Deutsche Umwelthilfe klagt gegen Nervengift im Ackerbau

Viele Pestizide stehen in Verdacht, nicht nur Schädlingen, sondern auch Menschen zu schädigen. (Foto: © zvonkodjuric – stock.adobe.com)

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat eigenen Angaben zufolge Klage gegen das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) eingereicht, um die Zulassung von Pestiziden mit dem Wirkstoff Deltamethrin zu widerrufen.

Deltamethrin steht im Verdacht, die menschliche Gesundheit und Ökosysteme erheblich zu schädigen. Die DUH fordert das BVL auf, die Zulassungen der betroffenen Pestizide umgehend zu überprüfen und zu widerrufen. Anlass der Klage sind Hinweise auf neurotoxische Effekte bereits bei sehr niedrigen Dosen sowie mögliche Gefahren für die frühkindliche Hirnentwicklung.

Die DUH beruft sich auf Erkenntnisse eines US-amerikanischen Forscherteams, das an Mäusen gezeigt hatte, dass die Exposition der Mutter gegenüber Deltamethrin in der Dosis, bei der in Zulassungsstudien für das Pestizid keine schädlichen Wirkungen beobachtet wurden (NOAEL), die Langzeitpotenzierung im Hippocampus erwachsener männlicher Nachkommen drei Monate nach der Exposition störte. Bei weiblichen Nachkommen war dieser Effekt nicht zu beobachten.

Pyrethroid stört das soziale Gedächtnis

Ergänzende Verhaltensexperimente zeigten ein Defizit im sozialen Gedächtnis, ein Verhalten, das für die Symptomatik von Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) relevant ist. Entsprechend könnte die mütterliche Deltamethrin-Exposition bei der NOAEL-Dosis ein potenzieller Treiber im Exposom von ASS sein, mutmaßen die Autoren im „Journal of Hazardous Materials“.

„Es ist erschreckend, dass das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit veraltete Risikobewertungen nicht aktualisiert, obwohl neue Studien die Gefahren – vor allem für die Entwicklung von Kindern – längst nahelegen. Dass diese Erkenntnisse ignoriert werden, ist aus unserer Sicht unverantwortlich und rechtswidrig“, erklärte Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH.

Deltamethrin gehört zu den Typ-II-Pyrethroiden, also synthetischen Insektiziden, und wird im Ackerbau, etwa im Raps- und Zuckerrübenanbau verwendet. Rückstände von Deltamethrin können über Lebensmittel aufgenommen werden. Darüber hinaus ist der Stoff hochgiftig für Insekten und für aquatische Lebewesen. (ej)