Cholesteatom und Trommelfellperforation mit Demenz assoziiert11. Mai 2026 Foto: romaset/stock.adobe.com Schallleitungsschwerhörigkeit aufgrund von Cholesteatom oder Trommelfellperforation ist einer aktuellen Studie zufolge mit einem höheren Demenzrisiko assoziiert. Die Studie zeigt auch: Therapien, etwa eine Operation, können dieses Risiko wieder senken. Dass ein Zusammenhang zwischen Hörverlust und kognitivem Abbau besteht, ist nicht neu. Aber die Ergebnisse der aktuellen Studie um Erstautor Dr. S. Dillon Powell von der Columbia University in New York (USA), veröffentlicht in „Otolaryngoly – Head Neck Surgery“, tragen zu einer wachsenden Evidenzbasis bei. Mit seiner Studie ging das Team der Frage nach, ob es jeweils einen spezifischen Zusammenhang zwischen der Art der Schallleitungsschwerhörigkeit (CHL) und dem Demenzrisiko gibt. Und: Wenn die zugrunde liegende Ursache des Hörverlusts behandelbar ist, könnte deren Behandlung dazu beitragen, das Gehirn zu schützen? Assoziation zwischen Demenzrisiko und spezifischen Formen von Hörverlust? Wie die Studie zeige, seien auch spezifische Formen von chirurgisch behandelbarem Hörverlust mit einer nachlassenden Kognition assoziiert, so der korrespondierende Autor Dr. Justin S. Golub vom Columbia University Vagelos College of Physicians and Surgeons. Er betonte: „Am spannendsten ist jedoch, dass eine Behandlung durch routinemäßige chirurgische Eingriffe sowohl das Hörvermögen verbessern als möglicherweise auch das Demenzrisiko verringern könnte.“ Gemeinsam mit Kollegen von der University of Utah haben die Forschenden der Columbia University Daten von mehr als 363.000 Teilnehmenden des All-of-Us-Research-Program analysiert. Der große und vielfältige US-weite Gesundheitsdatensatz wird von den National Institutes of Health gefördert. Cholesteatom, Trommelfellperforation und Otosklerose im Fokus Die Autoren schlossen insgesamt 396.194 erwachsene Teilnehmer, die mindestens 18 Jahre alt waren, in ihre Studie ein. Im Mittel waren die Studienteilnehmer 55 (±17) Jahre alt. Die Expositionen waren CHL-Pathologien, definiert durch ICD-10-Codes: Cholesteatom (H71.X), Trommelfellperforation (H72.X) und Otosklerose (H80.X). Als Endpunkt definierten Powell et al. Demenz jeglicher Ursache, definiert durch ICD-10-Codes (F01, F03, G30–32). Die Wahrscheinlichkeit für Demenz bei Personen mit und ohne CHL-Pathologie analysierten die Autoren mittels multivariabler Regression. Dabei bezogen sie Alter, Geschlecht, Bildung, Race und Ethnie mit ein. Zusätzliche Analysen berücksichtigten Behandlungen. Bei Personen mit Trommelfellperforation wurde ein doppelt so hohes Demenzrisiko beobachtet. Es war um das 2,09-Fach erhöht (1,68–2,59; P < 0,001), im Vergleich zu Teilnehmern mit intaktem Trommelfell. Mit Blick auf Cholesteatom zeigte sich ein ähnliches Bild. Die Wahrscheinlichkeit für Demenz war bei Cholesteatom um das 1,77-Fache erhöht (1,08–2,73; P = 0,015) im Vergleich zu Personen ohne Cholesteatom. Für Otosklerose bestand kein signifikanter Zusammenhang. Assoziation nach chirurgischer Therapie nicht mehr signifikant Nach Berücksichtigung einer chirurgischen Behandlung sank die Odds Ratio für Demenz auf 1,40 (0,82–2,27; P = 0,198) für Cholesteatom und auf 2,01 (1,60–2,50; P < 0,001) für Trommelfellperforation. Damit war die Assoziation zwischen Cholesteatom und Demenz statistisch nicht mehr signifikant. Auch die Versorgung mit Hörgeräten schwächte den Zusammenhang ab, sowohl zwischen Cholesteatom als auch zwischen Trommelfellperforation und Demenz. Wie die Autoren betonten, ist eine umgekehrte Kausalität – also, dass Demenz den Hörverlust verursacht keine plausible Erklärung für die Assoziation. Grund ist die „allgemeine Unwahrscheinlichkeit, dass Demenz diese Formen von CHL verursacht“. Damit erweitere die Studie die Evidenz bei, dass kognitive Funktionen durch sensorische Deprivation beeinträchtig werde und erweitere diese auf die behandelbaren, schallleitungsbedingte Ursachen Trommelfellperforation und Cholesteatom, so die Autoren weiter. Damit könnte die Wiederherstellung des Hörvermögens – sei es durch chirurgische Eingriffe oder durch Hilfsmittel – eine wichtige Rolle bei der Senkung des Demenzrisikos spielen. (ja/BIERANN)
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