Darmkrebs-Screening: Kolorektale Karzinome werden früher entdeckt30. Dezember 2022 © meeboonstudio – stock.adobe.com (Symbolbild) Die Effekte der in Europa eingeführten Darmkrebs-Früherkennungsprogramme auf die Mortalität werden erst in einigen Jahren bekannt sein. Eine aktuelle Studie untersuchte nun die Charakteristika der europäischen Screeningprogramme, deren Anteil an entdeckten Fällen kolorektaler Karzinome (KRK) sowie die Verteilung der Tumorstadien, die mit oder ohne Screening entdeckt wurden. Die bevölkerungsbasierte Studie wurde in 9 europäischen Ländern (Belgien, Dänemark, England, Frankreich, Italien, Irland, Niederlande, Slowenien und Spanien) durchgeführt. Daten wurden aus 16 Krebsregistern zu Geschlecht, Alter bei der Diagnose, Datum der Diagnose, Topografie und Morphologie des Tumors sowie klinischer und pathologischer TNM(Tumor/Nodus/Metastase)-Klassifikationen erhoben. In die Analyse wurden insgesamt 228.667 KRK-Fälle einbezogen. Der Anteil der im Screening entdeckten Krebsfälle war sehr unterschiedlich. Die höchsten Anteile (40–60%) wurden in Slowenien und im spanischen Baskenland festgestellt, wo FIT-Programme flächendeckend eingeführt wurden und die Teilnahmequote bei >50% lag. Ein ähnlicher Anteil der im Screening entdeckten Krebsfälle wurde 2015 auch für die Niederlande ermittelt, wo die Beteiligung bei >70% lag. In den anderen Ländern lag der Anteil der entdeckten KRK-Fälle bei <30%. Im Vergleich zu einem nicht durch ein Screening entdeckten Darmkrebs wurden die durch ein Früherkennungsprogramm entdeckten Fälle viel häufiger im distalen Kolon (34,5–51,1% mit Screening vs. 26,4–35,7% ohne Screening) und seltener im proximalen Dickdarm (19,5–29,9 vs. 24,9–32,8%) nachgewiesen (p≤0,02 für jedes Land). Zudem wurden mittels Früherkennung mehr Fälle im Stadium I (35,7–52,7 vs. 13,2–24,9%) und seltener im Stadium IV (5,8–12,5 vs. 22,5–31,9%) identifiziert (mit p<0,0001 für jedes Land). Fazit Auch wenn noch starke Variationen zwischen den Ländern zu beobachten sind, so weisen die im Screening entdeckten Krebsfälle eine günstigere Stadienverteilung auf. Die Autoren halten aber fest, dass noch viel Bedarf für eine verbesserte Krebsfrüherkennung in allen Segmenten des Dickdarms besteht, insbesondere im proximalen Kolon und Rektum. (je) Autoren: Cardoso R et al. Korrespondenz: Hermann Brenner; [email protected] Studie: Proportion and stage distribution of screen-detected and non-screen-detected colorectal cancer in nine European countries: an international, population-based study Quelle: Lancet Gastroenterol Hepatol 2022;7(8):711–723. Web: https://doi.org/10.1016/S2468-1253(22)00084-X
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