DAKJ: Benachteiligung von Kindern in der medizinisch- pflegerischen Versorgung beenden

Der DAKJ zufolge reichen die vorhandenen Kapazitäten der ambulanten Kinder- und Jugend­me­dizin kaum mehr aus, um alle Kinder und Jugendlichen bestmöglich medizinisch zu versorgen. (Foto: [email protected] – stock.adobe.com)

Um die medizinische und pflegerische Betreuung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland durch die Beendigung strukturell bedingter Benachteiligungen zu verbessern und sicherzustellen, hat die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) eine Petition gestartet. Am 26. Oktober fand die Anhörung dazu statt.

Nach Ansicht der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) sind die Maßnahmen zur Eindämmung der SARS-CoV-2-Pandemie ein klarer Beleg für die seit Jahren bestehende systematische Benachteiligung von Kindern- und Jugendlichen in unserer Gesellschaft. „Es darf nicht sein, dass Kinder bei Maßnahmen zum Gesundheitsschutz lediglich als Gefahr adressiert werden und nicht als zu schützende Gruppe“, kritisiert Prof. Hans-Iko Huppertz, Generalsekretär der DAKJ. So erfolgte die Schließung von Schulen und Kitas ohne Kenntnis des Beitrages von Kindern zur Epidemiologie. Und auch die Ungleichheit des Zugangs zu Gesundheitseinrichtungen hat sich in der Pandemie dramatisch verschärft. So wurden betreuende Einrichtungen zur Versorgung von Kindern mit besonderen Bedarfen und Behinderungen ersatzlos geschlossen.

Der Personalmangel im öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) ist seit Jahren bekannt. Und auch hier habe die aktuelle Pandemie die Defizite einer jahrelangen Fehlentwicklung schonungslos offengelegt, erklärte die Akademie. Dabei eröffne gerade der ÖGD die Möglichkeit, wesentliche Gesundheitsaspekte in das tägliche Leben des Kindes und der Familie zu integrieren und zusätzliche präventive Leistungen anzubieten.

“Auch Kinderkliniken sind seit Jahren chronisch unterfinanziert, weil das System der Fallpauschalen nur unzureichend die altersspezifischen Zusatzkosten und notfallorientierten Vorhaltekosten berücksichtigt. Infolgedessen musste seit dem Jahr 1991 jede fünfte Kinderabteilung geschlossen und vier von zehn Betten in der stationären Pädiatrie abgebaut werden”, erklärte die DAKJ in einer Stellungnahme zur Petition.

Besonders dramatisch sei der Personalmangel in der Pflege. Viele Kliniken für Kinder- und Jugendmedizin sind teilweise nicht mehr in der Lage, neue Patienten zur notwendigen stationären Behandlung aufzunehmen, weil sie die Pflege nicht gewährleisten können. Es sei daher dringend erforderlich, die Ausbildungskapazitäten zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflege zu erhöhen, erklärte die DAKJ.

Aktuell müssten Eltern von kranken Kindern auch im Notfall bereits in zahlreichen Regionen Fahrtzeiten von deutlich mehr als (die für Erwachsene geltenden) 40 PKW-Minuten bis zur nächsten Kinderabteilung in Kauf nehmen. Auch der Zugang zur ambulanten pädiatrischen Versorgung sei für Kinder und Jugendliche nicht regelhaft gewährleistet, kritisiert die Akademie. Selbst in Ballungszentren sei es mittlerweile schwierig, für ein neugeborenes Kind einen niedergelassenen Kinder- und Jugendarzt zu finden, der die hausärztliche Versorgung einschließlich Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen übernimmt.

Diese und andere Missstände in der pädiatrischen Versorgung seien seit Jahren bekannt. Die DAKJ fordert als Dachgesellschaft aller kinder- und jugendmedizinischen Gesellschaften und Verbände in Deutschland daher dringend überfällige Investitionen in die Ausbildung zur Kinderkrankenpflege und in die Aus- und Weiterbildung zu Kinder- und Jugendärztin/arzt bzw. Kinder- und Jugendpsychiater/in wie auch in die stationäre Versorgung von Kindern und Jugendlichen.