Neuer Ansatz gegen Abwehrreaktion nach Stammzelltransplantation22. April 2026 Bild: ©Stanislau – stock.adobe.com Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) fördert die multizentrische Studie CURE-GvHD unter Leitung des Uniklinikums Erlangen mit 2,5 Mio. Euro aus Mitteln des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Geprüft wird ein CAR-T-Zell-Ansatz für Patienten mit schwerer chronischer Transplantat-gegen-Wirt-Erkrankung (cGvHD). Die Transplantat-gegen-Wirt-Erkrankung (Graft-versus-Host Disease, GvHD) ist eine Komplikation, die akut (aGvHD) bzw. chronisch (cGvHD) verlaufen kann und eine hohe Sterblichkeitsrate aufweist. Wissenschaftler der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie des Uniklinikums Erlangen möchten nun gemeinsam mit Partnern aus dem NCT im Rahmen der Studie CURE-GvHD einen innovativen Therapieansatz mit CD19-CAR-T-Zellen prüfen. Ziel ist es, eine neue und effektive Behandlungsoption für Patienten mit schwerer cGvHD zu entwickeln. CURE-GvHD steht dabei für „A multicenter phase I study of autologous CD19 CAR T cells for therapy refractory chronic GvHD“. cGvHD zeigt ähnliche pathologische Merkmale wie Autoimmunerkrankungen „Die cGvHD kann in einer Vielzahl von Organen auftreten und bekannte Autoimmunerkrankungen nachahmen“, erläutert Prof. Silvia Spörl. Die Oberärztin der Medizinischen Klinik 5 und Leiterin der Early Clinical Trial Unit des CCC Erlangen-EMN ist die verantwortliche Studienleitung. „Wir wissen, dass die cGvHD ähnliche pathologische Merkmale aufweist wie Autoimmunerkrankungen, in deren Pathogenese die B-Zellen eine wichtige Rolle spielen.“ Diese immunologischen Zusammenhänge und die guten Erfahrungen, die die Erlanger Wissenschaftler bereits mit CAR-T-Zellen gemacht haben, führten zu der Studienhypothese, die nun im Rahmen von CURE-GvHD klinisch geprüft werden soll. CAR-T-Zellen werden in Erlanger Reinräumen hergestellt „Bereits seit einigen Jahren forschen wir an CAR-T-Zellen, also den T-Zellen des eigenen Immunsystems. Mithilfe von Gentechnik verändern wir sie so, dass sie Zielzellen wie die B-Zellen erkennen und zerstören können“, erklärt Prof. Andreas Mackensen, Direktor der Medizinischen Klinik 5, in der die Studie primär durchgeführt wird. „Wir stellen die CAR-T-Zellen in unseren eigenen Reinräumen her und setzen sie in der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Leukämien, Lymphomen sowie Autoimmunerkrankungen ein.“ Erst im September 2025 publizierten die Erlanger Experten die Ergebnisse der weltweit ersten Behandlung einer therapieresistenten, schweren chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (Colitis ulcerosa) mit CD19-CAR-T-Zellen. Zur Gewinnung der CD19-CAR-T-Zellen werden den Patienten T-Lymphozyten entnommen und gentechnisch so verändert, dass sie das Oberflächenmolekül CD19 erkennen. CD19 ist charakteristisch für B-Lymphozyten, aber auch für die Plasmablasten, die bei vielen Autoimmunerkrankungen fehlgesteuert sind. Bereits im Vorfeld konnte gezeigt werden, dass Plasmablasten bei der cGvDH ebenfalls vermehrt vorliegen. „Aufgrund dieser immunologischen Zusammenhänge vermuten wir, dass CD19-CAR-T-Zellen auch bei der cGvHD wirksam sein können“, erläutert Spörl. „Im Rahmen unserer multizentrischen Phase-I-Studie wollen wir die Machbarkeit einer solchen Therapie und vor allem ihre Sicherheit und Verträglichkeit bewerten.“ Expertise aus ganz Deutschland Hauptverantwortlich für die Studie ist das Team des Uniklinikums Erlangen. Darüber hinaus beteiligen sich Forscher aus dem NCT WERA (Uniklinika Regensburg, Würzburg und Augsburg), dem NCT Berlin (Charité – Universitätsmedizin Berlin) und dem NCT West (Uniklinikum Köln). Zudem sind Patientenvertreter aus dem NCT Dresden sowie aus dem NCT WERA involviert und begleiten die Durchführung der Studie aus Patientensicht.
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