CED: Neue Erkenntnisse zur Heritabilität ebnen Weg für bessere Therapie3. März 2026 Abbildung: © Generative AI/stock.adobe.com Ergebnisse einer neuen Studie aus Dänemark eröffnen eine Möglichkeit, den Schweregrad Chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (CEDs) vorherzusagen. In Dänemark, so berichtet die Universität Aalborg, leben schätzungsweise 60.000 Menschen mit einer CED, in Deutschland gehen die Schätzung von mehr als 600.000 Betroffenen aus. Während manche davon in einem verhältnismäßig geringen Ausmaß beeinträchtigt würden, lebten andere mit einem höheren Grad an Beeinträchtigungen aufgrund des Krankheitsverlaufes – inklusive Operation und Stoma. Eine der größten Herausforderung bei der Versorgung von CED-Patienten sei, dass sich nicht vorhersehen lasse, wie die Krankheit im individuellen Fall voranschreitet. Daher würde viele Betroffene entweder zu stark oder zu wenig behandelt. Zudem werde die Möglichkeit, rechtzeitig therapeutisch einzugreifen häufig verpasst. Nun deutet eine Untersuchung an einem Center of Excellence der Danish National Research Foundation, dem Center for Molecular Prediction of Inflammatory Bowel Disease (PREDICT) an der Universität Aalborg darauf hin, dass es möglich ist vorherzusagen, ob eine gerade diagnostizierte Person mit einem schwereren Krankheitsverlauf rechnen muss. Die Wissenschaftler stellten fest, dass Patienten mit einem höheren genetischen Risiko für die Entwicklung einer CED auch eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen schweren Verlauf derselben besitzen. Einer der ersten Schritte hin zu einer individualisierten Behandlung Für ihre Studie kombinierten die Forschenden Daten aus einem nationalen Register mit klinischen Daten und Material aus der dänischen Biobank. Eingeschlossen in die Untersuchung wurden so fast 8300 Dänen mit einer CED. Die Ergebnisse der Auswertung veröffentlichten die Wissenschaftler kürzlich im Journal „Gastroenterology“. „Viele Betroffene erleben immer wieder Rezidive, sodass die Behandlung verändert werden muss, und der Krankheitsverlauf ist sehr unterschiedlich“, erläutert Seniorautoren Marie Vibeke Vestergaard von der Universität Aalborg. „Was uns wirklich fehlt, ist ein verlässliches klinisches Werkzeug, um für den jeweiligen Patienten die angemessenste Behandlungsstrategie zu finden.“ Polygene Scores und Krankheitsverläuft Die Forschenden ermittelten die polygenen CED-Scores (PGS) für 3732 Patienten mit Morbus Crohn sowie 4535 Patienten mit Colitis ulcerosa und untersuchten den Zusammenhang dieser Scores mit Krankheitsverläufen, einschließlich Entzündungsmarkern, Krankenhausaufenthalten, größeren Operationen und Medikamenteneinnahme. Ein kombinierter Schweregrad-Outcome wurde anhand der Outcomes in den drei Jahren nach Diagnosestellung definiert. Abschließend evaluierten Vibeke Vestergaard et al. die Krankheitsausdehnung als möglichen Mediator. Laut den Beobachtungen der Studienautoren war ein erhöhter PGS mit höheren Werten für Calprotectin und C-reaktives Protein im Stuhl sowie mit niedrigeren Hämoglobinwerten assoziiert. Im Vergleich des höchsten mit dem niedrigsten PGS-Quintil ergab sich eine Hazard Ratio für größere operative Eingriffe von 2,74 bei Crohn-Patienten und von 2,04 bei Colitis-Patienten. Betroffene mit einem schweren Krankheitsverlauf wiesen höhere PGS-Werte auf als solche mit einem weniger schweren Verlauf. Zudem stand ein höherer PGS-Wert mit einem höheren Bedarf an Corticosteroiden, Immunmodulatoren und Biologika in Zusammenhang. Wurde das Ausmaß der Erkrankung berücksichtigt, nahmen die geschätzten Assoziationen bei M. Crohn ab. Bei C. ulcerosa fiel dieser Effekt geringer aus. Vibeke Vestergaard und ihre Koautoren fassen daher zusammen, dass Patienten mit einer stärkeren genetischen Prädisposition für die Entwicklung einer CED auch einen schwereren Krankheitsverlauf erleben. Während dieser Zusammenhang bei M. Crohn hauptsächlich durch das Ausmaß der Erkrankung vermittelt werde, treffe dies bei C. ulcerosa nicht zu. Die Autoren interpretieren dies im Sinne einer gemeinsamen genetischen Grundlage für Krankheitsanfälligkeit und -schweregrad. Immer noch fehlende Kenntnisse zu biologischen Markern Gestützt wird die neu erkannte Korrelation zwischen Genetik und Schweregrad durch eine ältere Arbeit desselben Forscherteams. Diese hatte gezeigt, dass ein bestimmtes Gen – HLA-DRB1*01:03 – bei Patienten mit Colitis ulcerosa das Risiko für einen großen chirurgischen Eingriff signifikant erhöht. Wie gesagt: Mit beiden Studien ist man zwar einer maßgeschneiderten Therapie ein Stück nähergekommen, doch bedarf es weiterer Kenntnisse zu den biologischen Markern, die für die Prävention und für das Management der Krankheitsprogression beim einzelnen Betroffenen entscheidend sind. Den neuen Erkenntnissen werden nun weitere Untersuchungen folgen, in denen die Forschenden herausfinden wollen, welche Medikations- und Behandlungsstrategien für welche Subgruppe von Patienten die besten sind. „Wir wissen, dass die Genetik nur einer von vielen Faktoren ist, die bei der Entwicklung und dem Schweregrad der Erkrankung eine Rolle spielen“, erklärt Vibeke Vestergaard. „Deshalb werden wir unsere Forschung fortsetzen. Wir hoffen, dass die Ergebnisse dazu beitragen, dass Ärzte in der Zukunft präzisere Behandlungen anbieten können. So könnten Patienten von einem viel milderen Verlauf ihrer Erkrankung profitieren.“ Laut der Universität Aalborg erhalten in Dänemark rund 2700 Patienten jährlich erstmals die Diagnose CED – insgesamt leben derzeit in unserem Nachbarland etwa 60.000 Menschen mit einer diagnostizierten CED, Tendenz steigend. Zum Vergleich: Nur 32.000 Dänen leiden an einem bestätigten Typ-1-Diabetes.
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