BVOU zur neuen AU-Regelung: „Bürokratie schlägt Bandscheibenvorfall“3. Juli 2026 Bild: Racle Fotodesign – stock.adobe.com Der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie schlägt Alarm: Die geplante Reform der Koalition zur AU-Regelung drohe die orthopädischen und unfallchirurgischen Praxen in Deutschland endgültig zu blockieren. Akutpatienten würden die „Termine geraubt“. Wer mit einem Kreuzbandriss, einer schweren Fraktur oder einem akuten Bandscheibenvorfall dringend Hilfe sucht, wird in Zukunft in völlig überlasteten Wartezimmern stranden, ist der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) überzeugt. Denn die Verpflichtung, eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) bereits ab dem ersten Krankheitstag vorzulegen, werde zu Millionen medizinisch unnötiger Arztbesuche führen. Arztbesuch am ersten Tag oft „völlig überflüssig“ Der Verband erläutert das Problem in der Praxis wie folgt: Wer sich beim Freizeitsport oder im Haushalt eine leichte Muskelzerrung, eine harmlose Prellung oder eine unkomplizierte Fußverstauchung zuzieht, benötigt meist nur zwei Tage Ruhe und ein Kühlpack auf dem heimischen Sofa. Medizinisch ist ein Arztbesuch am ersten Tag völlig überflüssig. Durch die neue Reform müssen diese Patienten nun jedoch zwingend sofort in die Praxis – nur um die bürokratische Bescheinigung für den Arbeitgeber abzuholen. „Unsere Kapazitäten sind bereits sehr stark ausgelastet“, erklärt Dr. Anna-Katharina Doepfer, BVOU-Vizepräsidentin. „Wenn zusätzlich viele Menschen in die Praxen kommen, die vor allem eine Bescheinigung für den Arbeitgeber benötigen, wird das den Praxisalltag deutlich belasten. Es bleibt definitiv weniger Zeit und führt zu einer weiteren Terminverknappung für zeitnah notwendige Facharzttermine.“ Sparen am falschen Ende: BVOU fordert Kurskorrektur Erschwerend komme hinzu, dass parallel die finanziellen Mittel gekürzt werden sollen, die bisher eine schnelle Vergabe von Facharztterminen ermöglicht haben. „Statt praxisferner Vorschriften, die das System mit Bürokratie verstopfen, braucht das Gesundheitswesen eine Stärkung der ambulanten Strukturen”, fordert der Verband die Politik auf, umzudenken. Eine dezentrale und schnelle Versorgung dürfe nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. (hr/BIERMANN) Auch interessant: BÄK/Virchowbund: Reformpaket führt zu Millionen unnötiger Arztbesuche und verschärft Terminknappheit
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