COVID-19: Ulmer Forscher untersuchen in neuer Therapiestudie Wirkung von Ruxolitinib15. Mai 2020 PD Dr. Beate Grüner (l.) und Prof. Konstanze Döhner untersuchen am Universitätsklinikum Ulm, ob Ruxolitinib zur Behandlung von Covid-19 eingesetzt werden kann. (Foto: © Universitätsklinikum Ulm) SARS-CoV-2 und COVID-19 sind derzeit am Universitätsklinikum Ulm Gegenstand intensiver Forschung. So nehmen die Experten der Klinik für Innere Medizin III ab sofort an einer klinischen Studie zur Behandlung von Corona-Patienten teil, die an schwereren Symptomen leiden. Die Patienten erhalten das Medikament Ruxolitinib, welches bisher zur Behandlung myeloischer Erkrankungen des Knochenmarks eingesetzt wurde. Untersucht wird, ob das Medikament die bei COVID-19 oft eintretende starke Entzündungsreaktion der Lunge und anderer Organen stoppen kann. An der Studie beteiligen sich voraussichtlich sechs weitere deutsche Kliniken, insgesamt sollen 200 COVID-19-Patienten aufgenommen werden. Obwohl der Krankheitsverlauf bei COVID-19 sehr unterschiedlich und unspezifisch ausfällt, werden rund 15 Prozent der Patienten stationär in einer Klinik behandelt und benötigen eine Sauerstofftherapie. Bis zu fünf Prozent der Betroffenen müssen auf einer Intensivstation betreut werden. Ursächlich für die bei vielen Patienten auftretende Verschlechterung der Lungenfunktion ist unter anderem eine starke Entzündungsreaktion in der Lunge, die durch das Virus ausgelöst wird und schwere Atemnot verursachen kann. Das Medikament Ruxolitinib hemmt die Januskinasen, die bei Entzündungsreaktionen verschiedenster Erkrankungen eine wichtige Rolle spielen. Ob das Präparat auch zur Behandlung von COVID-19 eingesetzt werden kann, soll nun erforscht werden. Teilnehmen können COVID-19-Patienten, die stationär am Universitätsklinikum Ulm oder anderen beteiligten Kliniken behandelt werden. „Die überschießende Entzündungsreaktion, die bei der Corona-Erkrankung vor allem in der Lunge aber auch in anderen Organen stattfindet, ist der Hintergrund für den Einsatz von Ruxolitinib“, erläutert Oberärztin Prof. Konstanze Döhner, die die Studie am Universitätsklinikum Ulm leitet. „Das Medikament kann freigesetzte Botenstoffe der Entzündungsreaktion wirkungsvoll unterdrücken. Unser Ziel ist es, mit einer frühzeitigen Gabe von Ruxolitinib die Entzündungsreaktion zu stoppen, um dadurch bei unseren Patientinnen und Patienten eine künstliche Beatmung auf der Intensivstation zu verhindern.“ Da schwer Erkrankte in erster Linie unter heftigen und zum Teil lebensbedrohlichen Atemwegs-Komplikationen leiden, stellt die Hemmung dieser Entzündungsreaktion einen wichtigen Bestandteil der Therapie von COVID-19 dar. Ruxolitinib ist für die Behandlung der Myelofibrose und der Polyzythämia vera – beides myeloische Erkrankungen des Knochenmarks – zugelassen und wird dafür am Universitätsklinikum Ulm seit mehreren Jahren eingesetzt. „Von Vorteil ist, dass wir das Medikament bereits kennen und damit Entzündungsreaktionen, die durch andere Erkrankungen ausgelöst werden, erfolgreich behandeln. Die Substanz ist außerdem bei uns für die Behandlung der sogenannten Graft-versus-Host-Erkrankung, also Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion, nach Knochenmark-Transplantationen in der klinischen Entwicklung“, erklärt PD Dr. Beate Grüner, Leiterin der Sektion Klinische Infektiologie an der Klinik für Innere Medizin III. Neben dem Universitätsklinikum Ulm beteiligen sich an der Studie voraussichtlich sechs weitere deutsche Kliniken, die Federführung hat die Klinik für Innere Medizin II des Universitätsklinikums Jena inne.
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