Chronische Darmentzündungen bei Kindern: Förderung für Münchner Forschungsprojekt

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In einem LMU-Projekt sollen die molekularen Ursachen besonders schwerer Chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (CEDs) im Kindesalter entschlüsselt und neue Ansatzpunkte für personalisierte Therapien identifiziert werden.

Das Forschungsprojekt von Prof. Daniel Kotlarz, das den Titel „Unraveling dysregulated cell death pathways in intestinal inflammation – Monogenic inflammatory bowel disease as a precision model for target discovery“ trägt, wird nun für drei Jahre im Rahmen des Förderprogramms Rise up! der gemeinnützigen Boehringer Ingelheim Stiftung unterstützt.

Seltene Erkrankungen als Schlüssel zur Präzisionsmedizin

Daniel Kotlarz (Copyright: LMU Klinikum)

Sehr früh beginnende CEDs treten bereits im Säuglings- oder Kleinkindalter auf und verlaufen häufig besonders schwer. Bei einem Teil der betroffenen Kinder liegen seltene genetische Defekte zugrunde, die zentrale Signalwege des programmierten Zelltods beeinträchtigen und dadurch überschießende Entzündungsreaktionen im Darm auslösen können.

Das geförderte Forschungsprojekt nutzt diese seltenen monogenetischen Erkrankungen als Präzisionsmodelle, um grundlegende molekulare Mechanismen entzündlicher Erkrankungen zu entschlüsseln. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie gestörte Zelltodprozesse in Immun- und Darmepithelzellen chronische Entzündungen auslösen und welche molekularen Signalwege sich für innovative therapeutische Interventionen eignen.

„Unser Ziel ist es, die dabei gewonnenen Erkenntnisse in neue diagnostische und therapeutische Ansätze zu überführen – zunächst für betroffene Kinder, langfristig aber auch für Patientinnen und Patienten mit häufigeren chronisch-entzündlichen Erkrankungen“, sagt Kotlarz, Heisenberg-Professor für Präzisionsmedizin entzündlicher Darmerkrankungen im Kindesalter an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und Gruppenleiter am Institute of Translational Genomics von Helmholtz Munich.

Von der Grundlagenforschung zur klinischen Anwendung

Klinische Beobachtungen aus der Versorgung betroffener Kinder bilden den Ausgangspunkt für die experimentelle Forschung. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen anschließend wieder in die Entwicklung neuer diagnostischer und therapeutischer Strategien zurückgeführt werden.

Hierbei kombiniert das Forschungsteam modernste Multiomics-Technologien und computergestützte Analysen mit innovativen humanen Krankheitsmodellen auf Basis induzierter pluripotenter Stammzellen (Darmorganoide und Immunzellen). Aufbauend auf diesen Erkenntnissen sollen schließlich potenzielle therapeutische Zielstrukturen identifiziert und in präklinischen Modellen funktionell validiert werden. Langfristiges Ziel ist es, neue Präzisionstherapien für Kinder mit schweren entzündlichen Darmerkrankungen zu entwickeln.

Erkenntnisse mit Bedeutung über seltene Erkrankungen hinaus

Die Ergebnisse könnten laut den Forschenden nicht nur die Behandlung seltener monogenetischer Darmerkrankungen verbessern. Da viele der identifizierten Entzündungsmechanismen auch bei den häufigeren Formen von CEDs eine Rolle spielen, verspricht das Projekt wichtige Erkenntnisse über chronische Entzündungsprozesse und eröffnet neue Perspektiven für die Entwicklung neuer Präzisionstherapien mit breiter klinischer Relevanz.

„Die Förderung unterstreicht die wissenschaftliche Exzellenz der pädiatrischen Forschung im Dr. von Haunerschen Kinderspital des LMU Klinikums“, sagt Prof. Christoph Klein, Direktor der Kinderklinik und Kinderpoliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital des LMU Klinikums in München. „Das Projekt verbindet innovative Grundlagenforschung mit einer klaren klinischen Perspektive und hat das Potenzial, die Behandlung von Kindern mit seltenen entzündlichen Erkrankungen nachhaltig zu verbessern.“

Die Unterstützung aus dem Förderprogramm Rise up! beläuft sich auf rund 600.000 Euro. Die Förderung richtet sich laut der LMU an Forschende, die „besonders innovative und wissenschaftlich risikoreiche Projekte“ verfolgen.