Der Tanz auf den Wellen: Verletzungen beim Wellenreiten

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Welche Verletzungsgefahren es beim Wellenreiten gibt und wie man vorbeugen kann, darüber referiert Dr. Markus Knöringer, auf dem 41. Jahreskongress der GOTS vom 11. bis 13. Juni in Osnabrück.

Das Wellenreiten hat von Hawaii aus vor 20 Jahren ihren Siegeszug nach Europa angetreten und zieht immer mehr Menschen in ihren Bann. Inzwischen surfen allein im deutschsprachigen Raum (DACH) rund 3 Millionen Menschen. Davon gehen etwa 500.000 Athleten diesem Sport regelmäßig aktiv nach.

Hauptgefahren sind eigenes Brett und Untergrund

„Unbestritten gibt es keinen schnelleren Weg sich ein gutes Brettgefühl anzueignen, wie auf der stehenden Welle auf dem Fluss oder in einem Becken. Am Meer würde jeder Sportler sehr viele Jahre für den gleichen Fortschritt brauchen“, sagt Knöringer. Er ist Facharzt für Neurochirurgie, Spezialist für Wirbelsäule und Sportmedizin in München und Miesbach.

Selbst in dieser Sportart aktiv, kennt Knöringer die Risiken und Verletzungen der Athleten sehr gut. „Aus sportmedizinischer Sicht ähneln sich die Verletzungen beim Surfen im Meer, Fluss und im Surfpool. Generell sind das eigene Brett und der Untergrund die Hauptgefahren“, so der GOTS-Experte.

Bei der Auswertung von Stürzen zeigte sich, dass Surfer und Brett meist nur wenige Zentimeter aneinander vorbeischrammen. Kommt es zu einem Kontakt, ist das Risiko für eine ernsthafte Verletzung durch die spitze Nose des Boards, sehr harten Kanten und vor allem durch scharfe, steife Finnen recht hoch.

Risiko Kopf- und Halswirbelsäulenverletzungen beim Wellenreiten

Knöringer: „Besonders häufig beobachten wir Kontusionen, Stich- und Schnittverletzungen. Und – beim Absprung vom Board – Kopfverletzungen mit Gehirnerschütterung oder gar Hirnprellung. Auch ist das Risiko für eine schwere Halswirbelsäulenverletzung ist hoch und kommt insbesondere bei Profisurfern, die aggressive Wellen surfen, immer wieder vor.“

Beim Hochleistungssurfen ist das Risiko für Verletzungen laut Knöringer vor allem während der Landung gegeben. Denn die Bretter beim Wellenreiten sind extrem leicht aufgebaut und nicht mit den Füssen verbunden. Deshalb ist es, neben der Schwierigkeit überhaupt abzuheben und aus dem Wasser zu kommen, eine Kunst das Brett in der Luft zu kontrollieren. Dabei gilt es geschickt die Windrichtung auszunutzen, damit das Brett an den Füssen bleibt.

Risiko für ernsthafte Knie, Sprunggelenks- und Vorfußverletzungen

Bei ungünstigen Landungen, wenn etwa das Brett verkippt ist, man im Flat landet oder die Sprunghöhe zu groß geworden ist, steigt das Risiko für ernsthafte Knie-, Sprunggelenk- und Vorfußverletzungen stark an. Hierbei werden auch Luxationsverletzungen beobachtet.

Sportler ziehen sich manchmal eine schwere Verletzung zu, bei der die Verbindung zwischen Fußwurzel und Mittelfuß bricht, sich verrenkt oder die Bänder reißen. Diese komplexe Verletzung hat ein hohes Risiko für dauerhafte Fehlstellungen oder Spätschäden.

Überlastungen beim Wellenreiten

Überlastungsreaktionen beim Wellenreiten betreffen vor allem Schultern, Nacken und die Lendenwirbelsäule. Diese Strukturen werden stark beansprucht. Der Grund: Beim Wellenreiten wird ein großer Teil der Zeit auf dem Wasser auf dem Bauch liegend beim Paddeln verbracht.

Alte Verletzungen in diesen Bereichen oder Funktionsdefizite verschlechtern die Effektivität beim Paddeln und können leicht zu Beschwerden führen. Fehlhaltungen oder Verkürzungen u.a. im Bereich der Schulterblätter, Brustwirbelsäule oder Hüftgelenke führen oft rasch zu Beschwerden in den Nachbarabschnitten.

Was für den Profi selbstverständlich ist, ist auch für den Freizeitsurfer obligatorisch: die körperliche Vorbereitung und Fitness. Kraft, Kraftausdauer und entsprechende Beweglichkeit sind die Basis.