Ceramidase: Neue Zielstruktur gegen SARS-CoV-2 entdeckt17. August 2022 Die Zellen in der oberen Reihe wurden mit dem Fluoxetin-ähnlichen Molekül AKS466 behandelt und danach mit SARS-CoV-2 infiziert. Die Zellen unten wurden nur infiziert; in ihnen ist deutlich mehr virale RNA nachweisbar (hellere Punkte). Abbildung: © Jan Schlegel/Universität Würzburg Völlig unerwartet zeigt sich das Enzym Ceramidase als neue Zielstruktur für die Therapie von SARS-CoV-2-Infektionen. Das berichten Würzburger Forschungsgruppen in der Zeitschrift „Cells“. Fluoxetin, ein gängiges Antidepressivum, hemmt das Coronavirus SARS-CoV-2 in Zellkulturen und in Präparaten aus menschlichem Lungengewebe. Das haben Forschungsgruppen der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg im Sommer 2020 nachgewiesen. Der Mechanismus dieser Hemmung war aber vollkommen unklar, sodass die Teams weiterforschten. Die Wissenschaftler entwickelten zu diesem Zweck das Molekül AKS466, das dem Fluoxetin sehr ähnlich ist und ebenfalls gegen SARS-CoV-2 wirkt. Nach aufwendigen vergleichenden Studien steht nun fest, auf welchen Wegen das Antidepressivum die Vermehrung der Coronaviren unterbindet. Überschuss an Ceramiden hemmt die Viren Fluoxetin wie auch AKS466 fangen die Viren in den Lysosomen der Zelle ein. In den Lysosomen unterdrücken beide Wirkstoffe außerdem die Aktivität einer Enzymgruppe, der sauren Ceramidasen. Dadurch erhöht sich die Konzentration der Ceramide, einer Gruppe körpereigener Lipide. Dieser Überschuss an Ceramiden ist schließlich dafür verantwortlich, dass sich das Coronavirus SARS-CoV-2 nicht vermehren kann. „Das Enzym Ceramidase ist eine neue, völlig unerwartete Zielstruktur für die antivirale Therapie“, sagt Prof. Jochen Bodem vom Institut für Virologie und Immunbiologie der JMU. Seine Gruppe hat die Ergebnisse mit den Teams der JMU-Professoren Jürgen Seibel (Organische Chemie) und Markus Sauer (Biotechnologie und Biophysik) in einer engen Kooperation erarbeitet. Gefördert wurden die Arbeiten vom pharmazeutischen Unternehmen Novartis und vom Freistaat Bayern. Konsequenzen für die Therapieforschung Die neuen Erkenntnisse sind für die Bekämpfung von SARS-CoV-2 bedeutsam: Zum einen könnten sich Ceramide direkt als Wirkstoffe gegen das Virus eignen. Zum anderen ist das Fluoxetin-ähnliche Molekül AKS466 dem Original vielleicht überlegen. Denn Fluoxetin selbst hemmt auch die Enzymgruppe der sauren Sphingomyelinasen, was bei der Anwendung zu Nebenwirkungen führt. AKS466 dagegen hemmt diese Enzyme nicht – es sollte darum weniger Nebenwirkungen haben. Das Würzburger Forschungsteam zeigt damit gleich zwei neue Wege auf, die zu einer verbesserten Therapie von SARS-CoV-2-Infektionen führen könnten. Als nächstes möchten die Forschenden die Frage klären, auf welche Weise die beiden Wirkstoffe es schaffen, Coronaviren in den Lysosomen festzuhalten.
Mehr erfahren zu: "RSV-Immunisierung: Impfung in der Schwangerschaft häufiger bevorzugt" RSV-Immunisierung: Impfung in der Schwangerschaft häufiger bevorzugt Wenn es um den Schutz von Säuglingen vor dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) geht, bevorzugen Schwangere und Eltern kleiner Kinder die Impfung während der Schwangerschaft gegenüber einer Antikörpergabe an den Säugling.
Mehr erfahren zu: "Immunvermittelte Pneumonitis: KI-Modell identifiziert mithilfe von Routinebildgebung Risikopatienten" Immunvermittelte Pneumonitis: KI-Modell identifiziert mithilfe von Routinebildgebung Risikopatienten Eine Pneumonitis, die im Zusammenhang mit einer Immuntherapie auftritt, kommt bei etwa zehn Prozent aller Lungenkrebspatienten vor, die eine solche Behandlung erhalten. Forschende berichten nun über ein auf Künstlicher Intelligenz […]
Mehr erfahren zu: "Pneumokokken-Pneumonie: In manchen Fällen eine Chance, Blutkrebs zu entdecken" Pneumokokken-Pneumonie: In manchen Fällen eine Chance, Blutkrebs zu entdecken Schwere Pneumokokken-Erkrankungen, die einen Krankenhausaufenthalt erfordern – meist Pneumonien –, können laut Forschenden von der Universität Göteborg (Schweden) bei Erwachsenen ein Anzeichen für bisher unentdeckte Erkrankungen sein: für Blutkrebs und […]