DEGAM kritisiert Lauterbachs Pläne zur Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen: „Fehlversorgung statt Effizienzverbesserung“7. November 2023 Symbolbild: ©Pixel-Shot/stock.adobe.com Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach plant, die Vorsorge und Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich zu stärken. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) kritisiert die Vorschläge als „nicht evidenzbasiert“ und wünscht sich einen stärkeren Fokus auf die Prävention anstatt der Früherkennung. Das deutsche Gesundheitssystem besitze eine vergleichsweise schlechte Effizienz und daher sei der politische Ansatz, Maßnahmen gegen die niedrige Lebenserwartung und die kardiovaskuläre Mortalität zu ergreifen, richtig, betont die DEGAM im Nachgang zur Vorstellung von Lauterbachs Initiative am 30. Oktober. „Es ist wichtig, dass die wissenschaftliche Allgemeinmedizin in die Überlegungen frühzeitig mit einbezogen wird. Wir erwarten nun, dass sich das BMG im weiteren Prozess mit unseren Vorschlägen intensiv auseinandersetzt“, erklärte DEGAM-Präsident Prof. Martin Scherer. Die Fachgesellschaft äußert ihre Kritik an den Plänen des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) ausführlich in einer aktuellen Stellungnahme. Ein zentraler Aspekt ist aus Sicht der DEGAM, dass der Fokus des Impulspapiers noch zu sehr auf Früherkennung und zu wenig auf Prävention gelegt wird. „Wir haben bereits zu einem viel früheren Zeitpunkt effektive Hebel. Hierzu zählen beispielsweise ein Werbeverbot für Tabakprodukte und ungesunde Lebensmittel oder die Zuckersteuer“, verdeutlicht Scherer. So könne eine Lebensstilmodifikation viel bewirken. Daneben sei auch zu bedenken, dass viele der vorgeschlagenen Maßnahmen nicht evidenzbasiert seien. Ohne erkennbaren Nutzen bestehe jedoch die Gefahr, dass Über- und Fehlversorgung eher verstärkt statt abgebaut werden. In der Stellungnahme formuliert die DEGAM daher: „Angesichts des sich bereits jetzt schon aufbauenden Mangels an ärztlichen Praxen muss jede zusätzliche Leistung ganz besonders hinsichtlich ihrer Effektivität geprüft werden.“ „Uns ist es im Beratungsprozess wichtig, konkrete Vorschläge aus hausärztlicher Sicht zu formulieren“, so Prof. Eva Hummers, Vizepräsidentin der DEGAM. Neben der verstärkten Primärprävention zählen aus Sicht der DEGAM hierzu zum Beispiel die Förderung der hausarztzentrierten Versorgung, die Einführung eines Primärarztsystems zur Reduktion von Über-, Unter- und Fehlversorgung sowie die Stärkung der Allgemeinmedizin in Aus- und Weiterbildung. „Statt Kolibris zu fangen geht es aus unserer Sicht zunächst einmal darum, die Spatzen nicht zu ignorieren“, fasst Hummers den Tenor der DEGAM-Stellungnahme zusammen.
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