Brachyzephalie bei Hunden auch in Österreich ein wichtiges Thema

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Brachyzephalie, also „Kurzköpfigkeit“ durch stark verkürzte Nasen- und Kopfformen, ist auch in Österreichs Kleintierpraxen längst Alltag und gesellschaftlich hoch aktuell, wie die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni) mitteilt.

Befeuert wird das Thema auch in unserem Nachbarland durch die Popularität dieser Hunderassen und laufende Aufklärungskampagnen.

Eine neue Studie des Messerli Forschungsinstituts der Vetmeduni liefert nun erstmals systematische Einblicke in Wahrnehmungen und klinisches Management durch praktizierende Tierärztinnen und Tierärzte in Österreich. Die Studie macht sichtbar, wo die größten Herausforderungen liegen.

Diskrepanzen in der Wahrnehmung

Laut einer Umfrage werden in den Praxen bei brachyzephalen Hunden vor allem Schnarchen und Atembeschwerden sehr häufig beobachtet (95,7% bzw. 91,5%), während ein Kollaps von rund 10% berichtet wird. Gleichzeitig schätzen viele Befragte, dass das Brachyzephale Obstruktive Atemwegssyndrom (BOAS) nur bei etwa 41-50% der betroffenen Tiere der offizielle Hauptvorstellungsgrund bei Tierärzten ist. Dies offenbart eine Lücke zwischen dem, was zu Hause wahrgenommen wird, und dem, was in der Ordination als Hauptanlass gilt.

„BOAS ist sehr häufig, wird aber vergleichsweise selten als Hauptanlass genannt“, ordnet Marlene Hebenstreit vom Messerli Forschungsinstitut (MFI) der Vetmeduni diese Diskrepanz ein. Die Österreichische Tierärztekammer (ÖTK) unterstützte die Studienautorinnen bei der Rekrutierung der Teilnehmer. Insgesamt 395 Veterinärmediziner nahmen an der Umfrage teil, die Antworten von 317 Kleintiermedizinern gingen in die BOAS-Auswertung schlussendlich ein.

Umsetzungslücke: OP-Empfehlungen bleiben oft unbeachtet

Viele Tierärztinnen und Tierärzte empfehlen chirurgische Eingriffe zur Entlastung der Atemwege. Umgesetzt werden die Empfehlungen jedoch deutlich seltener. So berichten 46,1% der Tierärzte, dass nur 1-30% ihrer Empfehlungen tatsächlich in einer Operation münden.

„Operative Maßnahmen werden wesentlich häufiger empfohlen, als sie durchgeführt werden“, betont Assistenzprofessorin Svenja Springer (MFI) mit Blick auf diese Umsetzungslücke. Wer selbst operiert oder in einem chirurgischen Umfeld arbeitet, empfiehlt und realisiert Eingriffe signifikant häufiger als Kollegen, die überweisen müssen. Als Hauptgründe gegen eine Operation nennen die Befragten begrenzte finanzielle Ressourcen und Zweifel an der Notwendigkeit. Beide Aspekte werden besonders häufig stark gewichtet.

Einstellungen und Kommunikationsbedarf

Neben klinischen Erfahrungen zeigen die Ergebnisse auch Haltungen innerhalb der Profession. Rund der Hälfte der Tierärzte mangelt es an Verständnis für den Besitz kurzköpfiger Hunde, während circa ein Drittel unsicher ist, ob sie deren Behandlung medizinisch interessant findet. Dieses Spannungsfeld verdeutlicht, dass es neben medizinischen Fakten auch um Einstellungen, Erwartungsmanagement und tragfähige Gesprächsgrundlagen mit Tierhaltern geht.

Symptomschwere, Kommunikation und die Grenzen der Chirurgie

In Fallvignetten führte die Variation von milden bis schweren klinischen Zeichen zu keiner signifikanten Änderung der OP-Empfehlung. „Die Schwere der klinischen Zeichen hatte in unseren Vignetten keinen signifikanten Einfluss auf die OP-Empfehlung“, erläutert Marlene Hebenstreit die Ergebnisse. Chirurgische Maßnahmen können Beschwerden oft lindern und die Lebensqualität der Vierbeiner verbessern, heilen die zuchtbedingten Ursachen jedoch nicht. Der Ansatz zielt auf eine Symptomreduktion ab und ist individuell auf den Hund abzustimmen. Entscheidungen entstehen dabei im Spannungsfeld aus Patientenwohl, Erwartungen der Tierhalterinnen und Tierhalter sowie der verfügbaren Expertise. Klare, evidenzbasierte und zugleich respektvolle Kommunikation bleibt zentral, um unterschiedliche Perspektiven konstruktiv zusammenzuführen.

„Insgesamt macht die Erhebung deutlich: Gute Aufklärung, realistische Erwartungen und ein individueller Behandlungsplan sind entscheidend, um Lebensqualität zu verbessern – auch wenn Chirurgie die zuchtbedingten Ursachen nicht heilen kann“, so das Fazit der Studienautorinnen.