AKI nach Herz-OP: Hinweise auf erhöhtes Risiko durch hyperonkotisches Albumin10. Juni 2026 Foto: © aliaksandr-marko/stock.adobe.com Eine neue Studie aus Japan untersuchte, ob die intra- oder postoperative Verabreichung von 20- bis 25-prozentigem Albumin das Risiko einer akuten Nierenfunktionseinschränkung nach einer Herzoperation im Vergleich zu Kristalloiden oder isoonkotischem (4–5 %) Albumin beeinflusst. Akute Nierenschädigungen (AKI) nach herzchirurgischen Eingriffen sind häufig und gehen mit erhöhter Morbidität und Mortalität einher. Während Albuminlösungen lange als potenziell nierenschützend galten, liefern neuere Studien widersprüchliche Ergebnisse: Insbesondere hyperonkotisches Albumin (20–25 %) wird einerseits mit einer besseren Volumensteuerung und weniger Ödemen, andererseits mit möglichen nephrotoxischen Effekten in Verbindung gebracht. Vor diesem Hintergrund untersuchten Forscher des Japan Institute for Global Health and Medicine in Tokyo (Japan) anhand einer systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse den Einfluss einer hyperonkotischen Albumintherapie auf das Risiko einer Herzchirurgie-assoziierten AKI (CS-AKI). Ihre Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Annals of Cardiac Anaesthesia“ veröffentlicht. Hyperonkotisches Albumin erhöht AKI-Risiko Das Team um Erstautor Toru Abo poolte Risikoverhältnisse (RRs) mittels Modellen mit zufälligen Effekten. Die Literatursuche in PubMed, Embase (Ovid) und Cochrane CENTRAL führten sie für den Zeitraum 1. Januar 1995 bis 17. Juli 2025 durch. Geeignete Studien schlossen Erwachsene ein, die sich einer Herzoperation unter Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine unterzogen. Die Forschenden identifizierten vier Studien, die sie in die Metaanalyse einschlossen – zwei randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) und zwei Kohortenstudien, die insgesamt 6651 Patienten umfassten. In den inkludierten Studien wurde das hyperonkotische Humanalbumin (20–25 %) entweder intraoperativ oder innerhalb von 24 Stunden postoperativ verabreicht. Als Vergleichssubstanzen dienten Kristalloide oder 4- bis 5-prozentiges Albumin. Der primäre Endpunkt war die Inzidenz eines AKI jeglichen Schweregrades innerhalb von sieben Tagen nach dem herzchirurgischen Eingriff. Eine gepoolte Analyse ergab, dass 20- bis 25-prozentiges Albumin das Risiko für ein CS-AKI erhöhte (RR 1,10). Die Beschränkung auf RCTs ergab ein ähnliches Ergebnis (RR 1,12). Das erhöhte Risiko war sowohl bei intraoperativer (RR 1,09) als auch bei postoperativer (RR 1,12) Verabreichung konsistent. Die Interaktion hinsichtlich des Infusionszeitpunkts war nicht signifikant. Vorsicht bei der Gabe von hyperonkotischem Albumin Die Infusion von 20- bis 25-prozentigem Albumin ist mit einem moderaten, aber konsistenten Anstieg des postoperativen AKI assoziiert – unabhängig vom Zeitpunkt der Infusion, ob intraoperativ oder postoperativ innerhalb von 24 Stunden, resümieren die Forscher. „Bis weitere Studien die verbleibende Ungenauigkeit beseitigt haben, sollte die routinemäßige perioperative Gabe von hyperonkotischem Albumin mit Vorsicht erfolgen“, betonen sie abschließend. (ri/BIERMANN)
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