COVID-19: Von Virus anvisiertes Enzym hat auch Einfluss auf Darminflammation10. November 2020 Neuartiges Coronavirus unter dem Mikroskop. (Foto: © National Institutes of Health) Ein Enzym, das SARS-CoV-2 dabei hilft, den menschlichen Körper zu infizieren, spielt laut einer neuen Studie auch eine Rolle bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Die Ergebnisse lassen laut den Forschern vermuten, dass entzündungshemmende Medikamente, die bei CED-Patienten eingesetzt werden, die Genesung bei COVID-19 unterstützen können. Die multizentrische Studie konzentrierte sich auf das Angiotensin-Converting-Enzym 2 (ACE2). Bei COVID-19-Infektionen bindet das SARS-CoV-2-Virus an ACE2 und nutzt es als Eingangspforte. Um mehr darüber zu erfahren, wie ACE2 den Körper beeinflusst, untersuchten die Forscher seine Rolle bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. „Wir haben uns für diese Erkrankungen entschieden, weil COVID-19 zwar bekanntermaßen die Lunge angreift, aber auch häufig gastrointestinale Symptome verursacht“, erklärt Dr. Dermot P. McGovern vom Cedars-Sinai Medical Center (USA), Seniorautor der Studie. „Für uns war es wichtig zu verstehen, wie COVID-19 CED-Patienten beeinflussen kann, die mit entzündungshemmenden Medikamenten behandelt werden. Es gibt auch zunehmend Hinweise darauf, dass der Gastrointestinaltrakt als alternativer Weg für die Aufnahme von SARS-COV-2 in dienen kann.“ Bei der Auswertung der Aufzeichnungen zu fast 1000 Patienten stellte das Team fest, dass die ACE2-Spiegel im Dünndarm bei Crohn-Patienten niedriger und bei Patienten mit Colitis ulcerosa höher war als bei Patienten ohne CED. Die so veränderten ACE2-Spiegel waren bei CED-Patienten mit schlechteren Outcomes und schwereren Erkrankungen verbunden. „Wir haben gesehen, dass die Wirkung von ACE2 sowohl von seiner spezifischen Position im Magen-Darm-Trakt als auch von der spezifischen Krankheit abhängt“, berichtet McGovern, Professor für Medizin und Biomedizin. Man könne das Enzym daher als zweischneidiges Schwert betrachten. Bei beiden Formen der CED normalisierte die Behandlung mit Infliximab die ACE2-Spiegel und war mit besseren Krankheitsergebnissen bei den Patienten verbunden. Dieser Befund legt nahe, dass diese Medikamente, die üblicherweise bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden, auch die Ergebnisse bei COVID-19 verbessern könnten. Die Forscher sagen: „Insgesamt unterstützt unsere Studie die potenzielle paradoxe Funktion von ACE2 bei Entzündungen und COVID-19. Personen mit einer höheren ACE2-Expression haben möglicherweise ein erhöhtes Infektionsrisiko in Bezug auf SARS-CoV-2. Nach unseren Erkenntnissen zur Wirkungsweise von ACE2 bei CED hat dieses Enzym jedoch wahrscheinlich entzündungshemmende und fibrotische Funktionen, die auch bestimmten COVID-19-Patienten helfen könnten, sich von dem Virus zu erholen.“ Es müsse weiter geforscht werden, um die Prozesse mit ACE2 und deren Bedeutung für die Behandlung von COVID-19-Patienten zu beschreiben, erklären die Autoren.
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