Bessere Versorgung nach Suizidversuch: Forschungsprojekt zur Suizidprävention11. September 2026 Symbolbild © highwaystarz/stock.adobe.com Nach einem Suizidversuch ist das Risiko für einen erneuten Versuch erhöht. Dennoch fehlen vielerorts Behandlungsangebote, die genau hier gezielt ansetzen. Die Universitätsmedizin Halle beteiligt sich deshalb an einer Studie, in der ein Behandlungsprogramm untersucht wird, das speziell auf Menschen nach einem Suizidversuch zugeschnitten ist. Die Suizidrate in Sachsen-Anhalt liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Zugleich ist von einer hohen Dunkelziffer bei Suizidversuchen auszugehen – Studien schätzen deren Zahl in Deutschland auf mehrere hunderttausend pro Jahr. Kritisch ist auch die Zeit nach einem Suizidversuch, da Betroffene in dieser Phase besonders gefährdet sind. „Die zugrundeliegende psychische Erkrankung zu behandeln, ist wichtig, reicht aber allein nicht immer aus, um das Risiko für einen erneuten Suizidversuch ausreichend zu verringern. Nach einem solchen Ereignis braucht es deshalb auch eine Behandlung, die die individuelle Krise und ihre Auslöser gezielt in den Blick nimmt“, erklärt Dr. Tim Johannes Krause, Oberarzt an der Universitätsklinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Universitätsmedizin Halle. Er leitet den einzigen Studienstandort in Sachsen-Anhalt, an dem das in Jena entwickelte Behandlungsprogramm „RISE“ (Relapse Prevention Intervention after Suicidal Event) untersucht wird. Das Behandlungsprogramm RISE soll Betroffene begleiten RISE soll Betroffene dabei unterstützen, persönliche Warnsignale frühzeitig zu erkennen, Krisen besser zu bewältigen und gemeinsam konkrete Strategien für schwierige Situationen zu entwickeln. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit dem zurückliegenden Suizidversuch und seinen individuellen Auslösern. Dazu finden innerhalb von vier Wochen fünf therapeutische Sitzungen statt. Auch Erfahrungen von Bezugspersonen und Angehörigen können einfließen. Die Behandlung ergänzt die übliche Therapie der jeweiligen psychischen Erkrankung. In einer vorherigen Machbarkeitsstudie wurde das Programm bereits erfolgreich erprobt. Nun soll eine kontrollierte klinische Studie unter Federführung des Universitätsklinikums Jena eine wissenschaftlich belastbare Grundlage schaffen. Dabei wird untersucht, ob das Programm erneuten Suizidversuchen besser vorbeugen kann als die bisherige Standardbehandlung. Insgesamt sollen ca. 350 Patientinnen und Patienten teilnehmen: Die eine Hälfte erhält die Standardbehandlung, die andere zusätzlich RISE. Beide Gruppen werden anschließend bis zu einem Jahr begleitet. Dabei werden unter anderem erneute Suizidversuche, das Befinden und die Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen erfasst. „Unser Ziel ist eine Behandlung, die Betroffene nicht erst bei der nächsten Krise erreicht, sondern ihnen gerade in der besonders sensiblen Zeit nach einem Suizidversuch spezialisierte Unterstützung bietet. Die Studie soll zeigen, ob sich ein solcher Ansatz auch langfristig in der Versorgung etablieren lässt“, betont Krause. An der Studie beteiligen sich sechs Kliniken aus fünf Bundesländern: das Universitätsklinikum Jena, die Universitätsmedizin Halle, die Universitätsmedizin Frankfurt, die Bezirkskliniken Mittelfranken, das Städtische Klinikum Dresden und das Klinikum Hanau. Das Projekt wird durch den Gemeinsamen Bundesausschuss mit insgesamt 1,3 Millionen Euro gefördert. Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Kurzinterventionen senken Risiko für erneuten Suizidversuch
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