Breites Bündnis fordert: Kein Verkauf von Nikotinbeuteln in Deutschland16. September 2026 Immer mehr junge Menschen greifen zu Nikotinbeuteln – auch weil sie in sozialen Medien positiv dargestellt und beworben werden. Dabei bergen sie erhebliche Risiken. (Foto: © Natalia – stock.adobe.com) Ein Bündnis aus mehr als 60 Verbänden, Organisationen und Fachgesellschaften appelliert an die Bundesregierung, das hierzulande bestehende Verkaufsverbot von Nikotinbeuteln beizubehalten. Auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrien und der Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland e.V. (BKJPP) unterstützen den Appell. „Eine Aufhebung des Verbots wäre aus Sicht des Jugend- und Gesundheitsschutzes das falsche Signal. Mit großer Sorge beobachten wir deshalb konkrete Bestrebungen, die Zulassung des Verkaufs von Nikotinbeuteln in Deutschland voranzutreiben“, heißt es darin. Nikotinbeutel dürfen in Deutschland derzeit aufgrund ihrer Einordnung als neuartige Lebensmittel nicht in den Verkehr gebracht werden. Dieses Verbot müsse bestehen bleiben, fordern die Unterzeichner. Eine Aufhebung würde die Verfügbarkeit, Sichtbarkeit und Vermarktungsmöglichkeiten dieser Nikotinprodukte erhöhen und damit den Einstieg in den Nikotinkonsum erleichtern, insbesondere auch für Menschen, für die andere Tabak und Nikotinprodukte bislang nicht attraktiv sind. Zugleich würde sie die Anstrengungen zur Prävention von Nikotinabhängigkeit, insbesondere bei jungen Menschen, erschweren, sind sich die unterzeichnenden Verbände und Fachgesellschaften sicher. Nikotinbeutel bergen erhebliche gesundheitliche Risiken Besonders besorgniserregend ist ihnen zufolge die Verbreitung von Nikotinbeuteln unter Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Nach Angaben des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) hatten im Jahr 2025 bereits 5,5 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen sowie 18,9 Prozent der 18- bis 25-Jährigen Erfahrungen mit Nikotinbeuteln gemacht. Nikotin besitze ein hohes Abhängigkeitspotenzial und könne insbesondere bei Kindern und Jugendlichen die Gehirnentwicklung beeinträchtigen, warnen Experten aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Unabhängig vom Alter berge der Konsum zudem kardiovaskuläre Risiken, auch Schädigungen der Mundgesundheit durch Nikotinbeutel seien bereits bekannt. Die langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen des Konsums von Nikotinbeuteln könnten derzeit noch nicht ausreichend beurteilt werden. Auch die Nikotinaufnahme könne erheblich sein, warnen die Experten. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) könnten Nikotinbeutel Nikotinspiegel im Blut erzeugen, die mit denen nach dem Konsum einer herkömmlichen Zigarette vergleichbar sind. Bei hochdosierten Produkten seien sogar höhere Werte festgestellt worden, heißt es in dem Appell. Nikotinbeutel werden gezielt attraktiv gemacht Die gesundheitlichen Risiken würden dadurch verschärft, dass Nikotinbeutel insbesondere für junge Menschen attraktiv vermarktet werden. Über soziale Medien und eine jugendaffine Produktgestaltung werden sie als Lifestyleprodukte präsentiert. Fruchtige Aromen sowie die Möglichkeit eines geruchsfreien und diskreten Konsums könnten die Hemmschwelle für den Gebrauch zusätzlich senken, fürchten die Unterzeichner des Appells. „Gerade die Kombination aus hoher Nikotinaufnahme, einfacher und diskreter Anwendung sowie einer auf junge Zielgruppen ausgerichteten Vermarktung ist aus Sicht des Jugend- und Gesundheitsschutzes besonders problematisch. Eine größere Verfügbarkeit und stärkere Sichtbarkeit von Nikotinbeuteln würde diese Entwicklung zusätzlich begünstigen.“ Obwohl Nikotinbeutel keinen Tabak enthalten, handele es sich keineswegs um gesundheitlich unbedenkliche Produkte. Vielmehr ermöglichten sie die Aufnahme teilweise erheblicher Mengen des stark abhängig machenden Wirkstoffs Nikotin. Die Verfasser des Appells verweise auf andere europäische Staaten, die auf die gesundheitlichen Risiken und die besondere Problematik des Jugendschutzes bereits reagiert haben. So wurde der Verkauf von Nikotinbeuteln in Belgien und den Niederlanden untersagt. Frankreich hat ein weitreichendes Verbot oraler Nikotinprodukte eingeführt. „Wir appellieren an die Bundesregierung: Keine Liberalisierung von Nikotinbeuteln. Das bestehende Verbot des Inverkehrbringens muss im Interesse des Jugend- und Gesundheitsschutzes beibehalten und konsequent durchgesetzt werden“, fassen die unterzeichnenden Verbände und Fachgesellschaften ihre Forderungen zusammen.
Mehr erfahren zu: "Prävention von Wheezing und Asthma: Studie mit oralem Bakterienprodukt liefert keinen Hinweis auf Wirksamkeit" Prävention von Wheezing und Asthma: Studie mit oralem Bakterienprodukt liefert keinen Hinweis auf Wirksamkeit Die Ergebnisse einer gerade veröffentlichten Studie liefern neue Erkenntnisse, die möglicherweise Anlass sein könnten, zumindest einige Aspekte der Hygiene-Hypothese zu überdenken.
Mehr erfahren zu: "BÄK-Präsident fordert: „Reformen dürfen nicht länger aufgeschoben werden“" BÄK-Präsident fordert: „Reformen dürfen nicht länger aufgeschoben werden“ Zum Auftakt der parlamentarischen Arbeit nach der Sommerpause mahnt die Bundesärztekammer (BÄK) zu entschlossenem Handeln in der Gesundheitspolitik und fordert Reformen angehen, Bürokratie abbauen und Vertrauen zu schützen.
Mehr erfahren zu: "Experten empfehlen systematisches Screening von Kindern auf Typ-1-Diabetes" Experten empfehlen systematisches Screening von Kindern auf Typ-1-Diabetes Ein internationales Expertenteam hat konkrete Empfehlungen für ein bevölkerungsweites Screening von Kindern auf Typ-1-Diabetes vorgelegt. Ziel ist es, Typ-1-Diabetes bereits vor den ersten Symptomen zuverlässig zu diagnostizieren, das Risiko schwerer […]