Demenzforschung: 100.000 Euro für transatlantisches Kooperationsprojekt8. März 2019 v.l.n.r.: Dr. Frank Stehr, Vorstandsvorsitzender der NCL-Stiftung, mit den beiden Preisträgerinnen, Dr. Sabina Tahirovic, vom DZNE und Dr. Susan Cotman vom Massachusetts General Hospital, sowie Dr. Henneke Lütgerath, Vorstandsvorsitzender der Joachim Herz Stiftung. (Foto: DZNE/Volker Lannert) Für die Erforschung der Gemeinsamkeiten von Demenzerkrankungen bei Kindern und Erwachsenen erhalten zwei Neurowissenschaftlerinnen aus München und Boston den mit 100.000 Euro dotierten „Neurodegeneration Research Award“. Im Fokus des auf zwei Jahre ausgelegten Projektes von Dr. Sabina Tahirovic, DZNE, und Dr. Susan Cotman, Massachusetts General Hospital, stehen die Immunzellen des Gehirns. Dieser erstmals verliehene Forschungsförderpreis wurde von der NCL-Stiftung mit Unterstützung der Joachim Herz Stiftung ins Leben gerufen. „Bei Demenz denkt man üblicherweise an Alzheimer und ältere Menschen. Es gibt allerdings eine Vielzahl von Demenzerkrankungen, die sich bereits im Kinder- und Jugendalter bemerkbar machen“, sagte Dr. Frank Stehr, Vorstand der NCL-Stiftung. „Sie sind selten und daher noch relativ unerforscht. Aber alle tödlich. Die meisten Patienten werden keine 30 Jahre alt.“ Zu den Kinderdemenzen zählen beispielsweise die „Niemann-Pick Typ C Krankheit“ (NPC) und die „Neuronale Ceroid Lipofuszinose“ (NCL), von der diverse Varianten bekannt sind. Diese Erkrankungen gehen nicht nur mit geistigem Abbau einher, mögliche Symptome sind auch epileptische Anfälle, Bewegungsstörungen und Sehverlust. Ausgelöst werden NPC und NCL durch Fehler im Erbgut. Die Folge: in den Nerven- und anderen Hirnzellen sammeln sich schwer abbaubare Substanzen an. An dieser Überfrachtung gehen die Nervenzellen letztlich zugrunde. Aktive Immunzellen „Trotz aller Unterschiede haben diese Erkrankungen eine Reihe von Gemeinsamkeiten mit Alzheimer“, erklärte Tahirovic. „Dazu gehört die Aktivierung der Immunzellen des Gehirns, der sogenannten Mikroglia. Infolgedessen entwickelt sich eine chronische Entzündung. Das Gehirn steht dann gewissermaßen unter Dauerbeschuss.“ Genau diese Prozesse wollen Tahirovic und ihre US-amerikanische Kollegin unter die Lupe nehmen. Mit von der Partie ist zudem ein wissenschaftlicher Mitarbeiter von Tahirovic, Dr. Alessio Colombo. Das Preisgeld trägt zur Finanzierung seiner Stelle bei und bietet ihm die Möglichkeit für Forschungsaufenthalte am Massachusetts General Hospital in Boston. „Wir wollen verstehen, wie sich die Mikroglia infolge der NCL und der NPC verändern und warum sie in einen Zustand dauerhafter Aktivierung übergehen“, sagte Tahirovic. „Auf dieser Grundlage wollen wir neue Ansatzpunkte für die Therapie von Kinderdemenzen finden, die auch hinsichtlich der Behandlung von Alzheimer erforscht werden könnten.“
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