Kurzinterventionen senken Risiko für erneuten Suizidversuch24. März 2026 Strukturierte Kurzinterventionen nach einem Suizidversuch senken das Risiko für einen erneuten Versuch deutlich. (Symbolbild: © Antonioguillem/stock.adobe.com) Ein einziges Gespräch kann den Unterschied machen: Strukturierte Kurzinterventionen nach einem Suizidversuch senken das Risiko für einen erneuten Versuch deutlich. Dies zeigt eine internationale Meta-Analyse unter Leitung der Universität Zürich. Menschen, die bereits einen Suizidversuch hinter sich haben, weisen ein deutlich höheres Risiko für weitere Versuche auf. Gleichzeitig erhält nur etwa ein Drittel von ihnen danach eine weiterführende Behandlung. Hier setzen sogenannte „Brief Interventions and Contacts“ an – strukturierte, zeitlich begrenzte Maßnahmen direkt nach einem Suizidversuch. Dazu gehören beispielsweise Sicherheitspläne, kurze psychotherapeutische Maßnahmen wie Problemlösetherapie, psychoedukative Elemente sowie regelmäßige Kontakte per Telefon oder Brief. Ein Team unter der Leitung von Psychologinnen und Psychologen der Universität Zürich hat nun untersucht, ob Kurzinterventionen nach einem Suizidversuch weitere Versuche verhindern können. Zudem prüfte das Team, ob sie Suizidgedanken verringern, selbstverletzendes Verhalten reduzieren und die Anbindung an die psychiatrische oder psychologische Versorgung verbessern. Eindeutig weniger erneute Suizidversuche Dazu analysierten die Forschenden 36 randomisierte kontrollierte Studien aus den Jahren 1993 bis 2025 mit insgesamt rund 9500 erwachsenen Teilnehmenden aus Europa, Amerika, Asien, dem Nahen Osten sowie Australien und Neuseeland. In die statistische Gesamtauswertung wurden 33 Studien einbezogen. Alle Teilnehmenden hatten mindestens einen Suizidversuch unternommen. Das zentrale Ergebnis: Personen, die eine Kurzintervention erhielten, hatten eine um 28 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit eines erneuten Suizidversuchs als Personen, die nur die übliche medizinische Versorgung erhielten. Im Durchschnitt wurden die Teilnehmenden über einen Zeitraum von rund zehn Monaten nachbeobachtet. Auch Suizidgedanken nahmen ab. Dieser Effekt zeigte sich vor allem in den ersten Monaten nach der Intervention und schwächte sich mit der Zeit etwas ab. Keine klaren Effekte fanden sich hingegen für selbstverletzendes Verhalten ohne Suizidabsicht sowie für die Anbindung an die psychiatrische oder psychologische Versorgung. Für die Auswertung dieser Aspekte standen weniger Studien zur Verfügung. Niederschwellig, skalierbar, praxisnah „Bereits eine einzige strukturierte Sitzung kann wirksam sein“, berichtet Erstautorin Stephanie Homan vom Psychologischen Institut der Universität Zürich. „Diese Kurzinterventionen sind besonders in Notaufnahmen, auf psychiatrischen Stationen oder in der ambulanten Versorgung relevant – also überall dort, wo personelle und finanzielle Ressourcen begrenzt sind.“ Sie eignen sich etwa im Anschluss an eine Notfallbehandlung oder nach einem Klinikaustritt. Gleichzeitig betont Homan, dass Kurzinterventionen keine intensiveren Therapien ersetzen können. Vielmehr könnten sie eine erste, rasch verfügbare Unterstützung bieten und Teil umfassender Präventionsstrategien sein. Wirkmechanismen und Langzeiteffekte besser erforschen Welche konkreten Bestandteile dieser Kurzinterventionen besonders wirksam sind und welche Personengruppen am meisten davon profitieren, bleibt offen. Um dies zu klären, sollen weitere ausreichend große Studien unterschiedliche Interventionsformen direkt vergleichen, die zugrunde liegenden Wirkmechanismen besser verstehen und Zielgruppen präziser identifizieren. Zudem gilt es zu klären, wie sich die Effekte langfristig stabilisieren lassen und welche Rolle digitale Formate dabei spielen können. Gestützt auf die bereits gewonnenen Erkenntnisse entwickelt das Forschungsteam derzeit neue Interventionen, um Menschen nach einem Suizidversuch künftig noch gezielter zu unterstützen. Außerdem interessant zum Thema Suizid: Bessere Versorgung nach Suizidversuch soll Rückfälle verhindern Genetische Prädispositionen für neuropsychiatrische Erkrankungen bei Suizidtoten ohne vorherige Suizidalität
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