Deutlich mehr Verschreibungen von GLP-1RAs vor bariatrischen OPs

Eine bariatrische Operation kann Patienten mit Adipositas bei der Gewichtsreduktion helfen. Symbolbild ©subway84/stock.adobe.com

Laut neuesten Studiendaten wird Patienten in den USA vor einer bariatischen Operation inzwischen deutlich häufiger ein GLP-1-Rezeptoragonist (GLP-1RA) verschrieben – unabhängig vom Diabetesstatus. Damit steigt der Bedarf an evidenzbasierten Leitlinien.

Neue Forschungsergebnisse zeigen einen deutlichen Anstieg der Einnahme von Medikamenten zur Gewichtsreduktion bei Patienten, die sich einer metabolischen und bariatrischen Operation unterziehen. Die Forschungsarbeit wird auf dem Clinical Congress 2025 des American College of Surgeons (ACS) vom 4. bis 7. Oktober in Chicago (USA) vorgestellt.

Kein “One-Size-Fits-All”

„Es gibt keinen allgemeingültigen Ansatz zur Behandlung von Fettleibigkeit, metabolischem Syndrom, Diabetes und den damit verbundenen Erkrankungen“, erklärt Dr. Patrick J. Sweigert, leitender Autor der neuen Studie und Chirurg am Wexner Medical Center der Ohio State University (USA). „Stattdessen gibt es inzwischen multidisziplinäre Behandlungsmöglichkeiten, insbesondere im Gewichtsmanagement, über die Patienten und Chirurgen nachdenken sollten.“

In einer Querschnittsstudie untersuchte das Forschungsteam um Sweigert, wie vielen Patienten vor einer Operation die Glucagon-like Peptid-1-Rezeptoragonisten (GLP-1RA) Semaglutid oder Tirzepatid verschrieben worden waren. Sie analysierten rund 365.000 Patienten, die sich zwischen 2018 und 2024 einer primären metabolischen und bariatrischen Operation unterzogen hatten. Dazu nutzten sie die Epic Cosmos-Datenbank, die mehr als 300 Millionen Patientenakten von Einrichtungen in allen US-Staaten enthält.

Anstieg bei Patienten mit und ohne Diabetes

Vorläufige Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Anteil der Patienten, die im Jahr vor der Operation mindestens eine GLP-1RA-Verschreibung erhielten, innerhalb von vier Jahren um das Sechzehnfache anstieg – von 1,8 Prozent im ersten Quartal 2020 (Q1/2020) auf 29,4 Prozent (Q4/2024). Das Durchschnittsalter der Patienten betrug dabei 43 Jahre und der mediane präoperative Body-Mass-Index (BMI) lag bei 46. 80 Prozent der Patienten waren Frauen und 33 Prozent hatten die Diagnose Typ-2-Diabetes.

Sowohl bei Patienten mit als auch ohne Diabetes nahm die Anwendung sprunghaft zu: Bei Patienten ohne Typ-2-Diabetes stieg die präoperative GLP-1RA-Anwendung in den letzten drei Jahren um das Elffache – von 2,1 Prozent (Q1/2022) auf 23,2 Prozent (Q4/2024). Im Vergleich dazu vervierfachte sich die Anwendung bei Patienten mit Typ-2-Diabetes im gleichen Zeitraum (11,3 % auf 45,2 %). Das unterstreicht die wachsende Bedeutung dieser Medikamente in der Adipositasbehandlung unabhängig vom Diabetesstatus.

Wandelnde Wahrnehmung und Mangel an Leitlinien

Erstautorin Dr. Stefanie C. Rohde, Assistenzärztin für Allgemeinchirurgie am Wexner Medical Center, sieht in den Ergebnissen einen Wandel in der Wahrnehmung der Behandlungsmöglichkeiten der Patienten: „Während Patienten früher glaubten, sie müssten sich zwischen GLP-1-Rezeptoragonisten und einer Operation entscheiden, beobachten wir jetzt, dass sie beides anwenden.”

Man wisse bereits, dass Patienten GLP-1RAs postoperativ anwenden, um Gewichtsverluste zu steigern, so die Ärztin weiter. Allerdings seien all diese Daten noch sehr neu, sodass es bisher keine Leitlinien zur effizienten Behandlung und Nachsorge dieser Patienten gebe. Zukünftig könnten Real-World-Daten wie die von Epic Cosmos die Entwicklung evidenzbasierter Leitlinien für den Beginn, die Kombination oder den Übergang zwischen Behandlungsansätzen unterstützen, fügt sie hinzu – sei es vor oder nach der Operation.

Die Forschenden räumten Einschränkungen ihrer Analyse ein, darunter mögliche Ungenauigkeiten in den Patientenakten und Unsicherheiten darüber, ob die Patienten ihre verschriebenen Medikamente tatsächlich einnahmen. Auch der Einfluss einer präoperativen Anwendung auf den Operationsverlauf und die Ergebnisse sind noch nicht vollständig geklärt. Die Studienergebnisse sind bisher nicht veröffentlicht.

(mkl/BIERMANN)