Canagliflozin zur Primär- und Sekundärprävention: Weniger kardiovaskuläre und renale Ereignisse, mehr Amputationen20. April 2018 © molekuul.be – fotolia.com Der Natrium-Glukose-Cotransporter-2-Inhibitor Canagliflozin reduziert bei Typ-2-Diabetikern mit erhöhtem kardiovaskulären Risiko bekanntlich den zusammengesetzten Endpunkt aus kardiovaskulärem Tod, nicht letalem Myokardinfarkt bzw. Schlaganfall. Doch gibt es zwischen Primär- und Sekundärprävention Unterschiede? Dieser Frage ging die CANVAS Program Collaborative Group um Prof. Kenneth W. Mahaffey von der Stanford University School of Medicine in einer aktuellen Studie nach. Sie kommt zu dem Schluss, dass Canagliflozin die kardiovaskulären und renalen Outcomes in den Gruppen mit Primär- und Sekundärprävention reduzierte, ohne statistische Evidenz für Heterogenität. Dabei seien bei Patienten mit Sekundärprävention mehr kardiovaskuläre Ereignisse aufgetreten. Die Studie im Einzelnen: Im Rahmen des CANVAS Program waren 10.142 Typ-2-Diabetiker für Canagliflozin oder Placebo randomisiert worden. In die Kohorte zur Primärprävention schlossen die Autoren Personen ab 50 Jahren mit mindestens zwei Risikofaktoren für kardiovaskuläre Ereignisse ein, in die Gruppe zur Sekundärprävention Personen ab 30 Jahren mit vorherigem kardiovaskulären Ereignis. Der primäre Endpunkt setzte sich wie eingangs beschrieben zusammen. Die sekundären Endpunkte umfassten Hospitalisierung aufgrund von Herzinsuffizienz (HI) sowie einen renalen zusammengesetzten Endpunkt (40 % Reduktion der geschätzten glomerulären Filtrationsrate, Nierenersatztherapie oder Tod aufgrund von Urämie). Die Auswertung zeigte, dass die 3486 Patienten mit Primärprävention (34 %) jünger waren (63 vs. 64 Jahre), häufiger weiblich (45 % vs. 31 %) und der Diabetes mellitus bei ihnen länger bestand (14 vs. 13 Jahre), verglichen mit den 6656 Teilnehmern mit Sekundärprävention (66 %). Die Rate an Ereignissen des primären Endpunktes war in der Gruppe mit Sekundärprävention verglichen mit der Gruppe mit Primärprävention höher (36,9 vs. 15,7/1000 Patientenjahre; P<0,001). Mahaffey und seine Kollegen berechneten, dass der primäre Endpunkt in der Gesamtkohorte mit Canagliflozin vs. Placebo reduziert war (26,9 vs. 31,5/1000 Patientenjahre; Hazard Ratio [HR] 0,86; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 0,75–0,97; P<0,001 für Nichtunterlegenheit; P=0,02 für Überlegenheit). Dabei sahen die Autoren keine statistische Evidenz für Heterogenität (PInteraktion=0,18) zwischen den Kohorten mit Primär- (HR 0,98; 95 %-KI 0,74-1,30) und Sekundärprävention (HR 0,82; 95 %-KI 0,72–0,95). Auch bei den renalen Outcomes (HR 0,59; 95 %-KI 0,44–0,79 vs. HR 0,63; 95 %-KI 0,39-1,02; PInteraktion=0,73) und den HI-Hospitalisierungen (HR 0,68; 95 %-KI 0,51–0,90 vs. HR 0,64; 95 %-KI 0,35–1,15; PInteraktion=0,91) beobachteten sie in den Kohorten ähnliche Reduktionen. Amputationen der unteren Extremitäten seien in den Kohorten mit Primär- und Sekundärprävention ähnlich erhöht gewesen, ergänzen die Autoren (HR 2,07; 95 %-KI 1,43–3,00 vs. HR 1,52; 95 %-KI 0,70–3,29; PInteraktion=0,63). Fazit Patienten mit Typ-2-Diabetes und früheren kardiovaskulären Ereignissen hatten im Vergleich zu den Patienten der Primärprävention eine höhere Rate an kardiovaskulären Ergebnissen. Canagliflozin reduzierte die kardiovaskulären und renalen Ergebnisse ohne statistische Beweise für eine Heterogenität des Behandlungseffekts in den primären und sekundären Präventionsgruppen. Zusätzliche Studien werden weitere Einblicke in die Auswirkungen von Canagliflozin in diesen Patientengruppen gewähren, so die Studienautoren abschließend. Autoren: Mahaffey KW et al. Korrespondenz: [email protected] Studie: Canagliflozin for Primary and Secondary Prevention of Cardiovascular Events: Results From the CANVAS Program (Canagliflozin Cardiovascular Assessment Study) Quelle: Circulation 2018;137(4):323–334. Web: dx.doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.117.032038
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