COVID-19: Mehr Schutz für immungeschwächte Patienten durch langwirksame Antiköper-Gabe26. Februar 2025 Foto: © juliasudnitskaya/stock.adobe.com Eine neue Studie mit immungeschwächten Personen zeigt, dass die passive Immunisierung mit einem lang wirksamen monoklonalen Antikörper diese Risikogruppen bis zu sechs Monate vor einer schweren COVID-19-Erkrankung schützen kann. Immunsupprimierte Patienten haben oft eine nur schwache oder fehlende Immunantwort auf Impfstoffe. Dies betrifft insbesondere Menschen nach Nierentransplantationen, Patienten mit hämatologischen Erkrankungen oder unter anderer immunsuppressiver Therapie. „Für diese Gruppen ist COVID-19 weiterhin eine ernsthafte Bedrohung“, betont Prof. Julia Weinmann-Menke, Direktorin der Klinik für Nephrologie, Rheumatologie und Nierentransplantation (NTX) der Universitätsmedizin Mainz und Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN). „Die passive Immunisierung kann deshalb ein entscheidender Schutzmechanismus sein“, fügt sie hinzu. Bei der passiven Immunisierung werden Konzentrate von Antikörpern gespritzt, sodass schnell hohe Antikörperspiegel im Blut vorhanden sind. Diese Vorgehensweise gewährleistet jedoch keinen langfristigen Immunschutz, da die verabreichten Antikörper innerhalb weniger Wochen oder Monate abgebaut werden. Mittlerweile sind jedoch zwei Antikörperformulierungen für Immungeschwächte zum Schutz vor COVID zugelassen, Tixagevimab/Cilgavimab und Sipavibart. Dank einer neuartigen Technologie sind sie bis zu sechs Monate im Körper wirksam. Tixagevimab/Cilgavimab zeigt jedoch gegen die aktuell zirkulierenden Virus-Varianten eine deutlich reduzierte Wirksamkeit. Der monoklonale Antikörper Sipavibart ist eine neue Option, Risikopatienten vor einer symptomatischen oder schweren COVID-19-Erkrankung zu schützen. Das Medikament wurde soeben von der European Medicines Agency (EMA) zugelassen und ist nun verfügbar. Fast 3500 immungeschwächte Teilnehmenden In der neuen, in „The Lancet Infectious Diseases“ veröffentlichten SUPERNOVA-Studie untersuchten Forschende die Wirksamkeit von Sipavibart gegenüber der Kontrollgruppe (Tixagevimab/Cilgavimab oder Placebo) in einer doppelblinden, randomisierten Phase-III-Studie mit 3335 immunsupprimierten Teilnehmern im Jahr 2023. Sipavibart reduzierte das Risiko, an jedweder SARS-CoV-2-Variante innerhalb von sechs Monaten zu erkranken, um 34,9 Prozent (97,5%-Konfidenzintervall [KI] 15,0–50,1; p<0,001) und um 42,9 Prozent (95%-KI 19,9–59,3; p=0,001) bei nichtresistenten Varianten. In den ersten 90 Tagen lag die Risikoreduktion sogar bei 41,9 Prozent (95%-KI 22,5–56,5) beziehungsweise 60,0 Prozent (95%-KI 36,2–74,9). Zudem erlitten unter der Behandlung mit Sipavibart weniger Menschen eine symptomatische COVID-19-Erkrankung im Vergleich zur Kontrollgruppe (Tixagevimab/Cilgavimab oder Placebo). SUPERNOVA ist laut der DGfN die einzige randomisierte Phase-III-Studie, die Wirksamkeitsdaten für die COVID-19-Präexpositionsprophylaxe ausschließlich bei immungeschwächten Patienten liefert. Während viele der bisher verfügbaren Antikörper aufgrund neuer Virusvarianten ihre Wirksamkeit verloren haben, neutralisiert Sipavibart noch immer ein breites Spektrum von SARS-CoV-2-Varianten – obwohl auch hier seit November 2024 resistente Varianten aufgetreten sind. „Zudem bietet eine einzelne Dosis Schutz für sechs Monate, was insbesondere für immungeschwächte Patienten von Vorteil ist, die nicht regelmäßig Impfungen oder andere prophylaktische Maßnahmen erhalten können“, erklärt DGfN-Sprecherin Weinmann-Menke. Patienten dennoch weiterhin impfen Die passive Immunisierung mit Sipavibart ersetzt jedoch nicht die COVID-19-Impfung. „Wir empfehlen, dass immungeschwächte Patienten weiterhin gemäß den aktuellen Leitlinien gegen COVID-19 geimpft werden sollten“, betont Weinmann-Menke. Während die Impfung eine breitere Immunantwort ermögliche, biete die passive Immunisierung einen zusätzlichen Schutz für diejenigen, bei denen die Impfantwort unzureichend ist. „Eine Kombination beider Maßnahmen kann das Risiko für schwere Verläufe weiter senken.“ Ein Wermutstropfen bleibt nach Ansicht der DGfN jedoch: Sipavibart wirkt nicht bei den zunehmend verbreiteten Omikron-Varianten mit sogenannten F456L-Mutationen. „Dabei handelt es sich um eine sogenannte Immun-Escape-Mutation. Dadurch können sich auch Personen mit COVID anstecken, die sich schon einmal mit SARS-CoV-2 einschließlich der Omikronvariante infiziert hatten („Durchbruchsinfektion“)“, erläutert Nephrologin Weinmann-Menke. „Das unterstreicht, wie wichtig es ist, die Entwicklung neuer monoklonaler Antikörper kontinuierlich voranzutreiben, um mit der Evolution des Virus Schritt zu halten.“
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