Darmpolypen: DNA-Tests verbessern den Einblick in erbliche Risiken

Darstellung der Entfernung eines Darmpolypen. (Abbildung, KI-generiert: © THIBNH/stock.adobe.com)

Bei fünf bis zehn Prozent der Darmkrebspatienten spielen erbliche Faktoren eine Rolle. Dabei ist der Anteil bei jüngeren Personen höher. Die DNA-Analyse von Darmpolypen liefert wichtige zusätzliche Informationen über die Entstehung dieser Polypen und von Darmkrebs.

Diese DNA-Analyse führt zu einer besseren Diagnose und Behandlung und bietet Betroffenen und ihren Familienangehörigen mehr Klarheit. Zu diesem Ergebnis sind Wissenschaftler vom Radboud University Medical Center (Radboudumc; Niederlande) und des Universitätsklinikums Bonn (UKB) in Zusammenarbeit mit Forschenden aus München und Barcelona (Spanien) gekommen. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse kürzlich in „Gastroenterology“.

Eine große Anzahl von Darmpolypen gilt als deutlicher Risikofaktor für Darmkrebs: mindestens zehn Polypen bei Menschen unter 60 Jahren und mehr als 20 bei Menschen unter 70 Jahren. Diese Personen können sich einer genetischen Untersuchung mittels Blut-DNA-Analyse unterziehen. In etwa einem Viertel der Fälle wird eine genetische Ursache identifiziert. Diese Patienten sowie die Mutationsträger unter ihren Verwandten haben Anspruch auf regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, um Darmkrebs frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Bei den übrigen drei Vierteln der Betroffenen könne jedoch keine genetische Ursache für die Erkrankung festgestellt werden, selbst wenn ein starker Verdacht auf ein erbliches Risiko besteht, erklärt Richarda de Voer, leitende Forscherin am Radboudumc. „Zum Beispiel, weil sie eine große Anzahl von Polypen haben oder Verwandte, bei denen Darmkrebs diagnostiziert wurde. In dieser Gruppe haben wir umfangreiche genetische Analysen der DNA der Polypen selbst durchgeführt. Wir wollten wissen, ob dies weitere Informationen liefern könnte, beispielsweise darüber, wie sich ein Polyp entwickelt.“

Risikovorhersage bei Patienten aus ganz Europa

Zusammen mit einem internationalen Team innerhalb des Solve-RD-Konsortiums analysierten die Forschungsgruppen 333 Polypen von 180 Personen aus ganz Europa. Bei diesen hatte durch die Analyse von aus Blut gewonnener DNA keine genetische Ursache festgestellt werden können. Dabei ergab sich ein klares Bild: Achtzig Personen hatten adenomatöse Polypen. Diese Polypen wurden hauptsächlich durch nicht vererbte Mutationen im APC-Gen verursacht, aber bei mindestens 20 Prozent der Personen lag ein APC-Mutationsmosaik vor. Das bedeutet, dass die Veranlagung nicht in allen Körperzellen vorhanden ist, sondern beispielsweise auf Zellen des Dickdarms beschränkt sein kann.

„Wir wissen bereits seit einiger Zeit, dass diese Veranlagung für Polypen und Darmkrebs existiert, aber sie wird noch nicht routinemäßig in allen Zentren in Europa analysiert“, erklärt Stefan Aretz, leitender Forscher am Universitätsklinikum Bonn und Mitglied im Transdisziplinären Forschungsbereich (TRA) „Life & Health“ der Universität Bonn. Darüber hinaus legt diese Studie nahe, dass bei der Entwicklung von adenomatösen Polypen ohne erbliche Veranlagung APC wahrscheinlich das einzige Gen ist, bei dem Mosaike eine Rolle spielen. „Wenn ein Bluttest negativ ausfällt, ist die DNA-Analyse von Polypen der Weg, um diese Form der genetischen Veranlagung zu erkennen. Das ist wichtig, weil Geschwister von Menschen mit dieser Form der Veranlagung kein erhöhtes Risiko haben, ihre Nachkommen jedoch schon“, sagt De Voer. Erstautorin Anna Katharina Sommer, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Humangenetik des UKB ergänzt: „Darüber hinaus lieferte die Studie wertvolle Erkenntnisse über die frühen genetischen und epigenetischen Mechanismen der Tumorentstehung im Magen-Darm-Trakt.“

Wachstum aus normalem Gewebe?

Etwa sechzig Personen wiesen serratierte Polypen auf. Fast alle waren Träger einer nicht vererbbaren Mutation im BRAF-Gen. Eine detaillierte genetische Analyse ergab, dass diese Polypen genetisch gesehen einer Überwucherung von normalem Darmgewebe ähneln. De Voer: „Wir wollen dies weiter untersuchen, da wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen können, ob sich diese Polypen immer zu Darmkrebs entwickeln.“

Klarheit in der Diagnose

Die Forschungsergebnisse können einer großen Gruppe von Betroffenen zu einer klaren Diagnose verhelfen. Die Wissenschaftler haben außerdem den Mehrwert aufgezeigt, den die DNA-Analyse von Polypen mithilfe fortschrittlicher Technologien als Bestandteil der Regelversorgung hätte.

„Insbesondere die Identifizierung von APC-Mosaiken durch die Einführung einer umfassenderen Untersuchung ermöglicht nicht nur diagnostische Klarheit für die Betroffenen, sondern entlastet auch ihre Angehörigen und kann ein Risiko für die Mehrheit ihrer Kinder ausschließen“, sagt Aretz.