DGIM: Zur besseren Versorgung chronisch kranker Menschen in ländlichen Gegenden sollen verstärkt Praxisnetze entstehen11. April 2024 Foto: © Tom/stock.adobe.com Welche Voraussetzungen solche Netze erfüllen müssen, damit eine effiziente und qualitativ hochwertige Versorgung gelingt, diskutieren die Korporativen Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) auf ihrem Frühjahrssymposium am 15. April. Rund 10 Millionen Menschen in Deutschland sind von einer chronischen Nierenkrankheit (CKD) betroffen. Gerade in den Anfangsstadien der CKD wissen die allermeisten jedoch nichts davon, dass ihre Nieren zunehmend Probleme haben, ihrer Aufgabe bei der Blutwäsche nachzukommen. „In den ersten beiden von insgesamt fünf Erkrankungsstadien wird sie deshalb nur bei 3 bis 4 Prozent der Betroffenen erkannt“, erklärt Professor Jörg Latus, Ärztlicher Leiter der Abteilung für Allgemeine Innere Medizin und Nierenerkrankungen am Robert Bosch Krankenhaus Stuttgart. Besonders problematisch: Weil die Krankheit in der Zwischenzeit ungehindert fortschreitet und die Nieren immer mehr ihre Funktion einbüßen, endet die CKD im Extremfall in der Dialysepflichtigkeit. Prävention in der Hausarztpraxis scheitert oft am Kostendruck Primärpräventive Aufgaben werden nur zum Teil von den Krankenkassen vergütet, binden allerdings sehr viel Zeit und werden deshalb häufig eher hinter kurative Tätigkeiten gestellt. So zeigen Studien: Noch nicht einmal die Hälfte der Menschen mit bekannten Risikofaktoren erhalten diagnostische Bluttests zur Ermittlung der Nierenfunktion. Die Bestimmung des Albumin-Kreatinin-Verhältnisses im Urin kommt sogar nur bei 0,4 Prozent der Vorerkrankten zum Einsatz. Sektorengrenzen leichter überwinden Diese Versorgungslücke soll durch neue Strukturen in der Versorgung geschlossen werden: Die geplanten Praxisnetze sollen gemäß den Strukturanforderungen der KBV interdisziplinär aufgestellt sein und in einem regionalen Verbund eng kooperieren. „Hausärztliche Praxen als Primärversorger sind fester Bestandteil jedes Praxisnetzes“, so Professor Georg Ertl, Generalsekretär der DGIM aus Würzburg. Die enge Vernetzung von Haus- und Facharztpraxen sowie Kliniken biete gerade für die Erkennung und Behandlung chronischer Erkrankungen große Chancen. Voraussetzung hierfür sei, dass innerhalb der Praxisnetze klare und sichere Kommunikationswege bestünden – und dass die Zuständigkeiten eindeutig verteilt seien. So müsse etwa geklärt sein, bei wem alle Fäden wieder zusammenlaufen und wer letztlich die medizinischen Entscheidungen trifft. „Hier wird der hausärztlichen Praxis beziehungsweise der Allgemeinen Inneren Medizin noch weit mehr als bisher eine zentrale, steuernde Rolle zukommen“, äußert Ertl. Versorgung in Netzwerken: eine Chance für die Zukunft! Der DGIM-Generalsekretär sieht auch die Chance, dass die angestrebte enge Kooperation innerhalb der Praxisnetze dazu beiträgt, den Wissenstransfer aus Forschung und Leitlinien in die tägliche Praxis zu beschleunigen. Wie wichtig das wäre, zeigt ein Blick auf die heutige Versorgungspraxis der CKD. „Selbst wenn die Laborwerte eine CKD nahelegen, wird die Diagnose in 5 von 6 Fällen nicht gestellt und nur 10 Prozent der CKD-Betroffenen erhalten eine leitliniengerechte Therapie mit SGLT2-Inhibitoren“, betont Nierenexperte Latus unter Verweis auf die aktuelle InspeCKD-Studie, die Daten von 440.000 Patienten ausgewertet hat. Würden diagnostische und therapeutische Pfade rascher beschritten, könnte den Patienten schwere Folgeschäden erspart werden, setzt der Experte große Hoffnungen in Praxisverbünde. Bei der Online-Pressekonferenz der Korporativen Mitglieder der DGIM am Montag gehen Experten miteinander ins Gespräch zu der Frage, wie funktionierende Netzwerke Lücken in der Versorgung chronisch erkrankter Menschen schließen können.
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