Chronische Nierenkrankheit: DGfN fordert konsequentes Screening21. Januar 2026 Foto: © airdone/stock.adobe.com Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) fordert daher ein konsequentes, modernes Nierenscreening für die chronische Nierenkrankheit (CKD) – insbesondere bei Risikogruppen. Die CKD galt lange als schleichend fortschreitend und kaum aufzuhalten. Mehrere aktuelle Studien zeigen nun: Dieses Bild ist überholt. Darüber informiert die DGfN in einer aktuellen Pressemitteilung. Moderne medikamentöse Therapien könnten das Fortschreiten der Erkrankung deutlich bremsen – und in vielen Fällen sogar einen langfristigen Stillstand der Nierenschädigung erreichen. Voraussetzung dafür sei jedoch eine frühzeitige Diagnose. „Wir stehen an einem Wendepunkt in der Versorgung von Menschen mit CKD“, sagt Prof. Sylvia Stracke, Pressesprecherin der DGfN. „Erstmals haben wir wirksame und gut verträgliche Therapien, mit denen sich eine Dialysepflichtigkeit häufig verhindern oder zumindest über viele Jahre hinauszögern lässt. Um dieses Potenzial zu nutzen, müssen Nierenkrankheiten jedoch deutlich früher erkannt werden“, fügt sie hinzu. Große Studien belegen Nutzen moderner Therapien Eine aktuelle internationale Metaanalyse im Fachjournal „JAMA“ mit mehr als 70.000 Patienten zeigt, dass SGLT2-Inhibitoren das Risiko für ein Fortschreiten der CKD signifikant senken – unabhängig von der Ausgangsnierenfunktion, vom Ausmaß der Albuminurie und von der Ursache der CKD. Der schützende Effekt war selbst bei fortgeschrittener Erkrankung nachweisbar (1), informiert die DGfN. Parallel dazu beschreibe ein aktueller Übersichtsartikel in der Fachzeitschrift „Kidney International“ (2) einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Nephrologie: weg vom bloßen Verlangsamen des Krankheitsverlaufs – hin zum realistischen Ziel einer Remission der CKD, so die DGfN. Remission bedeute dabei entweder eine altersentsprechend langsamere Abnahme der Nierenfunktion oder – in frühen Stadien – eine Normalisierung von Nierenwerten und Eiweißausscheidung. Möglich werde dieser Fortschritt durch den kombinierten Einsatz mehrerer Medikamentenklassen, darunter SGLT2-Inhibitoren, nichtsteroidale Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten, GLP-1-Rezeptoragonisten sowie krankheitsspezifische Immuntherapien, etwa bei IgA-Nephropathie. Screeninglücken trotz hohem Risiko Trotz dieser Fortschritte werden Nierenkrankheiten in Deutschland noch immer zu selten frühzeitig erkannt, betont die DGfN. Zuletzt habe die InspeCKD-Studie (3) auch für Deutschland gezeigt, dass selbst bei Risikopatienten mit Diabetes, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Albuminbestimmung im Urin viel zu selten in Hausarztpraxen – nur in 0,4 Prozent der Fälle – durchgeführt wurde. „Das ist eine verpasste Chance“, so Stracke. „Wer Nierenkrankheiten früh erkennt, kann heute häufig verhindern, dass es überhaupt zur Dialyse kommt. Ein modernes Nierenscreening ist deshalb kein Selbstzweck – es ist der Schlüssel zu einer deutlich besseren Prognose“, fügt sie hinzu. Aus Sicht der DGfN müssen Früherkennung und moderne Therapie künftig konsequent zusammengedacht werden. Ein regelmäßiges Nierenscreening bei Risikogruppen, kombiniert mit dem frühzeitigen Einsatz leitliniengerechter Medikamente, könne die Zahl der Dialysepatienten nachhaltig senken und die Lebensqualität vieler Betroffener deutlich verbessern. Quellenangaben:[1] Neuen BL, Fletcher RA, Anker SD, Bhatt DL, Butler J, Cherney DZI, u. a. SGLT2 Inhibitors and Kidney Outcomes by Glomerular Filtration Rate and Albuminuria: A Meta-Analysis. JAMA [Internet]. 2025 [zitiert 13. Januar 2026]; https://doi.org/10.1001/jama.2025.20834[2] Tangri N, Neuen BL, Cherney DZ, Tuttle KR, Perkovic V. From progression to remission: a new paradigm for success in chronic kidney disease. Kidney Int. 2026;109:17–21. https://doi.org/10.1016/j.kint.2025.10.004[3] Wanner C, Schaeffner E, Frese T, Opfermann U, Radowsky F, Stahl P, Burckhardt F, Scherg F, Weber C, Mader F. InspeCKD – Analyse zur Prävalenz, Diagnose und Therapie der chronischen Nierenerkrankung: Daten von Risikopatienten in deutschen Hausarztpraxen. Die Innere Medizin. 2025; Ausg. 10.
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