Nächster Anlauf zu neuen Organspende-Regeln24. September 2026 Plenum des Deutschen Bundestages (Archivbild). Foto: Deutscher Bundestag / Thomas Köhler / photothek Tausende Schwerkranke warten auf ein gespendetes Organ. Um zu mehr Transplantationen zu kommen, wird schon lange über ein ganz anderes Prinzip diskutiert. Im Parlament wird es nun konkret. Im Ringen um mehr lebensrettende Organspenden startet ein neuer Anlauf für eine weitreichende Änderung der Spenderegeln. Im Bundestag bringt eine Abgeordnetengruppe einen Entwurf für eine Umstellung auf die Widerspruchsregelung ein. Das hieße für Erwachsene: Jeder gilt automatisch zunächst als Organspender nach dem Tod – außer man widerspricht dem aktiv. Bisher ist für Entnahmen eine ausdrückliche Zustimmung erforderlich. Doch es gibt auch einen Gegenvorschlag. Abgestimmt wird im Parlament noch nicht. Für die Befürworter der Widerspruchsregelung ist es schon der dritte Anlauf – nachdem eine erste Initiative 2020 im Bundestag scheiterte und eine zweite wegen der vorgezogenen Wahl 2025 nicht mehr zur Abstimmung kam. Was die Befürworter wollen Die Gruppe mit Abgeordneten von CDU, CSU, SPD, Linken und Grünen argumentiert, dass viele Verbesserungen in den vergangenen Jahren keine entscheidende Steigerung der Spendezahlen bewirkt hätten. Eine Spende solle daher zum „Regelfall“ werden. Dafür sollen Organentnahmen bei volljährigen und einwilligungsfähigen Menschen künftig auch dann zulässig sein, wenn man „nicht widersprochen“ hat. Vorgesehen ist verstärkte Aufklärung. Zu den Unterstützern gehören die Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Karl Lauterbach (SPD). Im Bundestag liegt daneben auch ein Gesetzentwurf des Bundesrates vor, der auf die Einführung einer Widerspruchsregelung zielt. Was eine andere Gruppe will Auch eine zweite fraktionsübergreifende Abgeordnetengruppe will zu mehr Organspenden kommen, aber über mehr Aufklärung und Aufforderungen zum Entscheiden. Sie stellt sich strikt gegen die Widerspruchsregelung. „Schweigen darf nicht als Zustimmung gewertet werden“, lautet ein Kernargument. Das Recht auf Selbstbestimmung schließe auch ein, keine Entscheidung zu treffen, ohne dass persönliche Konsequenzen folgen. Mit einem Antrag zielt die Gruppe unter anderem darauf, dass alle Bürgerinnen und Bürger „zeitnah“ nach dem 18. Geburtstag aufgefordert werden, sich zu ihrer Spendebereitschaft zu äußern und ihren Willen festzuhalten – neben Ja und Nein auch „unentschieden“. Wie die Aussichten sind Der Gesetzentwurf pro Widerspruchsregelung wird zur Einbringung von 254 Abgeordneten unterstützt – der Contra-Antrag von zunächst 58 Abgeordneten. Welche Mehrheitsverhältnisse sich am Ende im Bundestag mit seinen insgesamt 630 Abgeordneten herausbilden, muss sich in den kommenden Monaten aber noch zeigen. Zur ersten Lesung gibt es nun erst einmal noch eine Aussprache, und zwar wie oft bei ethischen Fragen ohne die sonst üblichen Fraktionslinien. Als nächstes folgen Ausschussberatungen über die Initiativen. Die aktuelle Lage bei Organspenden Organe wie Nieren, Lebern oder Herzen für schwer kranke Patienten werden seit langem dringend benötigt. Im vergangenen Jahr gaben 985 Menschen nach dem Tod ein Organ oder mehrere Organe für andere frei, wie die koordinierende Deutsche Stiftung Organtransplantation ermittelte. Dies war der höchste Stand seit 2012. Zugleich standen Ende 2025 aber 8200 Menschen auf Wartelisten. Generell gilt es als Problem, dass viele – allgemein gesehen – positiv zu Organspenden stehen, dann aber keinen Willen dazu festhalten. (dpa/ms) Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Abgeordnetengruppe gegen große Umstellung bei Organspenden DIVI will Organspende nach kontrolliertem Herz-Kreislauf-Stillstand ermöglichen
Mehr erfahren zu: "Gekommen, um zu bleiben: Künstliche Intelligenz im urologischen Betriebssystem" Gekommen, um zu bleiben: Künstliche Intelligenz im urologischen Betriebssystem Künstliche Intelligenz (KI) war eines der zentralen Themen, die Präsidentin Prof. Susanne Krege für den 78. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) vom 16.-19.09.2026 in Düsseldorf gesetzt hatte. In […]
Mehr erfahren zu: "Kinderurologe Wolfgang Rösch mit Maximilian-Nitze-Medaille ausgezeichnet" Kinderurologe Wolfgang Rösch mit Maximilian-Nitze-Medaille ausgezeichnet Der renommierte Kinderurologe Prof. Wolfgang Rösch ist beim 78. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) in Düsseldorf mit der Maximilian-Nitze-Medaille geehrt worden, der höchsten Auszeichnung der DGU. Sie wird […]
Mehr erfahren zu: "Urologie unter Druck – aber nicht hilflos" Urologie unter Druck – aber nicht hilflos „Die Zeiten des Altruismus sind vorbei!“ Mit dieser Aussage bekräftigte Dr. Axel Belusa, Präsident des Berufsverbands der Deutschen Urologie (BvDU), beim 78. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) in […]