Chronische Hepatitis B: Impfstoff gegen Gräserpollenallergie als potenzielle Therapieform26. August 2020 Foto: © Michail Petrov/Adobe Stock Chronische Hepatitis-B-Infektionen stellen ein globales Gesundheitsproblem dar. Nun konnte ein österreichisches Forscherteam den Nachweis erbringen, dass ein im Impfstoff BM32 gegen Gräserpollenallergie enthaltenes Protein Antikörper induziert, die das Andocken des Hepatitis-B-Virus an Leberzellen verhindert. Mehr als 250 Millionen Menschen leiden nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO derzeit an einer chronischen Infektion mit Hepatitis B (HBV). In der Regel wird diese mit Nukleosid- und Nukleotid-Analoga oder mit Interferon behandelt. Diese Therapieformen seien jedoch nebenwirkungsreich, betonen die Forscher von der MedUni Wien. Gegenwärtige HBV-Schutzimpfungen basierten auf dem S-Protein, einem speziellen Bestandteil des HPV Virus, jedoch funktionierten sie bei zehn bis zwanzig Prozent der Geimpften nicht. Nun konnte eine Forschungsgruppe um Rudolf Valenta vom Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie der MedUni Wien anhand des Datenmaterials von 128 gegen Gräserpollenallergie geimpften Menschen nachweisen, dass der Impfstoff BM32 ein Protein enthält, das Antikörper punktgenau auf die Anbindungsstelle des Virus an der Leberzelle induziert und somit die Infektion verhindert. Es wurden unterschiedliche Dosierungsschemata getestet und verschiedene Kreuzreaktionen untersucht. Bei den Personen bildeten sich Antikörper, die alle bekannten Formen des Virus erkennen und bekämpfen können. Die Anzahl der Antikörper scheint hoch genug, um auch gegen die chronische Form der Hepatitis B nicht nur präventiv, sondern auch therapeutisch eingesetzt werden zu können zu können. Es wäre dann möglich, den Zyklus des viralen Befalles der Leberzellen zu unterbrechen und eine Immunisierung zu erreichen. Diese Studie sei ein erster Schritt zur therapeutischen Nutzung der Impfung gegen die chronische Hepatitis und stelle auch ein völlig neues Konzept dar, welches die momentan praktizierten Behandlungsmethoden revolutionieren könnte, so die Forscher.
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