DGI, DGIM zu COVID-19: Nur eine rasche „Notbremsung“ kann jetzt helfen16. März 2020 Foto: © Halfpoint/Adobe Stock Die Infektionen mit SARS-CoV-2 und die COVID-19 Erkrankungen steigen aktuell in Deutschland rapide an. Die exponenzielle Zunahme der Fälle wird bei ungebremster Fortsetzung des Trends und der aktuell verzeichneten Verdopplung der Fallzahlen etwa alle drei Tage, zu etwa 20.000 Fällen in Deutschland bis Ende dieser Woche führen. Die Beobachtung einer bisher niedrigen Mortalität sei trügerisch, sie steige erst im weiteren Verlauf der Ausbreitung an, warnen Experten der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) und der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Dieser Trend sei bereits jetzt sichtbar: Die Letalität habe bis zum 9. März 2020 noch null Prozent betragen und liege aktuell bei 0,2 Prozent. In den Kliniken lasse sich parallel eine rasch steigende Zahl von stationär oder intensivmedizinisch behandlungspflichtiger Patienten beobachten. Um die weitere Ausbreitung zu bremsen, müsse unmittelbar gehandelt werden, so die Experten der DGI und der DGIM. Länder wie Taiwan, Südkorea oder Hongkong hätten gezeigt, dass mit tiefgreifenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens eine Eindämmung der Epidemie möglich ist. „Kommen diese zu einem zu späten Zeitpunkt – wie in Italien geschehen – sind diese Maßnahmen weit weniger wirksam”, erklären Bernd Salzberger, Vorsitzender der DGI, und Prof. Jürgen Floege, Vorsitzender der DGIM, in einer aktuellen Mitteilung. Die überwiegend milden Verläufe bei jüngeren und gesunden Infizierten täuschten über die Bedrohung durch SARS-CoV-2 hinweg, so die Experten weiter. Diesen Verläufen stehe eine dramatisch hohe Rate an schweren Verläufen bei chronisch kranken, immunsupprimierten und älteren Menschen gegenüber. Es müsse vermieden werden, dass Kontaktpersonen dieser besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen die Infektion an diese weitergeben. „Eine der wichtigsten Gruppen hierbei sind Mitarbeiter in Seniorenheimen und Pflegeeinrichtungen, ambulante Pflegedienste und alle anderen Berufsgruppen, die vor allem kranke und ältere Mitmenschen betreuen.” In der letzten Woche seien mit der Absage von Großveranstaltungen und Schließung von Schulen und Kindertagesstätten bereits wichtige Schritte unternommen worden. „Diese Maßnahmen reichen jedoch nicht aus”, betonen die Vertreter der beiden Fachgesellschaften. “Die weitere Ausbreitung von COVID-19 kann nur durch noch deutlich weitergehende Einschränkungen des öffentlichen Lebens gelingen: Hierzu zählt die völlige Schließung von gastronomischen Betrieben und nicht-systemrelevanten Arbeitsstätten. Wie in anderen Ländern sollten Zusammenkünfte von mehr als fünf Personen unterbleiben. Die zwingende Notwendigkeit solcher Maßnahmen muss der Bevölkerung sehr deutlich und anschaulich vermittelt werden, damit sie entsprechend angenommen werden.” Den Anstieg der Fälle für die nächsten zwei Wochen lasse sich aktuell kaum mehr beeinflussen, aber rasche effektive Maßnahmen könnten immer noch die Höhe der anrollenden Welle von Infektionen deutlich verringern. „Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich und viele Anstrengungen werden nötig sein, um diese abzumildern. Bei nüchterner Betrachtung aller Alternativen wird dennoch nur die sofortige ‘Notbremsung’ des öffentlichen Lebens noch größere Schäden verhindern.”
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