COVID-19: Ursache für raschen Impfschutz-Verlust bei Autoimmunerkrankungen entschlüsselt12. September 2023 Foto: © Benedikt/stock.adobe.com Menschen, die wegen ihrer Autoimmunerkrankung wie Morbus Crohn oder Rheumatoide Arthritis mit TNF-α-Inhibitoren behandelt werden, verlieren ihren COVID-19-Impfschutz signifikant früher als der Durchschnitt. Der Mechanismus, der dem frühzeitigen Abfall des Antikörperspiegels zugrunde liegt, wurde nun von einem wissenschaftlichen Team der Medizinischen Universität (MedUni) Wien (Österreich) entschlüsselt. Angesichts der Ergebnisse betont Studienleiterin Univ.-Prof. Ursula Wiedermann-Schmidt die Bedeutung regelmäßiger Auffrischungen bei Betroffenen. Die Forschungsarbeit wurde aktuell im Fachmagazin „eBioMedicine“ veröffentlicht. Die Studie wurde vom Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie in Kooperation mit der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der Universitätsklinik für Innere Medizin III durchgeführt. Dabei wurden Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa und gesunden Kontrollpersonen eine SARS-CoV-2-mRNA-Impfung sowie eine Auffrischung nach sechs Monaten verabreicht. Wie die anschließenden Analysen zeigten, wiesen Personen unter TNF-α-Blocker-Therapie signifikant niedrigere Antikörperspiegel auf als gesunde Probanden und CED-Patienten, die eine andere Form der Behandlung erhielten (α4β7-Integrin-Antagonisten). Der in der Studie festgestellte deutlich raschere Verlust des Impfschutzes ist laut dem Forschungsteam darauf zurückzuführen, dass die starke Entzündungslage bei diesen Patienten – trotz des Einsatzes von TNF-a Inhibitoren – die Produktion von B-Gedächtniszellen in den Lymphknoten hemmt. Das sind jene Zellen des Immunsystems, die für die Produktion von langlebigen Plasmazellen sowie Antikörpern und damit für den Langzeitimpfschutz gegen bereits bekannte Krankheitserreger verantwortlich sind – eine wesentliche Voraussetzung für Qualität und Dauer der Schutzwirkung von Impfungen. Nach Diagnose Impfstatus erheben „In unserer Studie konnten wir den genauen Mechanismus entschlüsseln, warum unter TNF-α-Blocker-Therapie nur kurzlebige Plasmazellen ausgebildet werden, sodass der Antikörperschutz nur kurzfristig anhält“, sagt Letztautorin Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Zentrums für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie sowie der Spezialambulanz für Impfungen, Reise- und Tropenmedizin der MedUni Wien. Die Studienergebnisse treffen nicht nur auf SARS-CoV-2-, sondern prinzipiell auf alle Schutzimpfungen zu. „Daraus ergibt sich für diese Gruppe von Patient:innen die Notwendigkeit, den Kurzzeitschutz durch wiederholte Auffrischungsimpfungen aufrechtzuerhalten“, sagt Wiedermann-Schmidt. Besonderes Augenmerk müsse auf Impfungen gelegt werden, die erstmalig unter TNF-α-Blocker-Therapie verabreicht werden – hier könne der frühzeitige Verlust des Impfschutzes am deutlichsten ausfallen. Impfungen, die vor Beginn der TNF-α-Blocker-Therapie erstmalig gegeben wurden, würden sehr wahrscheinlich ihre Schutzwirkung behalten. Prinzipiell gilt bei Diagnosestellung einer Autoimmunerkrankung (und anderen Erkrankungen unter immunsuppressiver Therapie), den gesamten Impfstatus ehebaldig zu erheben und fehlende Impfungen vor Beginn einer TNF-α-Blocker-Therapie (wie auch anderer immunsuppressiver Therapien) zu ergänzen.
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