Cannabidiol reduziert das Verlangen nach Alkohol bei alkoholerkrankten Menschen4. Februar 2025 Strukturformel von Cannabidiol (Foto: © TaylerDerden – stock.adobe.com) Eine Studie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) zeigt, dass Cannabidiol (CBD) bei alkoholerkrankten Menschen das Verlangen nach Alkohol verringern kann. Damit erbringen die Wissenschaftler den ersten Beleg dafür, dass der Cannabiswirkstoff bei Alkoholproblemen helfen könnte. Alkoholbezogene Erkrankungen gehen mit einem hohen Leidensdruck einher und gehören mit zu den häufigsten und verheerendsten Erkrankungen weltweit. Trotzdem sind nur wenige Medikamente für ihre Behandlung zugelassen. Derzeit wird die Mehrheit der Patienten rückfällig, selbst wenn sie mit Medikamenten zur Rückfallprävention behandelt werden, was die Notwendigkeit der Entwicklung neuer pharmakologischer Behandlungen unterstreicht. Präklinische Untersuchungen haben gezeigt, dass CBD vielversprechend sein könnte, da es den Alkoholkonsum bei Versuchstieren signifikant reduzieren konnte. Allerdings fehlte es bisher an klinischen Studien am Menschen. Die ICONIC-Studie (Investigation of the effects of Cannabidiol ON cue-InduCed alcohol craving and nucleus accumbens activation) füllt diese Lücke nun. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten, wie CBD das durch Alkoholreize ausgelöste Verlangen nach Alkohol und die Hirnaktivität im Nucleus accumbens (NAc) beeinflusst – einer Hirnregion, die mit Belohnung und Sucht in Verbindung steht. Tests auch in Bar-ähnlicher Umgebung Die doppelblinde, randomisierte und kontrollierte Studie umfasste 28 Personen im Alter von 18 bis 60 Jahren mit leichter bis schwerer alkoholbedingter Erkrankung und wurde am ZI in Mannheim durchgeführt. Die Forschenden teilten die Teilnehmenden in zwei Gruppen ein. Einer Gruppe verabreichten sie eine Einzeldosis 800 mg CBD, die andere erhielt ein Placebo. Die Probandinnen und Probanden nahmen anschließend an verschiedenen Tests teil, bei denen sie zum Beispiel Alkoholreizen oder Stress ausgesetzt wurden. Dabei wurden ihnen etwa alkoholbezogene Bilder gezeigt oder sie wurden in eine Umgebung gebeten, die einer Bar ähnelte. In diesen Situationen bewerteten sie ihr Verlangen nach Alkohol anhand von Fragebögen. Ihre Gehirnaktivität wurde mithilfe eines Magnetresonanztomographen gemessen. CBD beeinflusst Belohnungszentrum im Gehirn Die Studie zeigt, dass diejenigen, die CBD erhielten, über ein deutlich geringeres Alkoholverlangen im Vergleich zur Placebogruppe berichteten. Zudem stellten die Autoren fest, dass bei Personen, die CBD einnahmen, der NAc deutlich weniger aktiviert wurde. Eine geringere Aktivität im NAc steht mit einem geringeren Alkoholverlangen und einer geringeren Rückfallwahrscheinlichkeit in Zusammenhang. Die Forschenden konnten darüber hinaus aufzeigen, dass höhere CBD-Spiegel im Blut mit einem geringeren Alkoholverlangen und einer geringeren Aktivierung im NAc einhergingen. „Unsere Studie liefert erste und deutliche Hinweise darauf, dass Cannabidiol dazu beitragen kann, das Verlangen nach Alkohol zu verringern und die mit der Sucht zusammenhängende Gehirnaktivität zu verändern“, fasst Prof. Patrick Bach, Arbeitsgruppenleiter an der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am ZI, die Ergebnisse zusammen. Wissenschaftlerin Sina Vetter ergänzt: „Es sind allerdings weitere Forschungsaktivitäten notwendig, um wichtige Fragestellungen – die nicht Gegenstand der Studie waren – zu beantworten, wie etwa, ob die Ergebnisse allgemein anwendbar sind und die Wirkung von CBD im Laufe der Zeit stabil bleibt.“ Derzeit bereitet das Forschendenteam eine Studie vor, die auch auf den Erkenntnissen der ICONIC-Studie aufbaut. In der ICONICplus-Studie wird es den Mehrwert einer Behandlung mit CBD und Naltrexon im Vergleich zu etablierten Standardbehandlungen bei Alkoholabhängigkeit untersuchen.
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