Chronische Nierenkrankheit: Bevölkerungsbasierte eGFR-Berechnung kann Risiko-Patienten früher identifizieren22. Januar 2026 Foto: © may1985/stock.adobe.com Laut einer neuen Studie des Karolinska Institutet (Schweden) gehen Werte der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) unterhalb des 25. Perzentils der Bevölkerungsverteilung mit einem erhöhten Risiko für Nierenversagen und Tod einher. Die Wissenschaftler erstellten bevölkerungsbasierte eGFR-Verteilungen. Ziel war es, Ärzten zu helfen, Risikopatienten zu identifizieren und so frühzeitig präventive Maßnahmen zu ermöglichen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Kidney International“ veröffentlicht „Wir haben uns von den Wachstums- und Gewichtskurven in der Pädiatrie inspirieren lassen, die Ärzten intuitiv helfen, Kinder mit einem Risiko für Übergewicht oder Unterwachstum zu erkennen“, kommentiert die Erstautorin der Studie Yuanhang Yang. Webbasierter Rechner für medizinisches Fachpersonal Die Forscher haben ihre eGFR-Verteilungsdiagramme für medizinisches Fachpersonal frei zugänglich gemacht und einen webbasierten Rechner entwickelt. Dieser vergleich die eGFR eines Patienten mit den Normwerten der Bevölkerung für sein Alter. Die Studie umfasste über 1,1 Millionen Erwachsene in der Region Stockholm (Schweden). Das entspricht etwa 80 Prozent der Bevölkerung im Alter zwischen 40 und 100 Jahren. Knapp sieben Millionen eGFR-Tests, die zwischen 2006 und 2021 durchgeführt wurden, dienten zur Erstellung alters- und geschlechtsspezifischer Verteilungen. Die Ergebnisse zeigen, dass Abweichungen vom Median der eGFR für Alter und Geschlecht mit schlechteren Behandlungsergebnissen einhergehen. Personen mit einer eGFR unterhalb des 25. Perzentils hatten ein deutlich höheres Risiko, ein dialysepflichtiges oder transplantationspflichtiges Nierenversagen zu entwickeln. Die Mortalität zeigte ebenfalls einen U-förmigen Verlauf. Sowohl niedrige als auch hohe Perzentilwerte waren mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden. Möglichkeit früheren Handelns Die Studie verdeutlicht laut den Forschern auch dieses mangelnde Bewusstsein im Gesundheitswesen. Von denjenigen mit einer scheinbar normalen eGFR über 60 ml/min/1,73 m², aber unterhalb des 25. Perzentils, wurde nur bei einem Viertel eine zusätzliche Untersuchung auf Albumin im Urin durchgeführt, die für die Früherkennung von Nierenschäden wichtig ist. „Nehmen wir beispielsweise eine 55-jährige Frau mit einer eGFR von 80. Die meisten Ärzte würden bei einem so scheinbar normalen Wert nicht reagieren. Unsere Daten zeigen jedoch, dass dies dem 10. Perzentil für Frauen dieser Altersgruppe entspricht und dass ihr Risiko, zukünftig dialysepflichtig zu werden, dreimal höher ist. Dies signalisiert die Möglichkeit, frühzeitig zu handeln“, verdeutlicht Studienleiter Prof. Juan Jesús Carrero abschließend. (ri/BIERMANN)
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