DGK-Tagung: Entzündungshemmende Therapien könnten Behandlung von Herzerkrankungen revolutionieren30. April 2019 Bild: © Sebastian Kaulitzki – fotolia.com Antientzündliche Strategien zur Bekämpfung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen standen bei der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung im Fokus. Die Behandlung der chronischen Gefäßentzündung, besser bekannt als Atherosklerose, ist eine der großen Herausforderungen der Kardiologie. Bisher kann die Erkrankung weder mit cholesterinsenkenden Therapien in ihrem Entstehen verhindert noch mit Bypass-Operationen oder der Implantation von koronaren Stents gestoppt werden. Folgerichtig sind neue Forschungsansätze und vor allen Dingen auch translationale Bemühungen notwendig, um neue pharmakologische Therapieverfahren für diese Erkrankung zu entwickeln. Vom 24. bis zum 27. April 2019 trafen in Mannheim mehr als 8.500 Herzspezialisten zusammen und diskutierten mögliche Ansätze hierfür. „Meine feste Überzeugung ist, dass noch zu entwickelnde antiinflammatorische, also antientzündliche Therapiestrategien das Potential haben, die Behandlung der Atherosklerose ganz wesentlich und positiv zu verändern“, erklärte Tagungspräsident Prof. Stephan Baldus während der Eröffnungspressekonferenz der Tagung. Große Studien zeigen vielversprechende Ansätze Vor anderthalb Jahren hat die groß angelegte CANTOS-Studie erstmals zeigen können, dass eine pharmakologische Therapie möglich ist. Sie überprüfte die Wirksamkeit eines gegen Interleukin-1ß (einem Entzündungsmediator) gerichteten Antikörpers und konnte dabei nachweisen, dass die Inflammation als therapeutisches Ziel einen wichtigen Stellenwert einnimmt. „Die in dieser Studie publizierten Effekte sind jedoch leider noch begrenzt und die Euphorie hinsichtlich der Nachweisbarkeit dieses Mechanismus hat sich leider bisher nicht in einer noch effektiveren Therapie umgesetzt“, schränkt Baldus ein. „Neue Untersuchungen zu etwas unspezifischer wirkenden antientzündlichen Strategien konnten zuletzt nicht überzeugen. Aber die Tatsache, dass so groß angelegte Studien zu antiinflammatorischen Mediatoren unternommen werden, zeigt auf der einen Seite den festen Willen, in dieser Richtung neue Therapieformen zu entwickeln, und zeigt aber auch, dass wir leider noch viel Forschung brauchen, um für die Patienten etwas Konkretes anbieten zu können.“ Mit einer einzelnen Substanz könne man das komplexe Krankheitsbild zwar weder verhindern noch rückgängig machen, so der Experte, aber man sei auf dem richtigen Weg, indem gezielt Signalkaskaden der Zellen attackiert würden. „Ich hoffe sehr, dass sich dies in einer Verbesserung der Therapieoptionen dieser Erkrankung niederschlägt, die wahrscheinlich nicht mit einem einzigen Medikament zurückzudrängen oder zumindest zum Stillstand zu bringen ist“, meint Baldus. Erkenntnisse in pharmakologische Therapien umsetzen Dass Kardiologen sich unter dem Dach dieses Kongresses mit kardiovaskulärer Inflammation intensiv auseinandersetzen, ist von großer Bedeutung, weil die isolierte Behandlung der Gefäßerkrankungen durch cholesterinsenkende Therapie nicht ausreichen wird, um die Krankheit einzudämmen. Weder Gefäßerkrankungen, noch die Herzinsuffizienz oder Arrhythmien sind hiermit ausreichend behandelbar. „Für diese drei großen Krankheitsbilder erhoffe ich mir, dass – in Anbetracht der Dringlichkeit, Medikamente zu entwickeln und der schlechten Prognose unserer Patienten mit diesen Erkrankungen – auf dem Gebiet der Entzündungsforschung neue Signalwege definiert werden, die sich in pharmakologische Therapien übersetzen lassen“, betont Baldus. „Ich hoffe, dass der nächste große, innovative Schritt pharmakologischer Art in der Tat im Bereich inflammatorischer Therapiestrategien für diese Erkrankungen liegen wird.“
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