Bündnis fordert bundesweit einheitliche Ersthelfenden-Alarmierung via Smartphone

Smartphone-basierte Ersthelfenden-Alarmierungssysteme ermöglichen eine schnelle und gezielte Alarmierung von geschulten Ersthelfenden (sog. Community First Responder) in unmittelbarer Nähe zum Notfallort. (Symbolfoto: ©Kannapat/stock.adobe.com)

Die Chance, einen außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstand zu überleben, ist hierzulande nur gering. Ersthelfer-Apps können diese zwar verbessern, werden bislang aber unzureichend umgesetzt. Der „Runde Tisch SbEA“ möchte das ändern.

Im Runden Tisch SbEA hat sich ein breites Bündnis aus Fachgesellschaften, Hilfsorganisationen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammengeschlossen. Ihr Ziel: Eine Verbesserung der Reanimationsversorgung in Deutschland. Dazu haben sie nun ein gemeinsames Positionspapier veröffentlicht. Darin fordern sie bundesweit einheitlich die kurzfristige, flächendeckende und verpflichtende Einführung der Smartphone-basierten Ersthelfenden-Alarmierung (SbEA).

Hintergrund ist, dass in Deutschland rund 120.000 Menschen jährlich von einem außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstand betroffen sind, jedoch überlebt nur etwa jeder Zehnte. „Die ersten Minuten nach einem Herzstillstand sind entscheidend, ohne sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen kommt es bereits nach drei bis fünf Minuten zu irreversiblen neurologischen Schäden“, erklärt das Bündnis in einer aktuellen Mitteilung. Da Rettungsdienste im Durchschnitt etwa neun Minuten bis zum Einsatzort benötigen, bleibt ein therapiefreies Intervall bestehen, das die Überlebenschancen erheblich mindert.

SbEA-Systeme erhöhen Überlebenschancen

Internationale Leitlinien wie die des European Resuscitation Council (ERC) sowie die jüngste Stellungnahme der Regierungskommission für eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung empfehlen ausdrücklich die strukturierte Alarmierung qualifizierter Ersthelfender. Evidenzbasierte Studien aus mehreren europäischen Ländern zeigen, dass SbEA-Systeme die Überlebensrate verdoppeln bis verdreifachen können. Auch in Deutschland existieren bereits erprobte und einsatzbereite Modelle, die seit vielen Jahren in zahlreichen Gebieten erfolgreich eingesetzt werden und Menschenleben retten konnten.

Flickenteppich aus lokalen Lösungen

Trotz dieser Erkenntnisse bleibt die SbEA bundesweit bislang unzureichend umgesetzt. Als Gründe nennt das Bündnis uneinheitliche rechtliche Rahmenbedingungen, fehlende Standards und eine nicht gesicherte, nachhaltige Finanzierung, die zu einem Flickenteppich aus lokalen Lösungen führen würden. „Die bestehenden Barrieren verzögern eine flächendeckende Einführung – mit direkten Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit und mit erheblichen volkswirtschaftlichen Kosten, die ersten Berechnungen zufolge rund 35 Milliarden Euro jährlich betragen“, heißt es in der Mitteilung.

Dringender politischer Handlungsbedarf

Das Bündnis, dem unter anderem der Deutscher Rat für Wiederbelebung und das Deutsche Reanimationsregister der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin angehören, sieht daher dringenden politischen Handlungsbedarf, gerade vor dem Hintergrund der anstehenden Reform der Notfall- und Akutversorgung. Für eine moderne, resiliente Reanimationsversorgung seien alle Voraussetzungen vorhanden: wissenschaftlich, organisatorisch und technologisch.

Das Bündnis formuliert in seinem Positionspapier drei zentrale Forderungen:

  1. Die kurzfristige, flächendeckende und verpflichtende Etablierung der SbEA in allen Bundesländern
  2. Die Sicherstellung einer vollumfänglichen und nachhaltigen Regelfinanzierung dieser Systeme durch Bund und Länder
  3. Die verbindliche Einführung leitlinienorientierter Qualitätskriterien und Standards, einschließlich der Integration von AED-Standorten und der Nutzung bestehender Vorgaben.

„Jetzt ist der Zeitpunkt diese Chance zu ergreifen“, fordert der Runde Tisch SbEA die politischen Entscheidungsträger in Bund und Ländern zum Handeln auf.