Colitis ulcerosa: Mikro- und Nanoplastik können Darmentzündungen verstärken9. Januar 2026 Abbildung (KI-generiert): © filipobr/stock.adobe.com Laut einer neuen Studie können kleinste Plastikpartikel die Immunzellen und das Mikrobiom des Darms beeinflussen und so die Entzündungen bei Patienten mit Colitis ulcerosa verstärken. Ein internationales Forschungsteam hatte einen möglichen Zusammenhang zwischen der steigenden Zahl an Menschen mit Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und der zunehmenden Belastung durch Mikro- und Nanoplastik (MNP) untersucht. An der Untersuchung waren auch Autoren aus Deutschland beteiligt. Die Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler unter der Leitung von Mitarbeitern der Medizinischen Universität Wien und der Universität Wien kürzlich im Journal „Microplastics and Nanoplastics“. Untersucht hatte man die schädlichen Auswirkungen von MNP an einem Colitis-ulcerosa-Mausmodell. Die Studie befasste sich mit Polystyrolpartikeln unterschiedlicher Größe, die den man den Tieren oral verabreichte. Die umfangreichen molekularen und histologischen Analysen des Forschungsteams lieferten Hinweise auf Wechselwirkungen zwischen MNP und Darmentzündungen. Die Aufnahme von MNP durch die Darmschleimhaut war unter entzündlichen Bedingungen erhöht. Außerdem verstärkte die MNP-Exposition die entzündliche Immunreaktion im Darm: Sie löste eine proinflammatorische Aktivierung von Makrophagen aus. Zudem führte die MNP-Belastung zu einer Veränderung des Darmmikrobioms. Die Forschenden beobachteten einen Rückgang nützlicher und einen Anstieg entzündungsfördernder und potenziell gesundheitsschädlicher Bakterienarten. Auswirkungen über den Darm hinaus „Darüber hinaus zeigt unsere Studie, dass sich die Anreicherung von MNPs unter entzündlichen Bedingungen nicht nur im Darm, sondern auch in anderen Ausscheidungsorganen wie der Leber und den Nieren sowie im Blutkreislauf verstärkte“, erklärt Studienleiter Prof. Lukas Kenner von der Medizinischen Universität Wien. Dieser Effekt wurde insbesondere bei den besonders kleinen Nanoplastikpartikeln mit einer Größe von weniger als 0,0003 Millimeter beobachtet. Er deutet darauf hin, „dass MNP biologische Barrieren überwinden und systemische Auswirkungen weit über den Darm hinaus haben können“, ergänzt Co-Studienleiterin Prof. Verena Pichler von der Universität Wien. Während die Raten Chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen steigen, ist dies auch für die Verbreitung von Mikro- und Nanoplastikpartikel in der Umwelt der Fall. Da der Gastrointestinaltrakt der zunehmenden MNP-Exposition besonders stark ausgesetzt ist, konzentrierten sich die Wissenschafter auf die Erforschung eines möglichen Zusammenhangs. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass MNP ein bislang unterschätzter Faktor bei der Entstehung und Verstärkung Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ist“, sagt Kenner. Weitere Studien sollen die Erkenntnisse untermauern. „Der dringende Appell, Maßnahmen zur Reduktion der MNP-Verschmutzung zu ergreifen, ist allerdings schon jetzt klar an die Gesellschaft und Politik zu richten.“
Mehr erfahren zu: "Lebererkrankung bei Heranwachsenden: Ewigkeits-Chemikalien können Risiko um bis das Dreifache erhöhen" Lebererkrankung bei Heranwachsenden: Ewigkeits-Chemikalien können Risiko um bis das Dreifache erhöhen US-Forscher berichten, dass höhere Blutwerte zweier häufiger Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) die Wahrscheinlichkeit für eine früh im Leben beginnende Stoffwechseldysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD) steigen lassen.
Mehr erfahren zu: "DFG-Förderung für Prähabilitation vor großen Tumoroperationen des Gastrointestinaltrakts" DFG-Förderung für Prähabilitation vor großen Tumoroperationen des Gastrointestinaltrakts Wie lassen sich Patienten mit Magen- oder Darmkrebs optimal auf eine große Operation vorbereiten? Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert eine Studie unter Kölner Leitung zu dieser Frage mit 3,4 Millionen […]
Mehr erfahren zu: "Wie Eierstockkrebs den Bauchraum umprogrammieren kann" Wie Eierstockkrebs den Bauchraum umprogrammieren kann Eierstockkrebs bildet häufig Tochtergeschwüre, vor allem im Omentum. Forschende der Universität Basel und des Universitätsspitals Basel (beide Schweiz) haben untersucht, was passiert, wenn der Krebs dieses Organ „kapert“.