CEDs: Immunveränderungen sind schon weit vor der Diagnose erkennbar27. Juli 2026 Abbildung: feng/stock.adobe.com Neue Erkenntnisse über den Beginn Chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (CEDs) liefert eine gerade publizierte Studie. Diese sei eine der bislang umfassendsten Untersuchungen zur präklinischen Phase von CEDs, erklären die Autoren. Wie die Forschenden – Vertreter der Icahn School of Medicine am Mount Sinai Hospital (USA) und der Medizinischen Universität Wien (Österreich) – im Journal „Gut“ berichten, haben sie Veränderungen des Immunsystems identifiziert, die bereits bis zu zehn Jahre vor der Entstehung einer CED nachweisbar sind. Mithilfe von Antikörper-Profiling-Technologien hatte das Team fast 2000 Blutproben analysiert, die über einen Zeitraum von etwa zehn Jahren von Personen gesammelt worden waren, bei denen sich später Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa entwickelte. Die Wissenschaftler machten spezifische Antikörpersignaturen gegen Viren und Bakterien aus – insbesondere gegen das Epstein-Barr-Virus und bakterielle Flagelline –, die bereits Jahre vor der Diagnose vorhanden waren. Dies deutet nach Auffassung der Forschenden darauf hin, dass eine abnormale Immunaktivität lange vor dem klinischen Ausbruch der Krankheit einsetzt. Im Laufe der Zeit veränderte Antikörperreaktion „Eine CED entwickelt sich nicht über Nacht“, formuliert Dr. Saurabh Mehandru, korrespondierender Autor der Studie und Professor für Medizin (Gastroenterologie) an der Icahn School of Medicine am Mount Sinai Hospital. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich das Immunsystem bereits Jahre vor dem Auftreten der ersten Symptome verändert. Durch das Verständnis dieser frühen immunologischen Veränderungen hoffen wir, die biologischen Vorgänge aufzudecken, die die Krankheit auslösen, und schließlich Strategien zu entwickeln, um CED zu erkennen und eines Tages zu verhindern, noch bevor sie beginnt.“ Die Forschenden untersuchten Antikörperreaktionen gegen 357.000 virale, bakterielle und sonstige Antigene in Blutproben, die etwa zehn, vier und zwei Jahre vor der Diagnose sowie kurz nach der Diagnose entnommen worden waren. Die Studie umfasste 200 Personen, die später an Morbus Crohn erkrankten, 200 Personen mit später auftretender Colitis ulcerosa sowie 100 gesunde Kontrollpersonen. Die Antikörperreaktionen veränderten sich im Laufe der Zeit und unterschieden sich signifikant zwischen den Personen, die eine CED entwickelten, und jenen, die gesund blieben. Viele der stärksten Signale waren bereits zum frühesten Zeitpunkt – etwa zehn Jahre vor der Diagnose – nachweisbar. Besonders auffällig: Morbus Crohn und Reaktion gegen Epstein-Barr-Virus Zu den auffälligsten Ergebnissen gehörten erhöhte Antikörperreaktionen gegen das Epstein-Barr-Virus und bakterielle Flagelline bei Personen, die später an Morbus Crohn erkrankten. Diese Immun-Signaturen waren bereits Jahre vor der Diagnose nachweisbar. Sie stützen die zunehmenden Hinweise darauf, dass Wechselwirkungen zwischen Infektionen, dem Darmmikrobiom und dem Immunsystem zu den frühesten Stadien der CED beitragen könnten. Die Ergebnisse untermauern zudem die Theorie der molekularen Mimikry, bei der sich Immunreaktionen gegen Viren oder Bakterien unbeabsichtigt gegen körpereigenes Gewebe richten können. „Diese Studie ermöglichte es uns, die Entwicklung des Immunsystems über ein ganzes Jahrzehnt hinweg zu beobachten, noch bevor die Krankheit diagnostiziert wurde“, berichtet Dr. Arno R. Bourgonje, Erstautor der Studie und Postdoktorand im Bereich Gastroenterologie an der Icahn School of Medicine am Mount Sinai Hospital. „Durch die zeitliche Erfassung von Antikörperreaktionen konnten wir spezifische Muster erkennen, die Personen, bei denen sich später eine CED entwickelt, von jenen unterscheiden, die gesund bleiben. Diese Ergebnisse liefern einen wichtigen Rahmen für das Verständnis der frühesten Stadien der Krankheitsentstehung.“ Weitere Erforschung der biologischen Vorgänge Sicher muss noch weiter geforscht werden, bevor diese Antikörpersignaturen klinisch genutzt werden können. Die Wissenschaftler sind jedoch überzeugt, dass ihrer Forschungsergebnisse langfristig dazu beitragen, Personen mit einem erhöhten CED-Risiko – insbesondere Angehörige von Patienten – zu identifizieren und künftige Präventionsstrategien zu steuern. „Wir wissen schon seit Jahren, dass CEDs eine lange symptomlose Phase durchlaufen, bevor Beschwerden auftreten“, erklärt Dr. Jean-Frédéric Colombel, einer der korrespondierenden Autoren der Studie und Leiter des Susan and Leonard Feinstein Inflammatory Bowel Disease Clinical Center an der Icahn School of Medicine. „Allerdings hatten wir bisher nur begrenzte Einblicke in die Vorgänge während dieses Zeitraums. Diese Arbeit liefert eines der bislang klarsten Bilder der immunologischen Veränderungen, die einer CED vorausgehen, und bringt uns der frühzeitigen Diagnose sowie letztlich der Krankheitsprävention einen Schritt näher.“ Die Wissenschaftler werden nun die biologischen Vorgänge in der präklinischen Phase von CEDs weiter untersuchen, um die Entstehung der Krankheit besser zu verstehen und Strategien zu entwickeln, mit denen sich die Erkrankung bereits vor dem Auftreten von Symptomen erkennen und verhindern lässt. (ac)
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