Das Geheimnis eines langen Lebens verbirgt sich möglicherweise im Darm2. Juni 2023 Foto: © Savvapanf Photo/stock.adobe.com Seit Menschengedenken gibt es den Traum vom ewigen Leben: Manche pflegen einen extra-gesunden Lebensstil und ernähren sich entsprechend, um möglichst lange zu leben, andere scheuen im Zusammenhang mit Behandlungen kaum Kosten und Mühen. Aber manche Menschen werden ganz von selbst hundert Jahre alt. Warum ist das so? Forschende vom Novo Nordisk Foundation Center for Protein Research an der Universität Kopenhagen (Dänemark) haben sich auf die Suche nach der Antwort auf diese Frage gemacht. Und diese liegt – wie so oft – anscheinend im Darm: Bei der Untersuchung 176 gesunder japanischer Hundertjähriger stellten die Wissenschaftler fest, dass die Kombination von Darmbakterien und bestimmten Viren dieser Menschen ziemlich einzigartig ist. „Wir sind immer gespannt darauf, herauszufinden, warum manche Menschen ein extrem langes Leben führen“, erklärt Joachim Johansen, Erstautor der neuen Studie. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Darmbakterien hochbetagter japanischer Bürger völlig neue Moleküle produzieren, die sie resistent gegen pathogene Mikroorganismen machen. Und wenn ihr Darm besser vor Infektionen geschützt ist, dann ist das wahrscheinlich einer der Gründe, warum sie länger leben als andere.“ Diese zeigt unter anderem, dass bestimmte Viren im Darm einen positiven Einfluss auf die Darmflora und damit auf die menschliche Gesundheit haben können. „Unser Darm enthält Milliarden von Viren, die von und in Bakterien leben, während menschliche Zellen ihnen vollkommen gleichgültig sind“, erläutert Associate Professor Simon Rasmussen, Letztautor der aktuellen Arbeit. „Stattdessen infizieren sie die Bakterienzellen. Und da es in unserem Darm Hunderte verschiedener Arten von Bakterien gibt, gibt es auch viele bakterielle Viren.“ Johansen fügt hinzu, dass die Forschenden neben den wichtigen, neuen, schützenden Bakterienviren auch die Darmflora der japanischen Hundertjährigen äußerst interessant fanden. „Wir haben bei den Hundertjährigen eine große biologische Vielfalt sowohl bei Bakterien als auch bei bakteriellen Viren festgestellt“, erklärt er. „Eine hohe mikrobielle Vielfalt ist normalerweise mit einem gesunden Darmmikrobiom verbunden. Und wir gehen davon aus, dass Menschen mit einem gesunden Darmmikrobiom besser vor altersbedingten Krankheiten geschützt sind.“ Wenn man erst einmal weiß, wie die Darmflora von Hundertjährigen aussieht, kann man besser verstehen, wie man die Lebenserwartung auch anderer Menschen erhöhen kann. Mithilfe eines von den Wissenschaftlern entwickelten Algorithmus gelang es ihnen, die Darmbakterien und bakteriellen Viren der Hundertjährigen zu kartieren. „Wir wollen die Dynamik der Darmflora verstehen“, erklärt Rasmussen. „Wie interagieren die verschiedenen Arten von Bakterien und Viren? Wie können wir ein Mikrobiom entwickeln, das uns hilft, ein gesundes und langes Leben zu führen? Sind manche Bakterien besser als andere? Mithilfe des Algorithmus können wir das Gleichgewicht zwischen Viren und Bakterien beschreiben.“ Und wenn es den Forschenden gelingt, den Zusammenhang zwischen Viren und Bakterien bei japanischen Hundertjährigen zu verstehen, können sie möglicherweise sagen, wie das optimale Gleichgewicht von Viren und Bakterien aussieht. Optimierung der Darmbakterien Genauer gesagt könnten die neuen Erkenntnisse über Darmbakterien dabei helfen, zu verstehen, wie man Bakterien im menschlichen Körper optimieren könnte, um ihn vor Krankheiten zu schützen. „Wir haben gelernt, dass ein Virus, das Kontakt zu einem Bakterium hat, dieses tatsächlich stärken kann“, sagt Johansen. „Die Viren, die wir bei gesunden japanischen Hundertjährigen fanden, enthielten zusätzliche Gene, die die Bakterien auf Trab bringen konnten. Wir haben herausgefunden, dass sie in der Lage sind, die Transformation bestimmter Moleküle im Darm anzukurbeln, was zur Stabilisierung der Darmflora und zur Bekämpfung von Entzündungen beitragen könnte.“ Rasmussen ergänzt: „Wenn man Bakterien und Viren findet, die sich positiv auf die Darmflora des Menschen auswirken, liegt der nächste Schritt nahe: herauszufinden, ob nur einige Menschen oder alle darüber verfügen. Wenn es uns gelänge, diese Bakterien und ihre Viren bei Menschen einzuführen, die sie natürlicherweise nicht haben, könnten mehr Menschen von ihnen profitieren.“ Auch wenn hierzu noch mehr Forschung nötig ist, sind die neuen Erkenntnisse bedeutsam, wie die Studienautoren finden. „Darmbakterien sind ein natürlicher Teil des menschlichen Körpers und unserer natürlichen Umwelt“, formuliert Rasmussen. „Und das Verrückte ist, dass wir tatsächlich die Zusammensetzung der Darmbakterien verändern können. Wir können die Gene nicht verändern – zumindest nicht auf lange Sicht. Wenn wir wissen, warum Viren und Darmbakterien gut zusammenpassen, fällt es uns viel leichter, etwas zu ändern, das sich tatsächlich auf unsere Gesundheit auswirkt.“
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