Blutplättchen und ihre Rolle im Kampf gegen MS

Für die Erforschung eines alternativen Therapieansatzes bei Multipler Sklerose ist Thorsten Krug vom Institut für Translationale Neurologie der Universität Münster mit dem Promotionspreis der Stiftung pro ZNS ausgezeichnet worden.

Dass das Blutgerinnungssystem ein Schlüssel sein könnte, um die zerstörerische Entzündung des ZNS bei Multipler Sklerose (MS) zu stoppen, fanden münstersche Neuroimmunologen gemeinsam mit Kollegen der Universität Duisburg-Essen bereits 2016 heraus. Ihre Arbeit befasste sich jedoch lediglich mit den löslichen Bestandteilen des Blutgerinnungssystems.

In seiner Doktorarbeit untersuchte Mediziner Thorsten Krug nun die Rolle der festen Bestandteile, der Thrombozyten: „Aufgrund der vorherigen Forschungsergebnisse deutete vieles darauf hin, dass Blutplättchen nicht nur dazu da sind, Blutungen bei Verletzungen zu stillen, sondern dass sie auch bei den Entzündungsprozessen der Multiplen Sklerose eine Rolle spielen. Unsere Hypothese war: Wenn wir die Blutplättchen beeinflussen können, dann lässt sich dadurch vielleicht auch der Verlauf der MS abmildern“, so Krug.

Der gebürtige Münsteraner untersuchte deshalb in einem Tiermodell der MS die Wirkung von Thrombozyten-Funktionshemmern, den ADP-Rezeptor-Antagonisten. Das Ergebnis: Die Erkrankung verlief deutlich schwächer als bei Artgenossen, die nicht therapiert worden waren. „Bei der Zellanalyse zeigte sich passend dazu, dass die Zahl der Zellen, die die Krankheit auslösen und vorantreiben, abgenommen hatte. Der Krankheitsprozess verlief also durch den Wirkstoff weit weniger schwer“, berichtete Promovend Krug.

„Besonders interessant ist für uns an den Ergebnissen außerdem, dass die therapierten Tiere auch weit nach Ausbruch der Krankheit deutlich weniger neurologische Ausfallsymptome aufwiesen. Unter therapeutischen Gesichtspunkten hoch spannend ist außerdem, dass der Wirkstoff im Tiermodell auch dann noch wirksam war, wenn die neurologischen Symptome bereits ausgebrochen waren“, erklärte Institutsdirektor Prof. Sven Meuth. 

Unklar bleibt, warum die Blutgerinnung bei Patienten mit MS offenbar aktiver ist als bei Nicht-Erkrankten. „Wir müssen noch viel Forschungsarbeit leisten, um Patienten künftig eine alternative Therapie ermöglichen zu können. Den Grundstein dafür habe die Arbeit von Krug aber gelegt, so Meuth: „Mit den Ergebnissen hat er eindrucksvoll bewiesen, dass die Hemmung der Thrombozyten-Funktion einen vielversprechenden und innovativen Ansatz für eine mögliche zukünftige Therapie der Multiplen Sklerose eröffnet.“

Der Vorsitzende der münsterschen Stiftung pro ZNS, Dr. Joachim Elbrächter, überreichte dem Nachwuchswissenschaftler Krug die mit 1500 Euro dotierte Auszeichnung. Mit ihr würdigt die Stiftung jährlich herausragende Arbeiten von Nachwuchsforschern zum Thema Zentrales Nervensystem.

Quelle
Universitätsklinikum Münster
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