COVID-19 – eine Gefäßerkrankung: Warum eine Schädigung der Blutgefäße für schwere Langzeitfolgen verantwortlich ist20. September 2021 Abbildung: ©Kateryna_Kon – stock.adobe.com Im Vorfeld der 37. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. (DGG) in Mannheim (13.-16. Oktober) informiert die Fachgesellschaft über die möglichen schwerwiegenden Auswirkungen einer SARS-CoV-2-Infektion auf die Blutgefäße und die damit einhergehenden Langzeitfolgen der Erkrankung. Atemwegserkrankungen sind unmittelbare Auswirkungen von COVID-19 – das ist längst bekannt. Verantwortlich für die oft gravierenden Langzeitfolgen des Virus ist jedoch vor allem eine Schädigung der Blutgefäße. Laut Expertinnen und Experten der DGG kann es bei einer Coronavirus-Infektion zu schweren Schädigungen in den Blutgefäßen und zur Bildung von Blutgerinnseln kommen. Sie schließen sich daher den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) an, in der Behandlung von COVID-19 neben entzündungshemmenden und virenbekämpfenden Medikamenten auch Gerinnungshemmer einzusetzen, um die gestörte Blutgerinnung zu behandeln. Zudem raten sie Patientinnen und Patienten mit gefäßmedizinischen Erkrankungen dringend zu einer Corona-Impfung. Seit fast zwei Jahren hat die COVID-19-Pandemie die Welt fest im Griff. Mit über 228 Millionen Betroffenen und fast 4,7 Millionen Todesfällen stellt diese Erkrankung eine gewaltige medizinische, politische und humanitäre Herausforderung dar. Zunächst wurde COVID-19 aufgrund seiner primären Krankheitssymptome vor allem als Erkrankung der Atemwege wahrgenommen. „Heute wissen wir jedoch, dass eine Hauptursache für die unterschiedlichen Ausprägungen und Langzeitfolgen dieser Infektionskrankheit eine primäre Schädigung der Blutgefäße ist“, erklärt PD Dr. Farzin Adili, DGG-Experte und Klinikdirektor der Klinik für Gefäßmedizin, Gefäß- und Endovascularchirurgie am Klinikum Darmstadt. „Im Zuge einer Coronavirus-Infektion entzünden sich die Blutgefäßwände, wodurch die Blutgerinnungsneigung deutlich erhöht ist.“ Untersuchungen an Gefäßen der Lunge haben gezeigt, dass bei COVID-19-Erkrankten im Vergleich zu Kontroll- und Influenzapatientinnen und -patienten massive Störungen in der Lunge auftreten: So kommt es bei ersteren beispielsweise besonders häufig zu Thrombosen und Mikroangiopathien. „Diese und weitere Phänomene können schwere Lungenerkrankungen – wie etwa einem Lungeninfarkt – zur Folge haben“, so Adili. Zudem leiden COVID-19-Patientinnen und -Patienten häufiger als andere Erkrankte aus den anderen erwähnten Gruppen auch an Entzündungen der Blutgefäße. „Infolgedessen kann es vermehrt zu schwerwiegenden Komplikationen mit potenziell tödlichem Ausgang wie Thrombosen, Lungenembolien, Schlaganfällen oder Durchblutungsstörungen in den Armen oder Beinen kommen“, sagt der DGG-Experte. Neue Studienerkenntnisse haben gezeigt, dass die Belastung durch venöse Thromboembolien bei COVID-19-Patientinnen und -Patienten mit Krankenhausaufenthalt beträchtlich ist – und bei einer Inzidenz von bis zu 25 Prozent liegt. Auch die Lungenembolie-Inzidenz ist bei diesen hospitalisierten Patientinnen und Patienten mit 20 Prozent sehr hoch. Die überragende Bedeutung der durch eine SARS-CoV-2-Infektion hervorgerufenen krankhaften Veränderungen der Gefäße lässt sich auch anhand der aktuellen Empfehlungen des RKI zur medikamentösen Therapie ablesen: Neben entzündungshemmenden und die Viren bekämpfenden Medikamenten sollten demnach Gerinnungshemmer eingesetzt werden, um die gestörte Blutgerinnung zu beeinflussen. Die DGG schließt sich diesen Empfehlungen an. Patientinnen und Patienten, die bereits an gefäßmedizinischen Erkrankungen leiden, sollten sich laut der DGG unbedingt gegen das Coronavirus impfen lassen. „Diese Personen haben ein stark erhöhtes Risiko für schwere oder gar tödliche Corona-Verläufe“, betont Adili. Das gelte besonders für Patientinnen und Patienten nach gefäßchirurgischen Eingriffen – etwa nach einer Operation eines Aortenaneurysmas, der Wiederherstellung der Durchblutung stark arteriosklerotisch verengter Arterien oder nach der Amputation einer Extremität aufgrund einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit. „Die Sterblichkeit kann bei diesen Personen auf bis zu 40 Prozent erhöht sein“, so Adili abschließend.
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