Große Studie belegt: Krebsrisiko ist für unverheiratete Erwachsene deutlich höher

In der Studie besaßen unverheiratete Männer ein um etwa 70 Prozent höheres Krebsrisiko als verheiratete Männer, während unverheiratete Frauen ein um etwa 85 Prozent höheres Risiko hatten als verheiratete oder ehemals verheiratete Frauen. (Foto: Pinheiro/stock.adobe.com)

Laut einer großen US-amerikanischen Studie haben unverheiratete Erwachsene ein deutlich höheres Krebsrisiko als Verheiratete. Das erhöhte Risiko betrifft nahezu alle wichtigen Krebsarten und ist besonders ausgeprägt bei vermeidbaren Krebsarten – jenen, die mit Infektionen, Rauchen und reproduktiven Faktoren in Zusammenhang stehen.

Die Studie, die von Forchenden des Sylvester Comprehensive Cancer Center der University of Miami Miller School of Medicine (USA) durchgeführt wurde, wurde kürzlich in „Cancer Research Communications“ veröffentlicht. „Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass soziale Faktoren wie der Familienstand wichtige Indikatoren für das Krebsrisiko auf Bevölkerungsebene sein können“, erläutert Koautor Dr. Paulo Pinheiro vom Sylvester Cancer Institute.

Die neue Erkenntnis bedeutet dabei natürlich nicht, dass Heiraten Krebs verhindert, betonen die Forschenden. „Es bedeutet vielmehr, dass Unverheiratete besonders auf Krebsrisikofaktoren achten, alle notwendigen Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen und sich über ihre Gesundheitsversorgung auf dem Laufenden halten sollten“, stellte Dr. Frank Penedo, Leiter des Sylvester Survivorship and Supportive Care Institute (SSCI) im University of Miami Health System klar.

„Für Präventionsmaßnahmen unterstreichen unsere Ergebnisse die Bedeutung gezielter Maßnahmen zur Sensibilisierung für Krebsrisiken und zur Entwicklung von Präventionsstrategien unter Berücksichtigung des Familienstandes“, fügt er hinzu. Laut den Forschenden ist das Leben in einer ehelichen Gemeinschaft auch mit einer früheren Krebsdiagnose und einer höheren Überlebensrate verbunden, wie Studien in der Vergangenheit gezeigt haben. Verheiratete Menschen verfügten oft, aber nicht immer, über stärkere soziale Netzwerke, eine höhere wirtschaftliche Stabilität und hielten sich mit höherer Wahrscheinlichkeit an Therapieempfehlungen.

Großer Datensatz mit Krebsfällen ab dem 30. Lebensjahr

Bisherige Studien zu den Zusammenhängen zwischen Ehe und Krebs konzentrierten sich fast ausschließlich auf die Zeit zum Zeitpunkt der Diagnose und danach. In nur wenigen kleineren Untersuchung wurde in der Vergangenheit erforscht, ob es das Krebsrisiko überhaupt beeinflusst, wenn man verheiratet ist. „Wir wollten wissen, wer mit höherer Wahrscheinlichkeit an Krebs erkrankt: Verheiratete oder Unverheiratete“, berichtet Pinheiro.

Um dies herauszufinden, analysierten die Forscher einen umfangreichen Datensatz aus zwölf US-Bundesstaaten. Dieser enthielt demografische Daten und Krebsdaten von mehr als vier Millionen Krebsfällen in einer Bevölkerung von mehr als 100 Millionen Menschen, die zwischen 2015 und 2022 erhoben wurden. Die Wissenschaftler untersuchten Fälle von malignen Tumoren, die bei Personen im Alter von mindestens 30 Jahren diagnostiziert wurden. Dabei verglichen das Forscherteam die Häufigkeit verschiedener Krebsarten nach Familienstand, aufgeschlüsselt nach Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit sowie altersstandardisiert.

Die Forschenden kategorisierten den Familienstand in zwei Gruppen: Verheiratete und ehemalige Verheiratete (einschließlich Geschiedener und Verwitweter) im Vergleich zu Ledigen. Die Studie startete im Jahr 2015, da der Oberste Gerichtshof der USA in diesem Jahr die gleichgeschlechtliche Ehe legalisierte und somit auch gleichgeschlechtliche Paare in die Kategorie „verheiratet“ aufgenommen wurden. Jeder fünfte Erwachsene in der Studie war noch nie verheiratet gewesen.

Überraschendes Ausmaß mancher Assoziationen

Pinheiro erwartete aufgrund der bekannten Zusammenhänge zwischen Ehe und Lebensstilfaktoren wie Rauchen, regelmäßiger medizinischer Versorgung und Kinderwunsch einige Assoziationen. Die Stärke mancher Ergebnisse überraschte ihn jedoch. Erwachsene, die nie verheiratet waren, besaßen ein deutlich höheres Krebsrisiko als Verheiratete oder ehemalige Verheiratete.

Studienautor Paulo Pinheiro (Foto: Sylvester Comprehensive Cancer Center)

Bei manchen Krebsarten war der Zusammenhang sogar noch stärker: Unverheiratete Männer erkrankten etwa fünfmal häufiger an Analkrebs als verheiratete Männer. Bei unverheirateten Frauen entwickelte sich fast dreimal so häufig Gebärmutterhalskrebs wie bei (ehemals) verheirateten Frauen. Da sowohl Analkrebs als auch Gebärmutterhalskrebs stark mit einer Infektion Humanen Papillomviren (HPV) zusammenhängen, spiegeln diese Differenzen wahrscheinlich Unterschiede in der Exposition wider – und im Fall von Gebärmutterhalskrebs zusätzlich Unterschiede in der Früherkennung und Prävention. Bei Krebsarten wie Gebärmutter- und Ovarialkrebs hingegen könnten Unterschiede im Hinblick auf den Familienstand teilweise auf den protektiven Effekt von Geburten zurückzuführen sein, der bei Verheirateten häufiger vorkommt. „Das ist ein klares und deutliches Signal dafür, dass manche Menschen einem höheren Risiko ausgesetzt sind“, fasst Pinheiro zusammen.

Leichte Unterschiede in den Mustern zwischen Männern und Frauen

Männer und Frauen zeigten leicht unterschiedliche Muster. Unverheiratete Männer besaßen ein um etwa 70 Prozent höheres Krebsrisiko als verheiratete Männer, während unverheiratete Frauen ein um etwa 85 Prozent höheres Risiko hatten als verheiratete oder ehemals verheiratete Frauen. Dies stellt eine kleine, aber bemerkenswerte Umkehrung eines allgemeinen Trends dar: Männer profitieren in der Regel stärker von der Ehe als Frauen, sowohl gesundheitlich als auch sozial. In diesem Fall schienen Frauen jedoch etwas stärker vom Verheiratetsein zu profitieren als Männer.

Die stärksten Zusammenhänge zwischen Ehe und Krebs wurden bei Krebsarten beobachtet, die mit Infektionen, Rauchen oder Alkoholkonsum in Verbindung stehen, sowie bei Frauen bei Krebsarten, die mit den Fortpflanzungsorganen zusammenhängen, wie Eierstock- und Gebärmutterkrebs. Die Forscher fanden schwächere Zusammenhänge bei Krebsarten, für die es umfassende Screening-Programme gibt, darunter Brust-, Schilddrüsen- und Prostatakrebs.

Die Studienautoren beobachteten auch Muster in Bezug auf ethnische Zugehörigkeit und Familienstand. Schwarze Männer, die nie verheiratet waren, wiesen die höchsten Krebsraten insgesamt auf. Verheiratete schwarze Männer besaßen jedoch niedrigere Krebsraten als verheiratete weiße Männer, was auf einen starken schützenden Zusammenhang mit der Ehe in dieser Gruppe hindeutet.

Penedo et al. benennen auch Einschränkungen in der Aussagekraft ihrer Untersuchung. So gingen Menschen, die weniger rauchen, weniger Alkohol trinken, besser auf ihre Gesundheit achten und sozial besser integriert sind, möglicherweise auch häufiger eine Ehe ein. Dennoch stellten die Forscher fest, dass die Zusammenhänge zwischen Ehe und Krebs bei Erwachsenen im Alter über 50 Jahren stärker ausgeprägt waren. Dies legt ihrer Meinung nach nahe, dass mit zunehmendem Alter und steigenden Krebsrisikofaktoren die Vorteile des Verheiratetseins deutlicher werden.

Die Wissenschaftler räumen auch ein, dass von der Studie Personen ausgeschlossen waren, die unverheiratet waren, aber in einer festen Partnerschaft leben. Diese Gruppe sei im Verhältnis zur Größe des Datensatzes wahrscheinlich klein, erklärte Pinheiro, sollte aber in zukünftigen Studien genauer untersucht werden. Zukünftige Studien könnten die Kategorie „verheiratet“ weiter in verheiratete, geschiedene und verwitwete Personen unterteilen und die Probanden über Jahrzehnte begleiten, um besser zu verstehen, wie sich Veränderungen im Familienstand auf das Krebsrisiko auswirken.

Zusammenfassend betonten beide Autoren, dass die Ehe Krebs nicht auf magische Weise verhindert. „Aber der Zusammenhang zwischen Familienstand und Krebsrisiko ist eine interessante, neue Beobachtung, die weitere Forschung verdient“, unterstreicht Pinheiro. (ac)