Darmkrebs mit Lebermetastasen: Wer hat den wahrscheinlichsten Nutzen von einer adjuvanten Chemotherapie?7. Juli 2026 Abbildung/KI-generiert: Leo Rohmann/stock.adobe.com Ein Bluttest könnte in Zukunft dabei helfen, Patienten mit in die Leber metastasiertem Darmkrebs zu identifizieren, die nach einer Operation mit der höchsten Wahrscheinlichkeit von einer Chemotherapie profitieren. Das zeigen entsprechende Forschungsergebnisse. Daten dazu wurden Anfang Juli auf dem ESMO Gastrointestinal Cancers Congress 2026 in München vorgestellt, der spezialisierten Tagung der European Society for Medical Oncology. Die neuen Erkenntnisse stammen aus der Phase-II-Studie GALAXY: Federführend waren Forschende von Hyogo Medical University (Japan) gemeinsam mit Kooperationspartnern, zu denen auch die University of Oxford (Großbritannien) zählte. Adjuvante Chemotherapie bei ctDNA-Nachweis Die Untersuchung ergab, dass Patienten, die sich einer primären Operation unterzogen hatten und bei denen nach dem Eingriff zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) nachweisbar war, unter einer adjuvanten Chemotherapie deutlich bessere Ergebnisse erzielten als Patienten ohne die Identifizierung von ctDNA. Vier Jahre nach der Operation lag das Gesamtüberleben bei 65 Prozent gegenüber 33 Prozent, während das krankheitsfreie Überleben 38 Prozent im Vergleich zu sieben Prozent betrug. Die Ergebnisse deuten nach Auffassung der Wissenschaftler darauf hin, dass die Beurteilung von ctDNA dabei helfen könnte, jene Patienten zu identifizieren, die am ehesten von einer adjuvanten Chemotherapie profitieren würden.Prof. Per Pfeiffer, Onkologe am Universitätsklinikum Odense (Dänemark), der nicht an der Studie beteiligt war, kommentierte: „Nur etwa einer von zehn Patienten wird durch eine adjuvante Therapie geheilt, doch fast alle Patienten leiden unter behandlungsbedingten Nebenwirkungen. Wir hoffen, dass ctDNA dabei helfen kann, besser zu erkennen, welche Patienten am ehesten von einer adjuvanten Chemotherapie profitieren.“ Ergebnisse der Phase-II-Studie GALAXY Die Studie umfasste 298 Patienten, die sich einer Operation wegen kolorektaler Lebermetastasen unterzogen hatten und bei denen zwischen zwei und zehn Wochen nach dem Eingriff mittels eines personalisierten, tumorspezifischen Bluttests der ctDNA-Spiegel bestimmt wurde. Davon wurden 191 Patienten direkt operiert, während 107 vor der Operation eine neoadjuvante Chemotherapie erhielten. Die Gruppen wurden getrennt analysiert, da eine vorangegangene Behandlung die ctDNA-Ergebnisse sowie den späteren Nutzen einer zusätzlichen Chemotherapie beeinflussen kann. Bei Patienten, die direkt operiert wurden, war nachweisbare ctDNA stark mit einem schlechteren Krankheitsverlauf assoziiert. Patienten mit einem positiven ctDNA-Testergebnis hatten ein mehr als viermal so hohes Risiko für ein Wiederauftreten des Krebses und ein mehr als neunmal so hohes Sterberisiko im Vergleich zu Patienten mit negativem ctDNA-Befund. Geringere Wahrscheinlichkeit für Rezidive oder Tod Die Forschenden heben Folgendes als besonders wichtig hervor: Bei Patienten mit nachweisbarer ctDNA, die sofort operiert wurden, erzielten diejenigen mit adjuvanter Chemotherapie deutlich bessere Ergebnisse als Patienten, bei denen auf eine solche Therapie verzichtet wurde. Die Behandlung war mit einem erheblich geringeren Risiko für ein Krebsrezidiv und für Tod verbunden. Die Risikoreduktion in Bezug auf Rezidive beziffern die Studienautoren auf 93 Prozent. Im Gegensatz dazu hätten Patienten ohne nachweisbare ctDNA von günstigen Langzeitergebnissen profitiert, berichten die Studienautoren. Dies sei unabhängig davon gewesen, ob sie eine adjuvante Chemotherapie erhalten hatten oder nicht. Dieser Umstand deute darauf hin, dass die Beurteilung der ctDNA dabei helfen könne, jene Patienten zu identifizieren, die am ehesten von einer zusätzlichen Behandlung nach der Operation profitieren. Auch bei Patienten, die bereits vor der Operation eine Chemotherapie erhalten hatten, erwies sich die ctDNA als starker Prädiktor für das Rezidivrisiko und das Überleben. Eine zusätzliche Chemotherapie nach der Operation war jedoch – unabhängig vom ctDNA-Status – nicht mit besseren Ergebnissen verbunden.Pfeiffer bremst jedoch die Euphorie: Die Evidenzlage reiche noch nicht aus, um die ctDNA außerhalb klinischer Studien routinemäßig einzusetzen. „ es sind weitere – vorzugsweise randomisierte – Studien erforderlich, bevor dieses Verfahren zur Standardpraxis werden kann“, erklärt der Onkologe. (ac)
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