Chronische Schmerzen: Linderung mittels telemedizinischer kognitiver Verhaltenstherapie12. August 2025 Symbolfoto: ©Srdjan/stock.adobe.com Kann eine Online-Verhaltenstherapie starke chronische Schmerzen lindern? Eine aktuelle Studie liefert Hinweise auf eine leichte Besserung und mehr Lebensqualität für Betroffene. Personen mit stark beeinträchtigenden chronischen Schmerzen profitieren einer neuen Studie zufolge von einer skalierbaren kognitiven Verhaltenstherapie (CBT), die per Telemedizin (Beratung durch einen Gesundheitscoach per Telefon- oder Videokonferenz) oder über selbstständig online absolvierte Module durchgeführt wird. Die Studienautoren verzeichneten drei Monate nach einer solchen Online-Verhaltenstherapie deutlich mehr Teilnehmer, bei denen die Schmerzintensität im Vergleich zum Ausgangswert um mindestens 30 Prozent gesunken war, als bei Patienten, die die übliche Versorgung erhalten hatten. Patienten, die telemedizinisch von einem Gesundheitscoach beraten wurden, hatten dabei bessere Ergebnisse als Teilnehmer des selbstständig online absolvierten Programms. Die Vorteile beider Interventionen hielten über zwölf Monate an. Diese Ergebnisse erschienen im Fachmagazin „JAMA“. Details zur Studie Leiterin der randomisierten klinischen Studie war Lynn L. DeBar vom Kaiser Permanente Center for Health Research in Portland (USA). Hintergrund der Untersuchung ist, dass CBT zwar als nicht medikamentöse Erstbehandlung bei chronischen Schmerzen empfohlen wird, jedoch nicht überall verfügbar ist. Hier könnte eine skalierbare CBT aus der Ferne eine Lösung bieten, sofern sie sich als effektives Mittel zur Schmerztherapie herausstellt. An der klinischen Phase-III-Studie nahmen 2331 Patienten mit starken chronischen Muskel-Skelett-Schmerzen aus vier geografisch unterschiedlichen Gesundheitssystemen in den USA teil. Ihr Durchschnittsalter lag bei 58,8 Jahren, 74 Prozent waren weiblich und 44 Prozent kamen aus ländlichen/medizinisch unterversorgten Gebieten. Die Teilnehmer wurden im Verhältnis 1:1:1 randomisiert einer von drei Gruppen zugeteilt. Während die Kontrollgruppe (n=777) die übliche Versorgung plus den Leitfaden der American Chronic Pain Association zur Behandlung chronischer Schmerzen erhielt, nahmen die beiden Interventionsgruppen aus der Ferne an acht Sitzungen eines CBT-basierten Skills-Trainings teil. Dabei wurde differenziert zwischen einem von einem Gesundheitscoach per Telefon/Videokonferenz geleiteten Programm (Gesundheitscoach; n=778) und einem online selbst durchgeführten Programm (painTRAINER; n=776). Die Schmerzintensität der Teilnehmer wurde auf Basis eines 11-Punkte-Schmerzfragebogens (Brief Pain Inventory–Short Form) zu Beginn der Studie, sowie nach drei, sechs und zwölf Monaten bewertet. Patienten profitieren von Intervention Ein Großteil der Probanden schloss die Studie ab (n=2210; 94,8%). Eine Verringerung des Schmerzschweregrads um 30 Prozent oder mehr (primärer Endpunkt) hatten nach drei Monaten 32,0 Prozent in der Gesundheitscoach-Gruppe 26,6 Prozent in der painTRAINER-Gruppe und 20,8 Prozent in der Gruppe mit üblicher Versorgung erreicht. Beide Interventionsgruppen erreichten den primären Endpunkt damit signifikant häufiger als die Kontrollgruppe. Das Gesundheitscoach-Programm war jedoch wirksamer als das online selbst durchgeführte painTRAINER-Programm (Relatives Risiko 1,20). Langanhaltende Wirkung – auch auf sekundäre Ergebnisse Sowohl für die Schmerzintensität als auch für andere sekundäre Schmerz- und Funktionsergebnisse (schmerzbedingte Beeinträchtigungen, Patient-Reported Outcomes Measurement Information System, soziale Rolle, körperliche Funktionsfähigkeit und globale Einschätzung der Veränderung durch den Patienten) wurden sechs und zwölf Monate nach der Randomisierung statistisch signifikante Vorteile für beide Interventionsgruppen im Vergleich zur üblichen Versorgung beobachtet. „Diese ressourcenschonenden CBT-basierten Behandlungen gegen chronische Schmerzen könnten die Verfügbarkeit evidenzbasierter nicht pharmakologischer Schmerzbehandlungen im Gesundheitswesen verbessern“, folgern die Studienautoren. (ah/BIERMANN)
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