Darmkrebsscreening: Intervallverlängerung nach negativem Befund?24. Oktober 2024 © Romario Ien – stock.adobe.com (Symbolbild) Bei Personen ohne Kolorektalkarzinome (KRK) in der Familienanamnese wird eine Koloskopie derzeit alle 10 Jahre empfohlen. Sollten sie einen im Hinblick auf KRK negativen Befund aufweisen, könnte dieser Zeitraum einer neuen Studie zufolge auf 15 Jahre verlängert werden. Als negativer Befund galt keine Diagnose von kolorektalen Polypen, Adenom, Carcinoma in situ oder KRK vor oder bis zu 6 Monate nach dem Screening. Für ihre Kohortenstudie nutzen die Wissenschaftler um Erstautorin Qunfeng Liang vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg landesweite schwedische Registerdaten, um KRK-Diagnosen und KRK-spezifische Mortalität bei Personen ohne KRK in der Familienanamnese zu untersuchen. Die exponierte Gruppe umfasste Personen, die zwischen 1990 und 2016 im Alter von 45–69 Jahren eine 1. Koloskopie mit negativem Befund für KRK hatten. In die Kontrollgruppe wurden Menschen einbezogen, die nach Geschlecht, Geburtsjahr und Ausgangsalter (d. h. dem Alter der zugeordneten exponierten Person, als die 1. Koloskopie der exponierten Person mit negativem Befund für KRK durchgeführt wurde) abgeglichen wurden. Dabei hatten die Kontrollpersonen während der Nachuntersuchung entweder keine Koloskopie oder unterzogen sich einer Koloskopie, die zu einer KRK-Diagnose führte. Bis zu 18 Kontrollen seien jeder exponierten Person zugeordnet worden, so das Team. Die Stichprobe umfasste insgesamt 110.074 Personen (65.147 Frauen [59,2%]) in der exponierten Gruppe und 1.981.332 (1.172.646 Frauen [59,2%]) in der Kontrollgruppe (medianes Alter für beide Gruppen 59 Jahre [IQR 52–64]). Während der bis zu 29-jährigen Nachbeobachtung (1990–2018) von Personen mit einer 1. Koloskopie mit negativem Befund wurden 484 neu auftretende KRK und 112 KRK-spezifische Todesfälle verzeichnet. Nach einer 1. Koloskopie mit negativem KRK-Befund waren die Risiken für KRK und KRK-spezifischen Tod in der exponierten Gruppe 15 Jahre lang signifikant niedriger als in den entsprechenden Kontrollgruppen. 15 Jahre nach einer ersten Koloskopie mit negativem KRK-Befund betrug das standardisierte 10-Jahres-Inzidenzverhältnis 0,72 (95%-KI 0,54–0,94) und das standardisierte 10-Jahres-Mortalitätsverhältnis 0,55 (95%-KI 0,29–0,94). „Mit anderen Worten: Das 10-Jahres-kumulative Risiko für KRK im 15. Jahr in der exponierten Gruppe betrug 72% des kumulativen 10-Jahres-Risikos für KRK in der Kontrollgruppe“, bilanzieren Liang et al. Eine Verlängerung des Intervalls zwischen den Vorsorgeuntersuchungen bei Koloskopien von 10 auf 15 Jahre bei Personen, deren 1. Koloskopie ohne Befund war, könnte dazu führen, dass nur 2 Fälle von KRK nicht frühzeitig erkannt werden und 1 KRK-spezifischer Tod pro 1000 Personen verhindert wird, während potenziell 1000 Koloskopien vermieden werden. Fazit Die Kohortenstudie ergab, dass für die Bevölkerung ohne familiäre Vorbelastung mit Darmkrebs das 10-Jahres-Intervall zwischen Koloskopie-Screenings für Personen mit einer ersten Koloskopie mit negativem Befund auf Darmkrebs möglicherweise auf 15 Jahre verlängert werden könnte. (sf) Autoren: Liang Q et al. Korrespondenz: Mahdi Fallah; [email protected] Studie: Longer Interval Between First Colonoscopy With Negative Findings for Colorectal Cancer and Repeat Colonoscopy Quelle: JAMA Oncol 2024;10(7):866–873. Web: https://doi.org/10.1001/jamaoncol.2024.0827
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