. Das Health Belief Model prognostizierte die Absicht, Medikamente einzunehmen, zwei- bis dreimal besser als die Absicht, einen gesünderen Lebensstil anzunehmen. Damit können die traditionell zur Erklärung von Gesundheitsverhalten herangezogenen Überzeugungen die Absicht, Medikamente einzunehmen, besser vorhersagen als die Absicht, gesündere Gewohnheiten wie Sport, die Aufrechterhaltung eines gesunden Gewichts, eine ausgewogene Ernährung und die Reduzierung der Salzaufnahme anzunehmen. Zudem war die Diagnose eines Bluthochdrucks mit einer geringeren Bereitschaft assoziiert, hilfreiche Änderungen des Lebensstils vorzunehmen. Selbst unter Berücksichtigung der Bereitschaft der Befragten, Medikamente einzunehmen, zeigten Menschen mit diagnostiziertem Bluthochdruck eine geringere Bereitschaft, den Empfehlungen der Ärzte zur Verbesserung der Ernährung, zu regelmäßiger körperlicher Bewegung, zur Aufrechterhaltung eines gesunden Gewichts und zur Reduzierung der Salzaufnahme zu folgen. Schließlich spielte auch die Kommunikation mit dem medizinischen Fachpersonal eine wichtige Rolle. So gaben Befragte, die größere Hindernisse beim Austausch von Gesundheitsinformationen mit ihren Ärzten nannten, seltener an, den Empfehlungen zur Einnahme von Medikamenten oder zur Änderung ihres Lebensstils folgen zu wollen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Patienten mit diagnostiziertem Bluthochdruck die Bedeutung von Medikamenten einerseits stärker erkennen als Menschen ohne Bluthochdruck. Ihre Motivation zu weiteren Änderungen des Lebensstils scheint andererseits jedoch möglicherweise Ansätze zu erfordern, die über traditionelle Gesundheitsüberzeugungen hinausgehen. Eine Bluthochdruckdiagnose ging mit einer geringeren Bereitschaft einher, den Empfehlungen von Ärzten oder Gesundheitsdienstleistern zu Lebensstiländerungen zu folgen – selbst nach Berücksichtigung der Bereitschaft zur Einnahme von Medikamenten. Weitere Forschung nötig „Zukünftige Forschungsarbeiten“, sagt Koautor Patrick E. Jamieson, „können uns ein besseres Verständnis dafür vermitteln, wie wir die Wahrscheinlichkeit erhöhen können, dass Menschen gesunde Änderungen ihres Lebensstils vornehmen.“ Im Detail schlagen die Studienautoren vor, prospektive Kohortenstudien vorzunehmen, um Kausalzusammenhänge zu untersuchen – auch im Vergleich mit Populationen außerhalb der USA. Außerdem halten sie es für relevant, weitere Barrieren zu ermitteln, die nicht mit der Kommunikation in Zusammenhang stehen, sowie Faktoren, die die Therapietreue insbesondere im Hinblick auf Änderungen des Lebensstils vorhersagen und Auswirkungen von Handlungsanreizen, die über die ärztlichen Empfehlungen hinausgehen. (ah/BIERMANN)
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