Chronische Nierenkrankheit: Schwangerschaft beeinträchtigt Nierenfunktion bei leichtem Krankheitsstadium nicht

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Laut einer aktuellen Studie aus den Niederlanden beeinträchtigt eine Schwangerschaft bei Patientinnen mit einer leichten chronischen Nierenkrankheit (CKD) die Nierenfunktion langfristig nicht.

Eine Schwangerschaft kann den Rückgang der Nierenfunktion bei Frauen mit CKD beschleunigen, insbesondere in fortgeschrittenen Stadien. Manche Ärzte raten daher von einer Schwangerschaft ab. Die genauen Auswirkungen einer Schwangerschaft und die damit verbundenen Risiken (z. B. bei Patienten mit Proteinurie oder Bluthochdruck) sind noch unklar. Für CKD-Patienten mit Kinderwunsch ist es entscheidend, die Auswirkungen einer Schwangerschaft zu ermitteln und diejenigen zu identifizieren, bei denen ein Risiko für eine Progression besteht.

Forscher des University Medical Centre Utrecht, Utrecht, Niederlande, führten daher eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse in Human- und Tierstudien durch und fassten alle verfügbaren Erkenntnisse zur langfristigen Nierenfunktion nach der Schwangerschaft bei Frauen mit vorbestehender CKD zusammen. Die neuen Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Clinical Journal of the American Society of Nephrology“ veröffentlicht.

Verschlechterung bei fortgeschrittener CKD

Primärer Endpunkt war die standardisierte mittlere Differenz (SMD) der Nierenfunktion vor und nach der Schwangerschaft. Für klinische Implikationen berechneten die Forscher die mittleren Unterschiede der glomerulären Filtrationsrate (GFR). Sekundäre Ergebnisse waren das Auftreten von Nierenversagen (KF)/Nierenersatztherapie (KRT) nach der Entbindung sowie die Verschlechterung der Nierenfunktion. In den Subanalysen wurden die Studien in leichte versus fortgeschrittene CKD unterteilt, wenn ≤ 25 % vs. > 25 % der Teilnehmer an CKD-Stadium 3–5 litten (sofern die Kohorten nicht anders definiert waren), und in chronische Hypertonie, wenn < 25 % vs. > 25 % der Teilnehmer an chronischer Hypertonie litten. Die Wissenschaftler analysierten 36 Humanstudien mit 2945 Patienten, 4623 Schwangerschaften und 12 Tierstudien.

Das Ergebnis: Eine Schwangerschaft hatte keinen Einfluss auf die langfristige Nierenfunktion in Kohorten mit leichter CKD (SMD -0,22[-0,56,0,13]) über eine durchschnittliche Nachbeobachtungszeit von 4,4 (SD 0,7) Jahren. Die Nierenfunktion war jedoch nach der Schwangerschaft in Kohorten mit fortgeschrittener CKD signifikant verringert (SMD -0,55 [-0,80, -0,30]), der gepoolte eGFR-Abfall betrug -8,96 ml/min [-17,4, -0,48], die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit betrug 2,6 Jahre. Chronische Hypertonie beeinflusste die gesamte SMD (β = -0,01 [-0,02, -0,001], P = 0,03). Die gepoolte KF/KRT-Inzidenz betrug 9 %, die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit betrug 6,5 Jahre. In Tiermodellen zur Nephropathie hatte die Schwangerschaft keinen Einfluss auf die Nierenfunktion nach der Entbindung. (ri)