DAK-Studie: Wenn das Elternhaus krank macht30. August 2018 Kinder suchtkranker Eltern sind laut DAK-Report besonders gefährdet. Sie müssen häufiger ins Krankenhaus oder zum Arzt und bekommen mehr Arzneimittel verschrieben als unbelastete Kinder. (Foto: © Africa Studio – Fotolia.com) Atemwegserkrankungen, Karies, Übergewicht, Sprachstörungen: In Familien mit niedrigem Bildungsstatus sind Jungen und Mädchen bis zu dreimal häufiger von bestimmten Erkrankungen betroffen als Kinder akademisch gebildeter Eltern. Das zeigt der neue Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit, für den die Krankenkasse Versichertendaten von fast 600.000 Kindern und 430.000 Eltern ausgewertet hat. Im Auftrag der DAK-Gesundheit untersuchte die Universität Bielefeld umfassend die Gesundheitssituation der Kinder und Jugendlichen. Die repräsentative Studie mit Abrechnungsdaten aus dem Jahr 2016 liefert erstmals systematische Analysen zum Zusammenhang von Eltern- und Kindergesundheit. Bildungsabschluss der Eltern beeinflusst Gesundheit der Kinder Die häufigsten Erkrankungen im Kindesalter sind Atemwegserkrankungen. Mehr als die Hälfte (57%) aller Jungen und Mädchen hatte beispielsweise eine Erkältung oder Bronchitis. Es folgen Infektionskrankheiten (37%), Augenerkrankungen (30%), psychische Leiden (26%) und Hauterkrankungen (25%). Die DAK-Studie zeigt klare Zusammenhänge zwischen dem Bildungsstatus der Eltern und dem Gesundheitszustand ihrer Kinder. „Wenn das Elternhaus krank macht, hängt die Diagnose der Kinder oft mit dem Lebensstil von Mutter oder Vater zusammen“, sagte Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. „Die gesundheitliche Ungleichheit zwischen den Familien ist größer als gedacht. Es gibt nachweislich erhöhte Risiken für benachteiligte Kinder.“ Die Unterschiede werden zum Beispiel bei Adipositas deutlich: Kinder von Eltern ohne Ausbildungsabschluss sind im Alter zwischen fünf und neun Jahren bis zu 2,5-mal häufiger von Fettleibigkeit betroffen als Kinder von Akademikereltern. Laut DAK-Report haben von 1000 Kindern bildungsarmer Eltern 52 ein krankhaftes Übergewicht – bei Akademikerkindern sind es nur 15 Jungen und Mädchen von 1000. Bei Zahnkaries gibt es in bildungsarmen Familien 2,8-mal so viele Fälle wie beim Nachwuchs von Akademikern. Bei Entwicklungsstörungen wie Sprach- und Sprechproblemen sind Kinder von Eltern ohne Ausbildungsabschluss 45 Prozent häufiger betroffen. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Verhaltensstörungen wie der Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) mit einem Unterschied von 44 Prozent. Die DAK-Studie zeigt ferner den Einfluss des sozioökonomischen Familienhintergrundes auf die Art der Gesundheitsversorgung. Kinder bildungsarmer Eltern haben bis zu 68 Prozent mehr Krankenhausaufenthalte und bekommen bis zu 43 Prozent mehr Arzneimittel verschrieben als Kinder von Eltern mit hohem Bildungsabschluss. Im direkten Vergleich haben die Bildungseinflüsse der Familie deutlich größere Auswirkungen auf die Kindergesundheit als zum Beispiel Einkommensunterschiede. Suchterkrankung der Eltern als hohes Gesundheitsrisiko Darüber hinaus gibt es Zusammenhänge mit bereits in der Familie vorliegenden Gesundheitsproblemen. Kinder suchtkranker Eltern sind nach der Untersuchung besonders gefährdet. Sie müssen häufiger ins Krankenhaus oder zum Arzt und bekommen mehr Arzneimittel verschrieben als unbelastete Kinder. Laut DAK-Report ist der Anteil von psychischen Erkrankungen bei Kindern aus Suchtelternhäusern stark erhöht. Bei ihnen sind Depressionen um 80 Prozent häufiger als bei unbelasteten Kindern, ADHS um 70 Prozent und Schulangst um 50 Prozent. Acht Prozent aller DAK-versicherten Kinder hatten 2016 mindestens einen Elternteil mit einer ärztlich behandelten Suchterkrankung. „Mit dem Kinder- und Jugendreport liegen erstmals belastbare Analysen zur Wahrscheinlichkeit von Erkrankungen im Kindesalter vor, wenn parallel auch die Eltern erkrankt sind“, erklärte Prof. Wolfgang Greiner von der Universität Bielefeld als Studienleiter. Die Untersuchung im Auftrag der DAK-Gesundheit sei die erste kontinuierliche Analyse von Abrechnungsdaten einer gesetzlichen Krankenkasse, die Erkrankungsschwerpunkte und die Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen von 600.000 Kinder- und Jugendlichen im Alter bis 17 Jahren und ihrer Eltern untersuche. Ergänzt wird der Report durch Ergebnisse aus der zweiten Welle der vom Robert Koch-Institut durchgeführten KiGGS-Studie und den Ergebnissen einer repräsentativen Schülerbefragung im Rahmen des DAK-Präventionsradars durch das Kieler Institut für Gesundheits- und Therapieforschung (IFT-Nord). 50 Prozent der Ausgaben für drei Prozent der Kinder Im Jahr 2016 gab die DAK-Gesundheit rund 527 Millionen Euro für die Behandlung der bei ihr versicherten Kinder aus. Davon entfielen 34 Prozent auf Kliniken, 28 Prozent auf niedergelassene Ärzte, 21 Prozent auf Arzneimittel und 15 Prozent auf Heil- und Hilfsmittel. Reha-Leistungen machten mit zwei Prozent den kleinsten Teil der Ausgaben aus. Umgerechnet auf alle versicherten Jungen und Mädchen zahlt die Kasse am meisten für Säuglinge. Sie benötigen im Durchschnitt pro Kopf und Jahr rund 1600 Euro. Laut Studie sind 90 Prozent aller Kinder wenigstens einmal im Jahr beim Arzt oder im Krankenhaus. Jedes vierte Kind ist körperlich und jedes zehnte psychisch chronisch krank. Die Hälfte der Kosten entfiel auf nur drei Prozent der versicherten Kinder. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte begrüßte den Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit und bestätigte einen großen Teil der Ergebnisse. „Wir erleben die unselige Allianz zwischen Bildungsarmut und Krankheitslast täglich in unseren Praxen“, sagte Präsident Dr. Thomas Fischbach. „Die Studie der DAK-Gesundheit ist in der aktuellen politischen Diskussion sehr wichtig und hilfreich. Wir brauchen einen ganzheitlichen Ansatz, damit die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen geschützt wird. Deshalb unterstützen wir die Forderung nach einer Bildungsoffensive, um das Thema Gesundheit gezielt in die Kitas und Schulen zu transportieren.“ Auf Grundlage des Reportes wollen die DAK-Gesundheit und der Verband die bestehende Versorgung von Kindern und Jugendlichen weiter optimieren. Weiterführende Informationen: Kinder- und Jugendreport der DAK Gesundheit
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