bvvp: „Patienten brauchen gute Versorgung statt Kürzungspolitik“10. Juni 2026 Aus Protest gegen die Kürzungspläne der Bundesregierung bleiben am 10. Juni viele Psychotherapiepraxen geschlossen. (Foto: © mhphoto – stock.adobe.com) Die Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen (vdek), Ulrike Elsner, hat die Proteste von Psychotherapeuten gegen die Kürzungspläne der Bundesregierung als „unseriös und verantwortungslos“ kritisiert. Der Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten (bvvp) weist diese Kritik entschieden zurück. „Die Aussagen von Frau Elsner irritieren mich. Tag für Tag erleben Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, dass sich Menschen an sie wenden, die dringend Hilfe benötigen und oft lange auf einen Behandlungsplatz warten müssen. Den auf diesen Erfahrungen basierenden Protest gegen Versorgungseinschnitte als unseriös oder verantwortungslos abzutun, wird weder den Patient*innen noch den Behandelnden gerecht“, erklärte Mathias Heinicke, Bundesvorsitzender des bvvp. Die Demonstration in Berlin im Zusammenhang mit der Bundestagspetition „Sicherstellung der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung durch angemessene Vergütung“ habe deutlich gemacht, dass die Sorgen um die Zukunft der ambulanten Versorgung weit über Fragen der Vergütung hinausgingen. Im Mittelpunkt stehe die Frage, wie Menschen auch künftig schnell und niedrigschwellig Zugang zu psychotherapeutischer und ärztlicher Hilfe erhalten könnten, so der bvvp. Sorge vor zusätzlichen Zugangshürden Auf Unverständnis stößt beim Bundesverband insbesondere die Forderung nach einer stärkeren Steuerung des Zugangs zur Versorgung. Dem bvvp zufolge existeiere mit der psychotherapeutischen Sprechstunde ein wirksames Instrument, Behandlungsbedarfe festzustellen und die weitere Versorgung zu steuern. Zusätzliche Zugangshürden oder vorgeschaltete Steuerungsinstanzen erschwerten den Zugang zur Behandlung unnötig. „Wer die Sorgen von Patienten ernst nimmt, betreibt keine Panikmache. Diese sind Teil unseres Praxisalltags. Viele Kolleginnen und Kollegen erleben täglich, wie groß der Bedarf an psychotherapeutischer Behandlung ist. Deshalb werden wir auch weiterhin auf Fehlentwicklungen aufmerksam machen, die den Zugang zur Versorgung erschweren oder das Behandlungsangebot einschränken könnten“, erklärte Heinicke. Besonders kritisch sieht der bvvp die wiederholte Behauptung der Krankenkassen, finanzielle Einschnitte in der psychotherapeutischen Versorgung blieben ohne Folgen für die Patienten. Die Beurteilung der wirtschaftlichen Situation psychotherapeutischer Praxen allein anhand rechnerischer Durchschnittswerte blende die Realität der Versorgung aus, moniert der Bundesverband. „Erfahrungen der Praxen ernst nehmen“ „Es steht Frau Elsner nicht zu, den psychotherapeutischen Kolleginnen und Kollegen zu erklären, was für ihre Praxen auskömmlich sein soll“, hebt Heinicke hervor: „Wer Versorgung ausschließlich durch die Brille von Durchschnittswerten und Umsatzstatistiken betrachtet, verliert umgekehrt den Blick für die Realität in den Praxen, denn diese ist von großem Hilfebedarf geprägt. Dennoch werden Honorarkürzungen als folgenlos dargestellt und berechtigte Sorgen als übertrieben abgetan.“ „Die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in den Praxen benötigen keine Belehrungen über ihre wirtschaftliche Situation. Sie erwarten Respekt für ihre Arbeit und eine ehrliche Diskussion darüber, wie psychotherapeutische Versorgung auch in Zukunft gesichert werden kann. Wer die Erfahrungen derjenigen ignoriert, die die Versorgung täglich tragen, sollte mit Urteilen über deren Verantwortungsbewusstsein vorsichtig sein“, ergänzte Ulrike Böker, Stellvertretende Bundesvorsitzende des bvvp. Der bvvp stehe jederzeit für einen konstruktiven Dialog über die Zukunft der ambulanten Versorgung bereit. Voraussetzung dafür sei jedoch eine Debatte, die die Erfahrungen aus den Praxen ernst nimmt und berechtigte fachliche Kritik nicht pauschal als unverantwortlich oder unseriös abwertet, erklärte der Bundesverband abschließend.
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