Darmkrebs: Neue Strategie könnte Immuntherapie wirksamer machen

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Das Ausschalten eines Signalwegs bei Darmkrebs verbesserte im präklinischen Modell die Wirkung einer Immuntherapie.

Immuntherapien haben die Behandlung vieler Krebserkrankungen entscheidend verbessert. Bei metastasiertem Darmkrebs wirken sie jedoch nur bei einem kleinen Teil der Patienten. Ein Forschungsteam unter Leitung der Medizinischen Universität (MedUni) Wien (Österreich) hat nun einen Mechanismus identifiziert, der zu dieser Therapieresistenz beitragen kann. Die im Journal „Cell Death & Differentiation“ veröffentlichten Ergebnisse zeigen: Wird ein bestimmtes Signal in Immunzellen des Tumors ausgeschaltet, kann die körpereigene Abwehr wieder stärker gegen die Krebszellen vorgehen. Gleichzeitig verbessert sich im präklinischen Modell die Wirkung einer Immuntherapie deutlich.

Wegfall der Immunbremse

Im Zentrum der Studie steht der epidermale Wachstumsfaktorrezeptor EGFR. Das Team um Studienleiterin Univ.-Prof. Maria Sibilia vom Zentrum für Krebsforschung der MedUni Wien und dem Comprehensive Cancer Center von MedUni Wien und AKH Wien zeigte, dass EGFR auch in bestimmten Immunzellen eine entscheidende Rolle spielt. Dort trägt der Rezeptor dazu bei, die Immunabwehr gegen den Tumor zu unterdrücken.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass nicht nur die Krebszellen selbst über den Erfolg einer Therapie entscheiden. Auch bestimmte Immunzellen in ihrer Umgebung können die Abwehr gegen den Tumor entscheidend bremsen. Wenn wir das EGFR-Signal in diesen Zellen ausschalten, fällt ein Teil dieser Immunbremse weg – und eine Immuntherapie kann deutlich besser wirken“, erklärt Sibilia.

Besonders relevant ist dieser Befund laut den Forschenden für jene große Gruppe von Patienten mit metastasiertem Darmkrebs, bei denen Immuncheckpoint-Inhibitoren bisher kaum wirksam sind. Im untersuchten Modell konnte das Ausschalten des EGFR-Signalwegs in bestimmten myeloischen Immunzellen die Immunantwort gegen Lebermetastasen verstärken. In Kombination mit einer gegen PD-L1 gerichteten Immuntherapie wurde die Entstehung von Lebermetastasen verhindert.

Neuer Ansatz für Kombinationstherapien

Die Ergebnisse liefern damit einen neuen Ansatzpunkt für mögliche Kombinationstherapien. Künftig könnte untersucht werden, ob eine gezielte Beeinflussung von EGFR in diesen Immunzellen dazu beitragen kann, bisher therapieresistente Darmkrebsmetastasen für Immuntherapien empfänglicher zu machen. Bevor daraus eine neue Behandlungsstrategie entstehen kann, sind jedoch weitere Untersuchungen und klinische Studien erforderlich.

Die Studie entstand unter Leitung des Zentrums für Krebsforschung der MedUni Wien und des Comprehensive Cancer Center von MedUni Wien und AKH Wien in Zusammenarbeit mit dem Institute for Research in Biomedicine (IRB) in Barcelona (Spanien).